start arrow aufgelesen arrow Im Blätterwald vom 22.06.2006
FAZ
Im Blätterwald vom 22.06.2006 PDF Drucken E-Mail
redok   
22.06.2006
Heute aufgelesen: In der FAZ wird dem hauseigenen Feuilleton mit einer Rezension Paroli geboten: Fünf Tage nach der Veröffentlichung eines geschichtsrevisionistischen Artikels zerreißt ein Fachhistoriker das Buch des rechtsextremen Feuilleton-Autors.

Stefan Scheil durfte sich am 17.6. im FAZ-Feuilleton eine ganze Seite lang über aggressive und kriegslüsterne Polen verbreiten, die ihren "Pufferstaat" nach Deutschland ausdehnen wollten; was Wunder, dass dann ein Krieg "ausbrechen" musste. Rolf-Dieter Müller, Historiker und Wissenschaftlicher Direktor des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes der Bundeswehr, externer Linknimmt sich im FAZ-Ressort "Das politische Buch" des letzten Scheil-Buches an. Unter dem Titel "Adolf der Friedliebende" legt er bloß, was Scheil ticken lässt: die "Herkunft des Gedankengebäudes" im Scheil-Machwerk liegt "in jenen Argumenten, mit denen Hitler am 22. Juni 1941 den Überfall auf die Sowjetunion öffentlich gerechtfertigt hat".

Mit anderen Worten: Scheils Historiendrama vom Dritten Reich als "Opfer einer Verschwörung [...], angezettelt von chauvinistischen Polen, machtgierigen Franzosen, Briten und Amerikanern sowie einem finsteren Stalin", ist nichts anderes als Nachäffen von Hitler, Goebbels und Ribbentrop - Nazi-Apologie, die im Gewande einer historischen Fleißarbeit daherkommt.

Ob Scheil noch einmal Spalten im FAZ-Feuilleton freigeräumt werden, bleibt abzuwarten; jedenfalls dürften den zuständigen Redakteuren nach Lektüre dieser Rezension im eigenen Blatt die Ohren geklungen haben ...