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Homophobie / Rechte Gewalt / Europa
Brandbombe gegen Schwule PDF Drucken E-Mail
redok   
01.07.2008
Prag/Budapest. Die gewalttätigen rechtsextremen Attacken am Wochenende gegen Paraden von Homosexuellen setzten sich in Ungarn mit einem Anschlag auf ein Lokal fort. In Tschechien ist das Verbot einer rechtsextremen Partei im Gespräch.

Der tschechische Innenminister Ivan Langer (Demokratische Bürgerpartei/ODS) sagte einem Fernsehsender, die "Nationalpartei" (Národní strana, NS) könnte in Zukunft aufgelöst werden. Die Partei, die im letzten Jahr eine Miliz namens "National-Garde"gegründet hatte, hatte offenbar die gewalttätigen Attacken gegen die Gay-Parade in Brno (Brünn) am Samstag mit organisiert. Er sei zur Zeit "fest überzeugt", dass dieser "letzte Tropfen" nun "das Fass zum Überlaufen gebracht" habe, sagte Innenminister Langer. Die Agentur CTK zitierte ihn am Sonntag: "Die entsprechenden gesetzlichen Schritte gegen das Bestehen (der NS) werden ergriffen werden."

Auch in der ungarischen Hauptstadt Budapest nehmen Drohungen und Attacken gegen Homosexuelle gegen zu. Auf der rechtsextremen Internetseite kuruc.info war in der vergangenen Woche eine Liste mit allen Budapester Schwulenbars veröffentlicht worden. In der Nacht zum Samstag explodierte in dem Schwulen-Lokal "Action Bar" eine Brandbombe: Die Bar hatte als erste in der Liste gestanden. Vor dem Anschlag hatte jemand in der Bar angerufen, um sich nach der Öffnunghszeit des Lokals zu erkundigen. Den Betreibern war dieser Anruf hinreichend verdächtig, um die Bar zu evakuieren. Wenig später wurde eine Brandbombe in den Eingangsbereich geschleudert, berichtete die ungarische Agentur MTI. Nur dank der schnellen Reaktion der Bar-betreiber habe es keine Verletzten oder gar Tote gegebe. Organisationen von Homosexuellen haben die Polizei aufgefordert, den Anschlag als versuchten Mord und nicht als "Vandalismus" zu verfolgen.

Die Bar hatte als Kontaktadresse für eine Kampagne gedient, die am kommenden Samstag in Budapest eine Schwulenparade veranstalten will. Aktivisten befürchten erneute Angriffe auf die Parade, die zuerst von der Polizei verboten worden war und erst nach scharfen Protesten zugelassen wurde. Im Vorjahr war die Parade von Neonazis mit Flaschen, Rauchbomben und Molotow-Cocktails beworfen worden."Die Gegendemonstranten brüllten unaufhörlich: 'Schwuchteln in die Donau, Juden hinterher', 'Seifenfabrik' und 'dreckige Schwuchteln'", berichteten die Organisatoren der Parade dem englischen Portal pinknews.