| Europa / Neonazis / Rechte Gewalt / Homophobie | |||
| Russlands Rechtsextremisten sind sich einig |
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| mk | |
| 08.06.2008 | |
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Moskau. Vier rechtsextreme Organisationen haben in Moskau einen Pakt zur Zusammenarbeit geschlossen. Auf einer Gründungskonferenz mit dem Namen "Neuer politischer Nationalismus" erklärten sie mit dem "Pakt 8. Juni" die Gründung einer einheitlichen "russischen nationalen Bewegung" und auch die Absicht, zukünftig an Wahlen teilzunehmen.
Die Erklärung mit dem Titel "Pakt 8. Juni" wurde von der rassistischen "Bewegung gegen illegale Immigration (DPNI), der Partei "Großes Russland", der Bewegung "Das Volk" (Narod) und der großrussisch-nationalistischen "ROD" unterzeichnet. DPNI-Führer Alexander Below (Pseudonym für Alexander Potkin) bekundete dabei, die Energie der Bewegung sei sehr groß, Hauptsache sei es nun, sie in eine Richtung zu lenken. Andere Organisationen - auch linke und liberale - werden aufgefordert, sich für eine "nationale Einheit" anzuschließen. Alexeij Nawalnij von der Bewegung Narod sieht gute Zukunftschancen, Rassistische Gewalt eskaliertDie rechtsextremen Organisationen Russlands können tatsächlich an ein breites Spektrum nationalistischer Einstellungen und fremdenfeindlicher, antisemitischer und anderer Ressentiments quer durch die Gesellschaft anknüpfen. Russland hat aber auch die größte und gewalttätigste rechte Szene Europas und Asiens. Hetze und Gewalt gegen Migranten, vornehmlich gegen dunkelhäutige Menschen, gegen Juden, gegen Homosexuelle, gegen Antifaschisten und andere Personen und deren Häuser bzw. Einrichtungen haben ein Ausmaß erreicht, das international für Aufsehen sorgt.
Brennpunkte sind Moskau und St. Petersburg, aber auch andernorts eskaliert die rechtsextreme Gewalt. Sie geht aus von Hooligans, rechten Skinheads - von denen es derzeit etwa 70.000 gibt - und Neo-Nationalsozialisten, von fanatischen Anhängern der russisch-orthodoxen Kirche oder schlicht vom rassistischen Mob auf der Straße. Dabei nimmt die Zahl und die Brutalität der rassistischen und neonazistischen Angriffe zu. Bereits im Mai dieses Jahres überstieg die Zahl der Todesopfer bei Überfällen mit rassistischem Hintergrund die des gesamten Vorjahres. 2007 gab es 50 Todesopfer rassistischer Gewalt, von Januar bis Mitte Mai 2008 sind bereits 72 Menschen aus rassistischen Motiven getötet und 137 verletzt worden, Eine Woche RusslandAllein im Laufe der ersten Juni-Woche wurde von mindestens einem Toten und über 20 Verletzten als Opfer rassistisch motivierter Gewalt berichtet. So war in Krasnodar bei Krawallen zwischen Russen und Tschetschenen eine Person getötet, eine weitere schwer verletzt worden. In St. Petersburg wurde ein Student aus dem Irak niedergestochen und ein afrikanischer Student geschlagen. Neo-Nazis haben zwei Antifaschisten in Brjansk attackiert. Die Opfer erlitten eine Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch. Bei einer Massen-Schlägerei zwischen Russen und Tschetschenen in Moskau wurden 15 Personen verletzt. Zu gewalttätigen Übergriffen war es auch bei Protesten Homosexueller in Moskau gekommen. 36 Personen wurden festgenommen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax, die meisten davon seien rechte Schläger gewesen. Diese hatten die Demonstranten mit Fäusten und Tritten attackiert. Im Vorfeld hatte der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow den Christopher-Street-Day (CSD) für "satanisch" erklärt und bereits zum dritten Mal in Folge verboten. Zusätzlich hatte er ein Demonstrationsverbot ausgesprochen. Vor dem Moskauer Rathaus protestierten auch Mitglieder der Russisch-Orthodoxen Kirche mit Kruzifixen und Ikonen gegen den CSD. Der Anteil von Menschen aus den südlichen Teilen des Landes, aus dem Kaukasus und den Ex-Sowjet-Republiken unter den Opfern rassistischer Gewalt ist besonders hoch. Ein erschreckend grausames Beispiel dafür ist die Ermordung zweier Männer aus Tadschikistan und Dagestan, die auf einem Video festgehalten und ins Internet gestellt wurde. |