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"Heidenspaß für Groß und Klein" | Antisemitismus | |||
| "Heidenspaß für Groß und Klein" |
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| 10.02.2008 | |||||||
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Das Bundesfamilienministerium hat bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) beantragt, ein religionskritisches Kinderbuch in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufzunehmen. Zentraler Vorwurf im Indizierungsantrag ist, dass insbesondere der jüdische Glaube verächtlich gemacht werde. Ebenfalls bereits im Dezember hatte die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen das Kinderbuch erstattet, auch sie hält das Buch für antisemitisch.
Das im Aschaffenburger Alibri Verlag erschienene Buch "Wo bitte geht´s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel" von Michael Schmidt-Salomon und Illustrator Helge Nyncke versteht sich als "Bilderbuch, das die Religionskritik unverhohlen in die Kinderzimmer bringt" und "Heidenspaß für Groß und Klein". Es will Kinder auf "humorvolle Weise" über die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam aufklären. Erzählt wird die Geschichte vom kleinen Ferkel und vom Igel, die ein glückliches Leben führen, bis sie an ihrem Haus ein Plakat vorfinden: "Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!" Nun machen sich die beiden auf den Weg, um "Gott zu suchen". Dazu besuchen sie einen Rabbi, einen Bischof und einen Mufti, von denen sie jedoch für ihre Kritik hinausgeworfen werden.
Dem kleinen Ferkel und dem Igel werden dabei "kritische" Fragen und Ansichten in einer vom Verfasser angenommenen kindlich-naiven Art in den Mund gelegt. So wird das christliche Abendmahl bzw. die Eucharistie, bei der - mit konfessionellen Unterschieden - eine symbolische oder auch reale Präsenz von Christi Leib und Blut angenommen wird, schlicht mit dem Vorwurf der Menschenfresserei quittiert. Dem Rabbi wird die biblische Erzählung von Noah in den Mund gelegt, nach der Gott die Menschheit wegen ihrer Sündhaftigkeit auslöschen wollte - was das Kinderbuch-Ferkel "ja sowas von gemein" findet und sich vornimmt, "dem Herrn Gott ganz dolle auf den Fuß zu treten, wenn es ihn mal treffen würde". Die rituellen Reinigungen im Islam werden vom Ferkel als "Sauberkeitsfimmel" des "Herrn Gott" qualifiziert. Auch Helge Nynckes Bilder illustrieren weniger religiöse Inhalte als vielmehr augenscheinlich klischeehaft unangenehme Repräsentanten bzw. Amtsträger der drei monotheistischen Religionen. Sowohl die Darstellung des orthodoxen Rabbis mit der Geschichte vom grausamen Gott, der die Vernichtung allen Lebens auf Erden beschließt, als auch die Überzeichnung des christlichen Bischofs als dümmlichen, feisten Pfaffen mitsamt seiner "Plätzchen aus Menschenfleisch" (Hostien) finden in verschiedene Medienberichte Eingang. Die Darstellung der Muslime im "Ferkelbuch" fand hingegen bisher wenig Beachtung.
Diese nämlich sind die Einzigen, die als Gruppe - also die anwesenden Gläubigen in ihrer Gesamtheit - äußerst aggressiv dargestellt werden. Während Besucher oder auch Gläubige von Synagoge bzw. Kirche in den Bildsequenzen, in denen Ferkel und Igel aus dem jeweiligen Gebets- bzw. Gotteshaus verwiesen werden, entweder gar nicht oder nur im Hintergrund dargestellt werden, wandeln sich die Moscheebesucher hierbei zum wütenden, fanatischen Mob. Axel Rühle bezeichnet diese Sequenz in der Süddeutschen Zeitung als infam, insinuiere sie doch, "dass alle Besucher von Moscheen Extremisten sind und jeder Imam, der sich vernünftig gibt, in Wahrheit doch ein Hassprediger ist". Antisemitische Tendenzen?Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hatte für das "Ferkelbuch" bereits im Dezember 2007 bei der BPjM einen Indizierungsantrag nach dem Jugendschutzgesetz (JuSchG) gestellt. In der Antragsbegründung heißt es, insbesondere der jüdische Glaube werde durch die bildliche Darstellung und die Charakterisierung der Person des Rabbi "als wütender Mann mit entgleisten Gesichtszügen und den sterotypen Merkmalen eines streng orthodoxen Juden" verächtlich gemacht. Die Art der bildlichen Präsentation stelle die jüdische Religion als besonders menschenverachtend, grausam und mitleidlos dar. "Während die Vertreter anderer Religionen eher tölpelhaft und dumm dargestellt werden, scheinen die Verfasser mit der Darstellung des Rabbiners zu suggerieren, dass die jüdische Glaubensgemeinschaft andere Religionsgemeinschaften vernichten will", so das Ministerium. Die Bundesprüfstelle will am 6. März über eine Indizierung entscheiden.
