start arrow report arrow Schwedischer NPD-"Freund" in Berlin: Reicher Onkel aus dem Norden
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Schwedischer NPD-"Freund" in Berlin: Reicher Onkel aus dem Norden PDF Drucken E-Mail
redok   
13.07.2008
Berlin. In Berlin-Zehlendorf hat der schwedische Unternehmer Patrik Brinkmann eine Villa für über 3 Millionen Euro erworben, die möglicherweise als Schaltstelle für Rechtsextremisten aus einer Reihe europäischer Länder genutzt wird, berichtet der Spiegel. Brinkmann ist Chef der "Kontinent Europa-Stiftung" (KES), die seit Jahren die Vernetzung von Neonazis aus West- und Osteuropa voranbringen will. Bei der NPD wird er konspirativ als "unser Freund" bezeichnet.

In Deutschland ist der 41-jährige Brinkmann mit seiner Stiftung erstmals vor einem Jahr aufgefallen. Der NPD-Funktionär Andreas Molau hatte im brandenburgischen Rauen das Landgut "Johannesberg" gekauft, das offiziell von seiner Ehefrau Gonda Molau im Namen einer schwedischen Firma "Startplattan" erworben wurde. Die Firma gehört jedoch Andreas Molau selbst und wurde unter der Bezeichnung "Hof Johannesberg, Landhaus Rauen" mit Sitz im schwedischen Jönköping geführt. Dort ist auch die "Kontinent Europa-Stiftung" angesiedelt, die sich kaum zufällig das Kontakt-Postfach mit der Molau-Firma teilt ("Box 167"), wie der Spiegel in seiner Ausgabe vom morgigen Montag berichtet. "Ausländische Investoren" nannte Molau wolkig als Geldgeber für den Landgut-Kauf, die aber anonym bleiben wollten. Die Landgut-Pläne Molaus zerschlugen sich später, weil der Vorbesitzer einen Rückzieher machte und die Immobilie anderweitig verkaufte. Doch immer noch sitzt die NPD im "Landhaus Rauen", an die Molau mittlerweile das Gut vermietet hatte.

Jetzt wurde bekannt, dass der durch Geschäfte in der Bau- und Immobilienbranche sowie durch Mineralien-Firmen zu Millionenreichtum gekommene Brinkmann im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres selbst Haus und Grund in Deutschland erstanden hatte. Eine Villa in der vornehmsten Gegend Berlins wechselte im April 2007 für 3,3 Millionen Euro in den Besitz des schwedischen Millionärs: in Zehlendorf gehört ihm nun ein nobles Anwesen mit Seezugang.

Offiziell ist auch hier eine Ehefrau Eigentümerin: die aus Russland stammende Svetlana Brinkmann ist Herrin der Villa im Berliner Süden, so wie sie auch über Jahre zusammen mit den Brinkmann-Kindern offizielle Besitzerin der anderen Brinkmann-Geschäfte war. Ehemann Patrik hatte noch vor der Jahrhundertwende Probleme mit der schwedischen Steuerfahndung bekommen, ein Gericht in Uppsala hatte ihn im Mai 2006 zu einer Haftstrafe und Berufsverbot verurteilt. Erst im Dezember 2007 wurde Brinkmann in der Berufungsinstanz freigesprochen; zu diesem Zeitpunkt hatten die Brinkmanns schon seit einem halben Jahr Residenz in Berlin genommen, wo er ordnungsgemäß mit Wohnsitz gemeldet ist.

Schon kurz nach dem Besitzerwechsel bemerkten Nachbarn ungewöhnliche Aktivitäten: dunkle Limousinen fuhren vor, denen Herren in Begleitung von Bodyguards entstiegen, so der Spiegel. Offenbar trafen sich hier unter anderem die leitenden Figuren der KES, die Ende August 2007 in der Hauptstadt eine Vorstandssitzung abhielten und im November eine Vortragsveranstaltung organisierten.

