| NPD / Vor Gericht | |||
| Schwere Vorwürfe gegen Ex-Vorsitzende |
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| redok | |
| 10.06.2008 | |
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Koblenz/Wiesbaden. Zwei bis vor kurzer Zeit leitende hessische NPD-Funktionäre müssen sich wegen schwerwiegender Vorwürfe vor Gericht verantworten. Der frühere Landesvorsitzende Marcel Wöll wird von der Staatsanwaltschaft Wiesbaden wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sein damaliger Stellvertreter, der Rechtsanwalt Dirk Waldschmidt, steht bereits seit heute in Koblenz wegen der Vorwürfe der Strafvereitelung, Nötigung und der Verletzung von Privatgeheimnissen vor Gericht.
Wöll soll laut einem Bericht der Agentur AP am 29. August 2004 in Hünstetten-Görsroth (Rheingau-Taunus-Kreis) einen Mann niedergestochen haben. nach einem Grillfest zu einer heftigen Schlägerei zwischen verfeindeten Gruppen gekommen. Dabei soll Wöll einem Kontrahenten drei Stiche in den Rücken versetzt haben. Zwei davon trafen das Opfer im Nierenbereich, einer in der Höhe der Achsel, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, Klaus Schulte, berichtete. Zunächst war wegen der Messerstecherei ein anderer Teilnehmer der Auseinandersetzung fälschlich verhaftet worden, so heute das Landgericht Koblenz. Der Anwalt des falsch Beschuldigten, Dirk Waldschmidt, soll auf ihn eingewirkt haben, nicht Wöll als Täter zu bezichtigen. Auf den Vater des falsch Beschuldigten soll Waldschmidt Druck ausgeübt haben, weil der sich an die Ermittlungsbehörden wenden wollte. Der Vater beging am 2. Mai 2006 Selbstmord; ob dies im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen seinen Sohn stand, sei unklar. Am 11. Mai 2006 kam der Verhaftete frei; anschließend wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Wöll eingeleitet. Gegen Waldschmidt wird nun vor dem Landgericht Koblenz wegen seines Verhaltens als Anwalt verhandelt. Der Prozess ist zunächst bis zum 18. Juni angesetzt. Der 25-jährige Wöll war seit Ende Mai 2006 bis Anfang April dieses Jahres hessischer NPD-Landesvorsitzender, Waldschmidt amtierte als sein Stellvertreter. Wöll war bundesweit als Hauptdarsteller in einem skurrilen TV-Werbespot zur hessischen Landtagswahl aufgefallen. Bei der Wahl blieb die von Wöll geführte NPD unter einem Prozent der Wählerstimmen. Waldschmidt war in den vergangenen Jahren mehrfach als Bürgermeister- oder Landrats-Kandidat der NPD in verschiedenen Orten angetreten; zuletzt hatte er im Januar bei der Landratswahl im Wetteraukreis drei Prozent der Stimmen erhalten. Bei der ebenfalls im Januar stattgefundenen Landtagswahl hatte er auf Platz 2 der Landesliste kandidiert. Die NPD hatte ihn als "Anwalt des Volkes" präsentiert und ihn mit dem Wahlspruch zitiert: "Es muß wieder eine Justiz geben, welche die Menschen auch nachvollziehen können!" Wöll ist bereits wegen Körperverletzung vorbestraft, darüber hinaus wurde er im Juli 2007 wegen Beamtenbeleidigung zu einer Geldstrafe und im August 2007 wegen Volksverhetzung zu einer Haft von vier Monaten verurteilt. Die Haftstrafe ist noch nicht rechtskräftig; die Berufungsverhandlung beim Landgericht Gießen ist für den 25. Juni terminiert. Anfang April hatte Wöll bei einem Landesparteitag nach Angaben der NPD "aus privaten Gründen" auf eine erneute Kandidatur als Landesvorsitzender verzichtet, auch Waldschmidt ist seitdem nicht mehr im hessischen Landesvorstand vertreten. Zum Vorsitzenden gewählt wurde stattdessen der 33-jährige Frankfurter NPD-Stadtverordnete Jörg Krebs, seine drei Stellvertreter wurden Daniel Lachmann (Wetterau), Mario Matthes (Wiesbaden) und Klaus Dietrich (Darmstadt). |