| Rechter Rand | |||
| Rückzug von den Ritterkreuz-Trägern |
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| redok | |
| 11.06.2008 | |
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Leipheim. Der Bürgermeister der bayerisch-schwäbischen Stadt Leipheim Christian Konrad (CSU) will sich aus der umstrittenen "Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger" (OdR) zurückziehen. Konrads Tätigkeit in der Organisation war politisch heftig umstritten, da den Ritterkreuzträgern rechte Tendenzen vorgeworfen werden. Konrad selbst wies die Vorwürfe zurück.
Ins Rollen gebracht hatte die Debatte Willi Riedel von der SPD, der bis zur Kommunalwahl im März Konrads Stellvertreter gewesen war. Er hatte - allerdings ohne Erfolg - eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Bürgermeister eingelegt.
Nach einem Bericht der Günzburger Zeitung ist Konrad ehrenamtlicher baden-württembergischer Landesgruppenleiter des Vereins. Die nach eigenen Angaben als gemeinnützig anerkannte "Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes e.V. (OdR)" versteht sich als "Vereinigung hochdekorierter Frontsoldaten beider Weltkriege". Sie widme sich "dem Ansehen und der Ehre deutschen Soldatentums, in dessen unwandelbaren Tugenden das Pflichtbewusstsein, die Opferbereitschaft und die Kameradschaft gewahrt sind", zitiert die Webseite Das "Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes" wurde 1939 mit der "Verordnung über die Erneuerung des Eisernen Kreuzes" als "neue Klasse" des Eisernen Kreuzes eingeführt. Es war die höchste militärische Auszeichnung im Dritten Reich (abgesehen vom nur einmal an Hermann Göring verliehenen "Großkreuz des Eisernen Kreuzes"). Über die Verleihung des Kriegsordens entschied Adolf Hitler als oberster Befehlshaber der Wehrmacht persönlich. Nicht wenige Träger dieser "höchsten Tapferkeitsauszeichnung" waren an Verbrechen beteiligt oder haben sich nach dem Krieg mit rechtsextremistischen Positionen hervorgetan, so der bis zu seinem Tod im Jahr 1982 bekennende Nationalsozialist Hans Ulrich Rudel, Hitlers Gestapo-Chef, SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Heinrich Müller, der SS-Obergruppenführer und General der Polizei Erich von dem Bach-Zelewski (für die Niederschlagung des Warschauer Aufstandes), oder Otto Ernst Remer, der maßgeblich an der Niederschlagung des Aufstandes vom 20. Juli 1944 gegen Hitler beteiligt war. Konrad hat in der vergangenen Woche einen Eklat ausgelöst, als er bei einer Stadtratssitzung die Schuld Deutschlands am Beginn des Zweiten Weltkriegs in Frage stellte. So klar sei das mit dem "Angriffskrieg" nicht, zitiert ihn die Günzburger Zeitung. Zum Beweis berief sich Konrad auf das Buch "Der Krieg, der viele Väter hatte" des Geschichtsrevisionisten Gerd Schultze-Rhonhof.
In ihrer heutigen Ausgabe berichtet die Günzburger Zeitung, Konrad habe gestern mit sofortiger Wirkung sein Amt als Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg niedergelegt und sei aus der Ordensgemeinschaft ausgetreten. Leipheim müsse endlich zur Normalität zurückkehren, hieß es demnach in einer Erklärung des Bürgermeisters. Er habe zu keinem Zeitpunkt die Kriegsschuldfrage Deutschlands bestritten oder relativiert; Deutschland habe "eindeutig einen Angriffskrieg geführt". Wichtig sei ihm aber auch klarzustellen, dass nicht jeder deutsche Soldat zum Verbrecher und Mörder abgestempelt werden dürfe. Er empfinde "weiter Hochachtung für die ganz überwiegende Zahl der Soldaten, die tapfer und ehrenhaft gekämpft haben und sich keiner Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben". Ihn in die rechtsextreme Ecke zu stellen, sei "unanständig und völlig wirklichkeitsfremd". |