Dennoch handele es sich um einen "rein privaten Kauf", zitiert der Spiegel den rechtsextremen Schweden-Millionär. Doch an rein privaten Umständen des Berliner Aufenthalts darf gezweifelt werden. Immerhin gehören einige Deutsche zu den Führungsmitgliedern der KES, deren Arbeit künftig von Berlin aus koordiniert werden könnte, so wird im Spiegel vermutet. Zur KES-Führung gehören mit Lutz Dessau und Andreas Molau auch zwei NPD-Funktionäre, und offenbar gehen die Beziehungen zur NPD - deren Parteizentrale ebenfalls in Berlin ansässig ist - noch weiter: Wie das Hamburger Magazin berichtet, hatte sich Brinkmann aus der NPD-Parteispitze über den Fortgang der Landgut-Affäre informieren lassen, mitunter sogar von Parteichef Udo Voigt. So taucht Brinkmann offenbar als Gönner der NPD auf, die es aber auch in der internen Kommunikation strikt vermieden hatte, seinen Namen zu erwähnen. Konspirativ war dort immer nur von "unserem Freund" die Rede.

Ein Herzensanliegen ist Brinkmann offenbar die Vernetzung der Rechtsextremen in Mitteleuropa mit den Gesinnungsgenossen in Russland. Eine Vorzeigefigur ist der Russe Wjatscheslaw Daschitschew, der auch in der National-Zeitung des DVU-Chefs Gerhard Frey gerne als früherer Gorbatschow-Berater präsentiert wird. Eine weitere Schlüsselrolle spielt offenbar Alexander Kamkin, amtierender Auslandsreferent der National-Patriotischen Front Russlands "Pamjat", die der externer LinkVerfassungsschutz Hamburg als "antisemitisch geprägt" bezeichnet. Kamkin war im August 2007 in Berlin in das KES-Direktorium aufgenommen worden, über das die Behörde der Hansestadt schreibt: "Im Vorstand und Direktorium der KES sind ferner mehrere Angehörige des national-konservativen bis rechtsextremistischen Spektrums vertreten, die teilweise vielfältige Beziehungen zu Russland haben."

Die "prorussische Ausrichtung der KES" wird auch in der NPD von prominenten Funktionären wie Jürgen Rieger geteilt. Mit dem notorischen Neonazi Manfred Roeder zählt Rieger zu den besonderen Freunden des Landes, die im März 2007 eine "Deutsch-Russische Friedensbewegung Europäischen Geistes e.V." (DRFEG) mit Sitz im thüringischen Arnstadt gründeten. Auch der ehemalige Waldorf-Lehrer Andreas Molau weiß genau, warum er für die deutsch-russische Freundschaft der rechten Art eintritt: "Machtpolitisch benötigen wir überdies ein Gegengewicht zu den USA. Ohne Rußland ist Europa nur williger Vollstrecker der Wallstreet-Interessen."

Mittlerweile dürfen sich russische Rechtsextreme schon einmal als Autoren für die NPD versuchen. In Brandenburg ist Klaus Beier nicht nur NPD-Landesvorsitzender und gleichzeitig Chef des Kreisverbandes Oderland, sondern auch Sachwalter der NPD-Interessen am Landgut Rauen. Von Molau hat er als NPD-Landeschef das Landgut gemietet, das vermutlich von Brinkmann finanziert worden war, als Kreistagsabgeordneter nahm Beier sogar eine Geldstrafe wegen Hausfriedensbruch in Kauf, weil er im nichtöffentlichen Teil einer Gemeindevertretersitzung in Rauen die neuesten Entwicklungen mithören wollte. Auf den Webseiten seiner Parteiverbände erschien Ende Juni ein Artikel mit dem Titel "Politische Diskussion über zukünftige Beziehungen zu Rußland", in dem eine russische Autorin über die "sehr positive" Sicht "des russischen Volkes auf Deutschland" schwärmte und für eine "strategische Partnerschaft zwischen dem starken Rußland und dem starken Deutschland" eintrat, um so den "Amerikanern" Paroli zu bieten.

Die angeblich "aus Moskau" stammende Autorin dürfte in Berlin-Zehlendorf ansässig sein, denn sie trägt wohl nicht zufällig den gleichen Vornamen wie die Brinkmann-Gattin: Svetlana.