Auch der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger - der den Indizierungsantrag veranlasst haben soll - bezeichnet in einem Interview der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) das Buch als gefährlich. Es mache Kindern Angst vor Religion, habe antisemitische Tendenzen, und der Islam werde inkompetent dargestellt. Biesinger betont, dass man sich in der Religionspädagogik der letzten Jahrzehnte intensiv darum bemüht habe, "dass derartige Bilder aus den Religionsbüchern verschwinden, dass keine antisemitischen und antijudaistischen Vorurteile entwickelt werden". In einer Stellungnahme des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden in Deutschland Stephan J. Kramer heißt es hingegen, man könne der Meinung, das Buch sei antisemitisch, nicht folgen, da es gleichermaßen die drei großen monotheistischen Religionen verleumde. Kramer hält das Buch jedoch für insgesamt gefährlich und befürwortet eine Indizierung. "Klischeegeprägte Betrachtungsweise"Das Programm des Alibri Verlages beinhaltet vor allem kritische Titel zu Esoterik, Irrationalismus und Okkultismus, Anthroposophie, Astrologie und Alternativmedizin. Einige Titel setzen sich mit religiösen Aspekten des Nationalsozialismus auseinander, ebenso werden (neo-)nationalsozialistische Elemente aktueller gesellschaftlicher Gruppierungen, Bewegungen und religöser Strömungen untersucht. Ein weiterer Schwerpunkt des Verlagsprogramms liegt auf religions- und kirchenkritischen Büchern, darunter auch von Autoren der Giordano-Bruno-Stiftung. Der Alibri Verlag, der Autor und Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung Michael Schmidt-Salomon, der "Ferkelbuch"-Zeichner Helge Nyncke sowie der von Gesellschaftern der Giordano Bruno Stiftung mitbegründete Humanistische Pressedienst (hpd) wehren sich nun gegen die vehemente Kritik und weisen insbesondere den Vorwurf des Antisemitismus zurück. Für den Fall einer Indizierung kündigte der Alibri-Verlag den Gang durch die juristischen Instanzen an. Der Leiter des Alibri Verlages, Gunnar Schedel, hat mittlerweile eine eigene Webseite zum Buch eingerichtet. Helge Nyncke hat beim hpd eine ausführliche Stellungnahme zum Antisemitismus-Vorwurf veröffentlicht. Nyncke betont, bei der Darstellung des Rabbis sei mit großer Sorgfalt und Bedacht darauf geachtet worden, keine stereotypen negativen Klischeebilder zu verwenden, die diesen Mann persönlich oder als Repräsentant einer bestimmten Gruppe in irgendeiner Weise verächtlich machen könnten. Im Gegensatz zum "nazigeprägte[n] Hassbild der Juden" bediene er sich weder charakteristisch antisemitischer Darstellungsformen und -elemente wie der berüchtigten "Hakennase" noch sonstiger immer wiederkehrender äußerlicher Stereotypen. Die Projektion antijüdischer Klischees in dieses "dezidiert alle Religionsvertreter mit Bedacht genau gleich behandelnde Buch" sage "vor Allem etwas aus über die klischeegeprägte Betrachtungsweise der Kritiker", so Nyncke in seiner Erklärung. Eifer statt Aufklärung
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