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Totenehrung für Massenmörder PDF Drucken E-Mail
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12.02.2008
Budapest. Gespenstische Szenen in der ungarischen Hauptstadt: Hunderte Neonazis marschierten auf dem "Heldenplatz" auf, um in Reih und Glied ihren Helden der Waffen-SS und deren ungarischen Verbündeten zu huldigen. Beim "Tag der Ehre", der vom internationalen Skinhead-Netzwerk "Blood and Honour" (B&H) dominiert wurde, waren erneut deutsche NPD-Funktionäre als Wortführer mit dabei.

2.000 Neonazis waren laut Medienberichten am Samstag aufmarschiert, Beobachter sprachen dagegen von eher 1.100 Teilnehmern der Nazi-Feier. Nur wenige Dutzende Gegendemonstranten säumten in stillem Protest den Platz. Sie mussten fassungslos den Aufzug der martialisch auftretenden Neonazis zur Kenntnis nehmen, die mit den rot-weiß-gestreiften Árpád-Flaggen antraten, die zuletzt 1945 bei der mit den deutschen Nationalsozialisten verbündeten ungarischen faschistischen "Pfeilkreuz"-Bewegung verwendet worden war. Mit deren aktiver Beteiligung hatte die SS noch 1944 um die 400.000 Juden nach Auschwitz deportieren können, wo der größte Teil in den Gaskammern ermordet wurde. Ihre heutigen Nacheiferer sprachen am Samstag von "großen Heldentaten".

Budapest 09.02.08, Aufmarsch am "Tag der Ehre"
Gespenstischer Aufmarsch: In Reih und Glied zu Ehren der SS und der "Pfeilkreuzler" (Bilder: agentur snapshot)

Die Teilnehmer waren aus Ungarn, Deutschland, Kroatien, Slowenien, der Slowakei, Tschechien, der Schweiz, Spanien, Belgien, Niederlande, England und Polen gekommen. In Budapest konnten sie auf einem prominenten öffentlichen Platz ihre SS-Helden in einer Form zelebrieren, die "in den meisten europäischen Ländern undenkbar" ist, so der Pester Lloyd.

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NPD-Funktionär Matthias Fischer: "Arische Hoffnung"

Das jährliche Treffen in Budapest hat sich mittlerweile zum europäischen B&H-"Familientreffen" entwickelt, bei dem die Abzeichen und Symbole dieses militanten Netzwerks offen und ungestört zur Schau gestellt werden können. In Deutschland ist die Nazi-Skinhead-Organisation seit dem September 2000 illegal, auch die ungarische Abteilung "Ver es Becsület" (Blut und Ehre) wurde im Dezember 2004 verboten. Doch wie schon im Vorjahr störten sich die ungarischen Behörden nicht an großflächigen Bannern von "Blood and Honour Hungaria" am Heldenplatz.

Wieder dabei waren bei der SS-Ehrenfeier der Berliner NPD-Vorsitzende Eckart Bräuniger und Matthias Fischer, Vorstandsmitglied der bayerischen NPD, der seine Kopf-Tätowierung "Aryan Hope" (Arische Hoffnung) zur Schau stellte. Fischer reist bereits seit zehn Jahren zur SS-Ehrung nach Budapest und ist seinen "lieben Kameraden" in einem "Deutsch-Ungarischen Freundeskreis" verbunden. Vor allem aus dem südlichen Bundesland Bayern hatte sich eine beträchtliche Anzahl Neonazis in Budapest eingefunden, so etwa Gruppen aus Niederbayern, Mittel- und Oberfranken. "Ruhm und Ehre der Wehrmacht", verkündete die "Kameradschaft Nürnberg", und der "Kameradschaftsbund Hochfranken" (KBH) feierte mit "Ewig lebt der Toten Taten Ruhm" seine Helden von der SS. Daneben waren auch Neonazis aus Thüringen und Niedersachsen angereist.

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NPD-Männer Liebers, Bräuniger: Zum Abschied das "Horst Wessel-Lied"

Als Vertreter der "Jungen Nationaldemokraten" durfte Robin Liebers sein Debüt als Redner in Budapest halten, der die "große Armee unserer rumreichen Ahnen" ehren wollte und sein Bekenntnis "Ruhm und Ehre der Waffen-SS" in die Menge schrie. Tschechische Neonazis traten mit dem deutschsprachigen Transparent "Nationaler Widerstand - Böhmen und Mähren" auf. Folgerichtig wurde zum Abschluss der gespensterhaften Totenfeier "Deutschland, Deutschland über alles" abgespielt, dem nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung das in Deutschland verbotene "Horst Wessel-Lied" folgte - das Kampflied der Nazi-Sturmabteilung (SA) und Parteihymne der NSDAP.

Wie schon im letzten Jahr hatten die Veranstalter am Abend ein Nazirock-Konzert organisiert. Damals waren die bayerischen NPD-Funktionäre Norman Bordin und Matthias Fischer mit Hitlergrüßen aufgefallen, die durch die Ausstrahlung im Fernsehmagazin Panorama bundesweit Aufsehen erregten. In diesem Jahr traten aus Deutschland die Hardcore-Band "Painful Awakening" aus Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) und die "White Rebel Boys" aus dem bayerischen Fichtelgebirge auf die Bühne, die wie ihre Vorläufer-Band "Braune Brüder" aus dem Dunstkreis des KBH kommen.

Wenige Tage zuvor hatte die Polizei zwei Jugendliche festgenommen, die in Kaposvár im südwestlichen Ungarn einen jüdischen Friedhof geschändet hatten. Sie hatten auf Grabsteine Hakenkreuz- und Pfeilkreuz-Symbole, einen durchgestrichenen Davidsstern sowie den Spruch "Unser Land ist nicht zu verkaufen" geschmiert.

Am Sonntag bekannte sich eine "Ungarische Pfeile - Nationale Befreiungsarmee" zu mehreren Brandanschlägen gegen Parlamentsabgeordnete. Molotow-Cocktails waren am frühen Freitag Morgen auf die Wohnungen von vier Abgeordneten geworfen worden und hatten Sachschaden verursacht. Die Bekenner-Email an einen rechtsgerichteten Fernsehsender enthielt ein Foto eines Brandsatzes, der im Vorgarten eines der Angriffsziele in Flammen steht. Im Dezember 2007 hatte die Gruppe sich damit gebrüstet, einen Fernsehmoderator brutal zusammengeschlagen zu haben, weil er ein "jüdischer Söldling" sei.


Korrektur vom 13.02.2008

In einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es im Text und als Unterschrift zu einem Bild, es zeige den Mannheimer Neonazi Christian Hehl, der an der Veranstaltung teilgenommen habe. Diese Angabe beruhte auf einer unrichtigen Informationsübermittlung und wurde entfernt; das Bild zeigte nicht Hehl.