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| Schatzmeister wegen Untreue in Haft, Partei am Abgrund |
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| redok | |||
| 07.02.2008 | |||
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Berlin/Münster. Schwerer Schlag für die NPD: Der Bundesschatzmeister Erwin Kemna wurde heute wegen des Verdachts der Untreue verhaftet, die Berliner NPD-Zentrale, der "Deutsche Stimme"-Verlag in Riesa (Sachsen) sowie Kemnas Privat- und Geschäftsräume im Münsterland wurden von der Polizei durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Münster wirft Kemna zwar Untreue zu Lasten der NPD vor und handelte mit den heutigen Aktionen eigentlich im Interesse der Partei. Doch die NPD sieht sich als Opfer staatlicher Verfolgung und steht noch in Treue fest zu dem Kassenwart, der von Partei-Konten mehr als 600.000 Euro für Privatzwecke abgezweigt haben soll.
"Sein Wissen und seine Erfahrung haben die NPD wirtschaftlich auf gesunde Füße gestellt", lobhudelt die NPD auf ihrer Internetseite über ihren "Finanzexperten" Kemna, der seit 1996 die Parteikasse führt. Dabei steht der Partei finanziell das Wasser bis zum Halse, denn sie muss 870.000 unrechtmäßig erhaltene Euro an die Bundestagsverwaltung zurückzahlen. Der Grund war ein groß angelegter Spendenbetrug der Thüringer NPD, die damit gesetzwidrig Gelder aus der staatlichen Parteienfinanzierung in die Parteikassen spülte. Die NPD musste angestellte Mitarbeiter entlassen und sogar die Mitglieder mit Bettelbriefen um "Kampfspenden" anpumpen. Im November 2007 beschuldigte der für den Spendenbetrug verurteilte frühere Thüringer Landesvorsitzende Frank Golkowski die Bundes-Parteiführung, sie habe von den Machenschaften nicht nur gewusst und sie toleriert, sondern sogar mit speziellen Schulungen für NPD-Schatzmeister aktiv gefördert. Der Ober-Schatzmeister Erwin Kemna gab sich jedoch ahnungslos und bieder: "Wir gehen davon aus, dass eine ordentliche Verwaltung der Gelder in den entsprechenden Jahren stattgefunden hat." Ordentlich verwaltet haben soll der 57-jährige Kemna die NPD-Kassen jedoch laut der Staatsanwaltschaft Münster in erheblichem Maße zu privatem Nutzen: Mehr als 600.000 Euro soll er von Parteikonten abgezweigt haben, teilten die Ermittler heute nachmittag mit.
Die Affäre kam schon vor einem Jahr durch die Anzeige eines Geldinstituts wegen des Verdachts der Geldwäsche in Gang. Im März 2007 eröffnete die Staatsanwaltschaft Münster ein Ermittlungsverfahren gegen Kemna wegen des Verdachts der Untreue: er soll laut Staatsanwaltschaft "Gelder aus dem Parteivermögen veruntreut und sich daran persönlich bereichert haben". Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) übernahm die Ermittlungen, der Verdacht bestätigte sich. Von Anfang Januar 2004 bis Anfang Juni 2007 soll Kemna durch mindestens 65 konkret festgestellte finanzielle Transaktionen die NPD um 627.000 Euro erleichtert haben. Bereits Ende Januar erließ das Amtsgericht Münster einen Haftbefehl, der heute vollstreckt wurde. Das Gericht sah Flucht- und Verdunkelungsgefahr; die Staatsanwaltschaft sprach von Kontakten Kemnas nach Österreich. Wo das veruntreute Geld geblieben ist, wissen die Ermittler noch nicht: "Es ist in einer seiner Firmen verschwunden, wir müssen gucken, was daraus geworden ist", so der Münsteraner Leitende Oberstaatsanwalt Hans-Jochen Wagner. Am Morgen begannen Durchsuchungen "im persönlichen und geschäftlichen Umfeld des Beschuldigten" in Ladbergen, Lengerich, und Osnabrück, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Polizei und Staatsanwälte erschienen bei Kemnas Wohnhaus in Ladbergen, in seinem Küchenstudio und seinem Laden für "Wohnaccessoires & Geschenkideen" in Lengerich, wo Kemna auch festgenommen wurde. "Überrascht, aber relativ gefasst" sei Kemna bei seiner Festnahme laut dem Oberstaatsanwalt gewesen. In Berlin durchsuchten 20 Ermittler die NPD-Parteizentrale, im sächsischen Riesa bekam der NPD-Verlag "Deutsche Stimme" Besuch, dessen Geschäftsführer Kemna ist. Dabei wurden laut dem NPD-Sprecher Klaus Beier in der Berliner Zentrale Akten und Computer beschlagnahmt. Statt den Behörden für die vermutliche Aufdeckung einer Straftat zu ihren Lasten dankbar zu sein, wies Parteichef Udo Voigt "alle Vorverurteilungen" gegen Kemna zurück. Er habe keine Erkenntnisse, "die auf ein persönliches Fehlverhalten von Erwin Kemna hindeuten". Die Schatzmeister-Verhaftung und die Durchsuchungen sollten die NPD laut Voigt "in ein finanzpolitisches Zwielicht rücken", um sie "in finanzielle Schwierigkeiten" zu bringen. Durch die Durchsuchungen und "Beschlagnahme aller Arbeitsmittel" sei wohl beabsichtigt, die Partei "auf Wochen funktionsunfähig" zu machen. Parteichef Udo Voigt habe Kemna noch einmal "das volle Vertrauen ausgesprochen", so NPD-Sprecher Beier.
Am Wochenende soll der NPD-Parteivorstand sich mit der Affäre befassen. Dabei wird die Parteiführung sich mit einem inhaftierten Parteikameraden befassen müssen, der
Mit dabei im Parteivorstand ist der in Immobiliendingen ebenfalls erfahrene Jürgen Rieger, der wohl größte Geldgeber und Gläubiger der NPD. Bei dem Hamburger Neonazi-Anwalt soll die Partei Derzeit stellt die NPD ihren "Mann der Praxis" Kemna noch mit seinem Glaubensbekenntnis vor: "Der Raubtierkapitalismus hat keine Zukunft." Die Zukunft des als untreu verdächtigten Kassenwarts und Klein-Kapitalisten Kemna dürfte jetzt schon beendet sein, die Zukunft der NPD sieht alles andere als rosig aus. Ergänzung 15.02.2008 Laut Medienberichten hat die Pressekammer des Hamburger Landgerichtes auf Antrag der NPD dem Spiegel mit einer einstweiligen Verfügung vom 11.02.2008 verboten, aus internen Emails der rechtsextremen Partei zu zitieren. Offenbar steht der oben verlinkte Spiegel-Artikel vom 21.01.2008 ("Bei dem Hamburger Neonazi-Anwalt soll die Partei mit 500.000 Euro in der Kreide stehen, wie der Spiegel vor gut zwei Wochen berichtete") derzeit nicht auf dem Spiegel-Server zur Verfügung. Abrufbar ist dagegen derzeit noch die Spiegel-Vorabmeldung vom 19.01.2008.
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