start arrow notizblog arrow Tausende Neonazis bei "Pflichttermin"
Neonazis
Tausende Neonazis bei "Pflichttermin" PDF Drucken E-Mail
redok   
17.02.2008
Dresden. Etwa 5.000 Neonazis haben sich gestern in der sächsischen Landeshauptstadt zu einem vorgeblichen "Trauermarsch" für die Opfer der Luftangriffe vom 13. bis 15. Februar 1945 versammelt. Gegen den in der rechtsextremen Szene als "Pflichttermin" geltenden Aufmarsch protestierten Tausende bei mehreren Gegenveranstaltungen. Entgegen ihrem Vorhaben konnten die Neonazis nicht an der Dresdner Synagoge vorbei marschieren.

Als Teilnehmerzahl der Neonazi-Veranstaltung nannte die Polizei 3.800; andere Beobachter sprachen jedoch von etwa 5.000, rechtsextreme Berichte sogar von über 6.000 Teilnehmern. Bereits am Mittwoch waren bei einer anderen Demonstration nach Augenzeugen knapp über 1.000 Neonazis durch Dresden marschiert.

Im Vorjahr hatten die Veranstalter den Neonazi-Marsch an einem Wochentag stattfinden lassen, daher hatten 2007 nur etwa 1.800 Neonazis an der Demonstration teilgenommen. In den Jahren davor hatte die Polizei 5.000 (2005) und 4.200 (2006) Teilnehmer an der Neonazi-Demo gezählt; die Veranstalter selbst hatten von 7.500 (2005) und 6.000 (2006) gesprochen.

An einer von einem breiten bürgerlichen Bündnis getragenen Gegendemonstration "Geh denken" nahmen nach Polizeiangaben 2.000 Menschen teil, die Veranstalter sprachen dagegen von mindestens 6.000 Teilnehmern und damit "mehr als in den vergangenen Jahren ", so der Dresdner DGB-Chef Ralf Hron. Etwa 1.500 Personen nahmen an einer Demonstration autonom-antifaschistischer Gruppen teil.

Der Aufzug der Neonazis sollte ursprünglich an der Dresdner Synagoge vorbeiführen. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Nora Goldenbogen, hatte scharf gegen diesen Vorbeimarsch am Samstag - dem jüdischen Feiertag Schabbat - als "bewusste Provokation" protestiert. Bereits am Mittwoch hatte Goldenbogen erstmals nicht an der offiziellen Kranzniederlegung der Stadt Dresden auf dem Heidefriedhof teilgenommen, weil sich dort seit Jahren zunehmend Rechtsextreme in den Vordergrund drängen.

Zum Schabbat-Gottesdienst hatte die jüdische Gemeinde alle ihr nahe stehenden Dresdner eingeladen; mehrere hundert Menschen waren dieser Einladung gefolgt. Auch die Demonstrationen gegen den Nazi-Aufmarsch führten in die Nähe der Synagoge. Goldenbogen sagte unter dem Beifall der Teilnehmer beider Gegendemonstrationen: "Nazis sollen in Dresden nicht mehr aufmarschieren können." Die Neonazi-Demo war kurzfristig umgeleitet worden, sodass sie nicht an der Synagoge vorbeiführte.