| NPD / Vor Gericht | |||
| Kaum vorzeigbare "Führerschaft" |
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| redok | |||||
| 15.07.2008 | |||||
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Regensburg. Wenig Glück hat die NPD in der Oberpfalz mit ihren Vorsitzenden. Der vorige Chef des bayerischen Bezirksverbandes wurde im vergangenen Jahr aus der Partei gejagt, nachdem er sich offenbar für private Zwecke aus Parteikassen bedient hatte. Dazu ist ihm noch der Staatsanwalt auf den Fersen, denn ein Parteimitglied hatte Aufklärung über die Unterschlagungen gewollt und Anzeige erstattet. Dafür wurde der Mann gleich aus der Partei gefeuert; nun will er in Berlin gegen die NPD klagen.
Ein Neuling war Stephan Göbeke-Teichert in der rechtsextremen Szene nicht, denn bereits seit Mitte der 1990er Jahre war er als Aktivist und Organisator vor allem in Süddeutschland tätig. Gut zwei Jahre war er bayerischer Landesvorsitzender der NPD-Jugend "Junge Nationaldemokraten" (JN) und rückte sogar in den NPD-Landesvorstand auf. Ins Gespräch kam Göbeke-Teichert 2006 durch seine Mitgliedschaft im Technischen Hilfswerk (THW). Zunächst hatte er versucht, seine Rolle bei der NPD herunterzuspielen und behauptet, er sei dort bereits ausgetreten. Nach einigem Hin und Her wurde er im Dezember 2006 endgültig aus dem THW ausgeschlossen. Der angeblich längst ausgetretene Parteikamerad wurde jedoch bereits im März 2007 wieder zum Partei-Bezirksvorsitzenden der Oberpfalz gewählt, nachdem er diesen Posten bereits in den Jahren 2002-2005 bekleidet hatte. Doch öffentlich präsentiert wurde der Mann aus Roding (Landkreis Cham) von der NPD als Bezirks-Chef nie, und schon einige Monate später war Göbeke-Teichert bei der Partei ein Verfemter. Er habe "Geld in vierstelliger Höhe veruntreut", hieß es, man sei gegen ihn "vorgegangen". Inzwischen sei er "erledigt", von ihm nehme "kein Hund mehr ein Stück Brot". Staatsanwalt ermittelt
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| Bezirksvorsitzender in Pose für grell Geschminkte |
Obwohl für den Parteiverband in der Oberpfalz das Kapitel Göbeke-Teichert längst abgeschlossen ist, tut sie sich immer noch schwer damit, den Bezirksvorsitzenden in der Öffentlichkeit vorzuzeigen. Schon der Vorgänger von Göbeke-Teichert in den Jahren 2005 bis 2007, der ebenfalls aus Roding stammende Dieter Schwank, wurde geradezu geheim gehalten und ist seit einiger Zeit wie vom Erdboden verschwunden. Seit dem Bezirks-Parteitag am 30. März dieses Jahres gibt es zwar wieder einen ordnungsgemäß gewählten Bezirkschef, doch immer noch repräsentiert nach außen der Stellvertreter, Heidrich Klenhart aus Postbauer-Heng (Landkreis Neumarkt).
Ob die Partei den Weidener Patrick Schröder (24) als ihren neuen Bezirksvorsitzenden noch nicht für präsentabel hält, ist nicht klar. Immerhin stellt sich der neue Mann gerne in eher dumpfen Posen dar, so etwa auch auf seiner "MySpace"-Seite, wo er als "H8" auftritt, also in der englischen Aussprache "Hate" = Hass. Als "Freunde" erscheinen dort grell geschminkte junge Frauen, die beispielsweise unter dem Namen "holocausto666" zu erreichen sind.
Dabei hat sich die NPD mit dem jungen Mann durchaus Mühe gegeben, um ihn auf Salonfähigkeit zu trimmen. Der anfangs nur als Anführer einer örtlichen Kameradschaft "Widerstand Weiden" und der regionalen "Weißen Wölfe" aufgetretene Schröder durfte zunächst NPD-Kreisvorsitzender werden. Dann wurde Schröder offenbar für höhere Aufgaben ausersehen, denn mit einem Praktikum bei der NPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern wurde er in das parlamentarische Alltagstreiben der rechtsextremen Partei eingeführt.
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| Neonazi mit Krawatte: mit Praktikum auf Charakter getrimmt |
Schließlich tritt Schröder zur Landtagswahl im September als Kandidat im Wahlkreis Weiden an, und dafür wurde ihm beigebracht, eine Krawatte zu tragen und freundlicher dreinzuschauen. Ob der Wahlslogan "Charakter wählen" für den nun als Strahlemann auftretenden Hass-Neonazi geeignet ist, wird die NPD nach der Wahl diskutieren müssen.
Allerdings sind präsentable Kader bei der Oberpfälzer NPD Mangelware. Auch der Kreisvorsitzende in Cham, Robin Siener, dürfte selbst mit Krawatte schwer zu verkaufen sein. Immerhin hat der gelernte Elektroinstallateur Siener als bekennendes Mitglied der "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) selbst einschlägige Erfahrungen durch Gefängnisaufenthalt: in den Jahren 2005 und 2006 wurde er mit der Adresse der JVA Bayreuth in der HNG-Gefangenenliste aufgeführt. Wie sein Parteikamerad Schröder gehörte auch Siener zum Führungspersonal der "Weißen Wölfe". Darüber hinaus zeichnet er auch noch verantwortlich für eine Neonazi-Kameradschaft aus Cham mit der schwülstig-germanischen Bezeichnung "Urd & Skult".
Zumindest als Spitzenkandidat zur Landtagswahl im Bezirk Oberpfalz hat sich die NPD mit Erich Schwarzfischer einen etwas weniger anrüchigen Kandidaten gesichert, auch wenn der im Mittelpunkt einer Affäre steht, die ebenfalls mit einer Wahl zu tun hat. Schwarzfischer hatte sich nämlich - obwohl er schon 2005 für die NPD zum Bundestag kandidiert hatte - am 2. März 2008 auf einer Liste der "Republikaner" (REP) in den Kreistag Cham wählen lassen. Deswegen wird polizeilich ermittelt, die Rechtmäßigkeit der Kreistagswahl ist noch nicht geklärt. Möglicherweise muss im Landkreis Cham wegen dieses Manövers die Kreistagswahl wiederholt werden.