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NPD / Neonazis
Hasskampagne soll auf die Straße getragen werden PDF Drucken E-Mail
redok   
08.04.2008
Stolberg. Nach dem tragischen Tod eines 19-Jährigen in Stolberg haben die Eltern des Opfers ein Ende der Neonazi-Lügen über ihren Sohn gefordert. Die rechtsextreme Hass-Kampagne bleibt jedoch von Tatsachen unbeirrt: zwei Mal wollen NPD und parteifreie Neonazis in den nächsten Wochen durch Stolberg marschieren.

"Hört auf, über unseren Sohn zu lügen!" hatten die Eltern des Getöteten externer Linkauf ein Plakat geschrieben. Unter Bilder ihres Sohnes und seines Freundeskreises schrieben sie: "Menschen, nicht Ausländer, Menschen". Ihre Forderung an die Neonazis, die ihren toten Sohn als Märtyrer missbrauchen wollen, lautet: "Lasst unseren Sohn in Frieden ruhen!"

Inzwischen wurden weitere Hintergründe der Tat bekannt, die die bereits früh geäußerte Vermutung untermauern, das Tatmotiv sei im privaten und persönlichen Umfeld zu suchen. Oberstaatsanwalt Robert Deller externer Linksagte der Lokalpresse, zwischen Angehörigen der beiden Gruppen junger Leute sei es in einem Internetforum wegen einer "Anmache" zu einem Streit gekommen, der aber schließlich auch dort beigelegt wurde. Am Freitagabend trafen sich die beiden Gruppen zufällig, der Streit entbrannte aufs Neue - mit schließlich tödlichen Folgen für den 19-jährigen Kevin.

Doch die Rechtsextremisten denken nicht daran, den Getöteten als Märtyrer ihrer Sache fallen zu lassen und von ihrer Hasskampagne abzulassen. Im "Nationalen Netztagebuch" der NPD Barnim (Brandenburg) ist von einer "Stolberger Blut-Nacht" die Rede, gefolgt von dem unverhohlenen Gewaltaufruf: "Wann wird zurück geschossen?" Gleich zwei Mal wollen Neonazis in den nächsten Wochen durch Stolberg marschieren und "Wut und Hass auf die Straße tragen", wie es in einem Aufruf heißt.

Schon am nächsten Samstag wollen vor allem Neonazis außerhalb der NPD unter der Parole "Kein Vergeben - Kein Vergessen!" demonstrieren. Angemeldet hat den Aufzug der Hamburger Neonazi Christian Worch. Für die "reichsweite Demo", so eine bayerische Nazi-Webseite, lassen einschlägige Aktivistengruppen aus Bayern, Sachsen und Thüringen sogar eine seit Wochen vorbereitete Demonstration in Marktheidenfeld (Unterfranken) ausfallen.

Am 26. April will die NPD ebenfalls durch Stolberg demonstrieren. Den zeitlichen Abstand begründet die nordrhein-westfälische NPD damit, der "Familie eine stille Trauer zu ermöglichen" - wenn der 19-jährige Kevin dann beerdigt ist, soll nach der NPD-Vorstellung "Wut zu Widerstand" werden. Andere wollen offenbar nicht einmal die Beerdigung ihres angeblichen "Kameraden" abwarten und hoffen schon an diesem Samstag - wie eine "Aktionsgruppe Schwaben" erklärt - auf eine "kraftvolle und lautstarke Demonstration".