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NPD
Rückzug aus dem Kreistag, Rückzug aus Hessen PDF Drucken E-Mail
redok   
14.07.2008
Friedberg. Der frühere hessische NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll hat mit sofortiger Wirkung sein Mandat im Kreistag des des Wetteraukreises niedergelegt. Wöll war Ende Juni zu vier Monaten Haft verurteilt worden, ein weiterer Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung steht ihm noch bevor. Angeblich will er das Bundesland verlassen und nach Thüringen übersiedeln.

Wöll war erst als Nachrücker für den eigentlich gewählten NPD-Kandidaten Carsten von Waffenstein in den Kreistag eingezogen. Der Architekt Waffenstein war im Januar 2007 aus privaten Gründen aus der NPD ausgetreten und hatte im Februar sein Mandat abgegeben. Schon im März löste Wöll in dem Gremium einen Eklat aus, als er von Auschwitz als "Stätte des so genannten nationalsozialistischen Terrors" gesprochen und Schülerfahrten zu dem früheren Vernichtungslager als "Gehirnwäsche" bezeichnet hatte.

Im Juli 2007 wurde Wöll wegen Beamtenbeleidigung zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt. Im August folgte im Zusammenhang seiner Kreistags-Sprüche beim Amtsgericht Friedberg die Verurteilung zu vier Monaten Haft wegen Volksverhetzung, die in der Berufungsinstanz beim Landgericht Gießen im Juni dieses Jahres bestätigt wurde.

Im Zusammenhang mit einem Prozess gegen seinen früheren Stellvertreter als NPD-Landesvorsitzender, den Rechtsanwalt Dirk Waldschmidt, wurde eine weitere Anklage gegen Wöll bekannt. Er soll im Sommer 2004 bei einer Schlägerei zwischen rivalisierenden rechtsextremen Banden einen Gegner mit mehreren Messerstichen verletzt haben.Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat in der Sache Anklage gegen Wöll erhoben.

Offenbar will Wöll sich nun ganz aus Hessen zurückziehen. Das von ihm bewohnte Anwesen in Butzbach-Hochweisel steht zum Verkauf, meldete der Hessische Rundfunk am Mittwoch der vergangenen Woche. Zusammen mit seiner Familie soll Wöll beabsichtigen, nach Thüringen zu ziehen.

Nachfolger von Wöll im Wetterauer Kreistag wird der 22-jährige stellvertretende NPD-Kreisvorsitzende Stefan Jagsch, der im April auch in den hessischen Landesvorstand gewählt wurde.