| Zeitgeschichte / Rechtsextremisten | |||
| Geschichtsfälscher aufgeflogen |
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| ak | |
| 04.05.2008 | |
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London. Insgesamt 29 vorgebliche britische Regierungsdokumente aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs hat ein Fälscher vermutlich über Jahre hinweg in das englische Nationalarchiv eingeschmuggelt. Der Verdacht konzentriert sich auf einen Autor geschichtsrevisionistischer Bücher, der von der deutschen extremen Rechten als "Forscher" gefeiert wird. Doch trotz der für eine Verurteilung ausreichenden Beweislage stellten die britischen Behörden die Ermittlungen ein: aus Gründen der Gesundheit des Autors Martin Allen liege ein Strafverfahren nicht im öffentlichen Interesse, heißt es in einer dürren Mitteilung. Der deutsche Verleger der Fälschungs-Bücher meint: wenn da Fälschungen gefunden wurden, dann könnte ja wohl alles falsch sein im britischen Archiv.
Wenn es um die Sicherheit ihrer aufbewahrten Bestände geht, wappnen sich Archive üblicherweise gegen Diebe, die Dokumente entwenden und außer Hauses bringen. Doch im Sommer 2005 geriet das Nationalarchiv von England und Wales in den Mittelpunkt eines genau anders herum gelagerten Skandals: statt etwas aus dem Archiv herauszuschaffen, hatte jemand gefälschte Dokumente hineingeschmuggelt. Seitdem überwachen Kameras die Lesesäle in dem Archiv, dessen bedeutendster Bestandteil das frühere Public Record Office (PRO, Archivbehörde für Regierungsdokumente) ist. So etwas hatte es vorher nur einmal gegeben, als 1985 ein einzelnes gefälschtes Dokument im US-Nationalarchiv gefunden wurde, das offenbar die Existenz von UFOs beweisen sollte. Aufgeflogen war die englische Einschmuggel-Aktion nach der Veröffentlichung des dritten Buchs eines Autors, der sich selbst als Historiker bezeichnet. Martin Allen hatte schon zwei zeitgeschichtliche Bücher über die Zeit des Zweiten Weltkriegs mit vermeintlich brisanten und sensationellen Enthüllungen verfasst:
Nun hatte Allen noch einen weiteren zeitgeschichtlichen Knüller zu bieten. Bislang galt als Tatsache, dass sich der SS-Reichsführer Heinrich Himmler am 23. Mai 1945 mit einer Giftkapsel selbst umgebracht hatte, nachdem er von britischen Truppen gefangen genommen worden war. Die Story laut Allen: Der SS-Reichsführer Heinrich Himmler habe ab 1943 in heimlichem Kontakt mit den Briten gestanden, die ihn gegen Hitler in Stellung bringen wollten. Nach Kriegsende hätten die Briten gefürchtet, dass Himmler die Kontakte ausplaudern würde, wenn er im Kriegsverbrecherprozess vor Gericht stünde - und so hätten sie den lästigen Zeugen ihrer eigenen verruchten Manipulationen kurzerhand umgebracht.
Für diese beeindruckende Kriminalgeschichte in Buchform ("Das Himmler-Komplott 1943-45", Originaltitel: "Himmler's Secret War") hatte Allen einige Nachweise aufzubieten, die bisher keine Menschenseele interessiert hätten - so die Sensations-Mitteilung des Autors. Dem englischen Journalisten Ben Fenton, damals beim Daily Telegraph beschäftigt, kamen allerdings Vom Journalisten nach den Fälschungen befragt, zeigte sich Allen erstaunt und "absolut niedergeschmettert". Am nächsten Tag, einem Samstag, brachte der Daily Telegraph die Geschichte der Himmler-Fälschungen, die das Allen-Buch zur Makulatur machten. Zu spät war diese Veröffentlichung am Wochenende offenbar für den Hamburger Spiegel, der am Montag darauf noch über die Allen-Schwarte raunte, die Echtheit der Dokumente sei zwar nicht klar, aber möglicherweise wäre eben "Himmler vom britischen Geheimdienst liquidiert" worden.
Schon früher, im Oktober 2004, waren dem Berliner Historiker Ernst Haiger Merkwürdigkeiten bei den angeblichen Dokumenten aufgefallen, auf denen das zweite Buch von Martin Allen beruhte. Auf seine Bitte hin hatte das Nationalarchiv die fraglichen Dokumente überprüft, doch zunächst nichts Auffälliges gefunden. Nun wurden auch die von Haiger angezweifelten Dokumente erneut und gründlich untersucht - und wieder fand sich eine Reihe von Fälschungen. Und bereits das erste Allen-Buch über den Herzog von Windsor hatte
Das Nationalarchiv verglich die mittlerweile bekannt gewordenen Dokumenten-Fälschungen mit den beiden letzten Allen-Büchern und Eine Inspektion der seit 1994 geführten Aufzeichnungen über den Zugriff auf die Akten zeigte, dass genau zwei Personen Zugang zu mehr als drei der 12 kompromittierten Aktenbände gehabt hatten: Martin Allen und seine Ehefrau Jean. Damit war die Richtung der folgenden Kriminaluntersuchungen vorgegeben. Ende 2007 war jedoch immer noch nichts zu hören über den Fortschritt der Ermittlungen. Im Dezember fragte ein Parlamentsabgeordneter schließlich beim Kronanwalt nach, wie denn der Stand der Dinge sei, und bekam eine verblüffende Antwort. Zwar habe die Ermittlung genügend Beweismaterial "für eine realistische Aussicht auf eine Verurteilung" von Allen erbracht, aber "Angelegenheiten in Bezug auf Mr. Allens Gesundheit und die Begleitumstände" hätten zu der Entscheidung geführt, dass "eine Anklage nicht im öffentlichen Interesse" sei.
Das Nationalarchiv hat inzwischen seit gestern Falschspielender Rechts-Verleger
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