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Neonazis / Rechte Gewalt / Vor Gericht
Nazi-Gewalttäter zu Haft verurteilt PDF Drucken E-Mail
redok   
15.04.2008
Dortmund. Nach einer Serie von Überfällen auf eine alternative Kneipe in Dortmund in den vergangenen zwei Jahren ist am heutigen Dienstag erstmals einer der beteiligten Neonazis zu einer Haftstrafe verurteilt worden. In der Nachbarstadt Bochum stehen derweil fünf Neonazis aus der Region vor Gericht, darunter der seit Jahrzehnten als "SS-Siggi" bekannte Siegfried Borchardt.

Die jüngere Dortmunder Nazi-Generation hat sich seit etwa zwei Jahren auf die alternative Kneipe Hirsch-Q im Stadtzentrum eingeschossen. Immer wieder tauchten Gruppen von ein bis zwei Dutzend Neonazis auf, stürmten das Lokal, prügelten auf Gäste ein, sprühten mit Gas, warfen die Frontscheibe ein. Nicht zuletzt solche Angriffe trugen dazu bei, dass die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten in Dortmund von 178 im Jahr 2006 auf 209 im vergangenen Jahr gestiegen ist. Bislang waren nur wenige der gewalttätigen Nazi-Aktivisten gefasst und verurteilt worden, so etwa nach einem Überfall im April 2006, als von 18 festgenommenen Verdächtigen nur einer vor Gericht landete. Der Mann wurde schließlich zu Sozialstunden und einer Woche Dauerarrest verurteilt.

Nun standen zwei Neonazis wegen eines Überfalls in der Nacht zum 2. September 2007 auf die Hirsch-Q vor dem Dortmunder Schöffengericht. Zuvor hatten die Neonazis in einem Park Straßenkampf-Taktiken trainiert, offenbar als Vorbereitung für die rechtsextreme "Antikriegstag"-Demo in Dortmund am 1. September. Die Nazi-Demo mit etwa 500 Teilnehmern blieb jedoch ohne größere Konfrontationen, statt dessen zogen in der folgenden Nacht um zwei Uhr morgens etwa 15 Nazis vor das Lokal und warfen die Frontscheibe mit Flaschen, Steinen und Werbeständern ein. Gäste der gegenüberliegenden Kneipe wurden mit Pfefferspray besprüht, ein Passant erlitt eine Schädelprellung.

Die Polizei nahm wenige Minuten später jene zwei Männer fest, die heute vor Gericht standen. Der Wirt des Lokals erkannte sie als Augenzeuge eindeutig wieder. Wegen gemeinschaftlichen Landfriedensbruchs und gemeinschaftlicher Körperverletzung verurteilte das Gericht den 25-jährigen Markus Nikolaus, der als Anführer der Gruppe galt, zu einem Jahr Haft. Er stammt aus der Kameradschaft Hamm und war im letzten Jahr nach Dortmund gezogen. Nikolaus war erst kurz vor dem Überfall wegen Körperverletzung verurteilt worden, daher kam eine Bewährung nicht mehr in Frage. Mit einer Bewährungsstrafe von vier Monaten und Geldstrafe von 1.000 Euro kam dagegen Dietrich Surmann (24) davon, der in seiner bisherigen kriminellen Karriere nur Geldstrafen vorzuweisen hatte.

Seit dem letzten Freitag stehen vor dem Landgericht Bochum weitere Neonazis aus dem Ruhrgebiet vor Gericht, darunter der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer und der langjährige Dortmunder Nazi-Aktivist Siegfried Borchardt ("SS-Siggi"), ehemals Landesvorsitzender der verbotenen "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP). Mit drei anderen Angeklagten müssen sie sich wegen Körperverletzung, Gefangenenbefreiung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

Am 19. Oktober 2004 sollen sie nach einer NPD-Demonstration im Bochumer Hauptbahnhof auf Kommando eines der Angeklagten gegen eine Polizei-Kette losgestürmt sein. Dabei sollen Beamte geschlagen und getreten worden sein; ein Polizist erlitt eine Schürfwunde am Bein. Cremer wies in der Verhandlung die Vorwürfe zurück; die anderen Beschuldigten schwiegen zu der Anklage.