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Neonazis / Rechte Gewalt
Nach Mord in Templin zwei Neonazis in Haft PDF Drucken E-Mail
redok   
24.07.2008
Templin. Nach der gewaltsamen Tötung eines 55-jährigen Mannes im brandenburgischen Templin am Dienstag hat die Polizei zwei tatverdächtige Neonazis im Alter von 18 und 21 Jahren verhaftet. Beide sind einschlägig vorbestraft und stehen zur Zeit unter Bewährung. Der Ältere der Tatverdächtigen hat seine Beteiligung gestanden, er gehörte der neonazistischen "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) an.

In einer ehemaligen Schreinerwerkstatt wurde der 55-jährige frühere Tischler Bernd K. am Dienstag in seinem Blut liegend gefunden. Bereits nach wenigen Stunden konnten die mutmaßlichen Täter verhaftet werden, die vor der Tat zusammen mit dem Opfer gesehen worden waren. Haftbefehle wurden erlassen gegen den 18-jährigen Sven Perling wegen Mordes, gegen den 21-jährigen Christian Warnke wegen Totschlags.

Offenbar hatten die drei Männer in der alten Werkstatt, in der Bernd K. wohnte, zunächst gemeinsam Alkohol getrunken, möglicherweise kam es zu einem Streit. Schließlich schlugen die Täter mit massiver Gewalt auf den deutlich älteren Mann ein, nach Informationen des Tagesspiegel soll Perling exzessartig gegen den Kopf von Bernd K. getreten haben. Das Opfer starb mit schwersten Kopfverletzungen, Bernd K. erlitt mehrere Schädelbrüche. Anschließend versuchte einer der Täter, das reglose und möglicherweise bereits tote Opfer anzuzünden.

Perling war 2007 für einen Hitlergruß, versuchte Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu vier Wochen Jugendarrest verurteilt worden. Im Juni 2007 griff er mit einem Teleskopstock einen Mann an und beschimpfte ihn als "Jude", berichtet der Tagesspiegel. Das Amtsgericht Prenzlau verurteilte ihn erst vor wenigen Wochen im Juni 2008 zu sechs Monaten auf Bewährung.

Für Warnke hatte das Amtsgericht Bad Freienwalde im vergangenen Jahr laut dem Zeitungsbericht die Strafen für mehrere Delikte zu einer Haft von drei Jahren und vier Monaten zusammengezogen. Da er schon länger einsaß, wurde er kurz darauf auf Bewährung freigelassen. Verurteilt worden war er wegen schwerer Brandstiftung, gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung, Diebstahl und Tierquälerei.

Warnke gehört der neonazistischen "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) an und stand mehrfach auf einer Liste der säumigen Mitgliedszahler der rechtsextremen Knasthilfe-Vereinigung, berichtete heute der blick nach rechts. Laut dem Tagesspiegel hatte Perling am Tattag ein Shirt mit einem Bild des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß getragen, auf Warnkes Oberbekleidung war der Schriftzug "Frontkämpfer" zu lesen.

Ermittler verglichen die Tat mit dem brutalen Mord in Potzlow im Juli 2002, bei dem der 16-jährige Marinus Schöberl bestialisch ermordet und anschließend in eine Jauchegrube geworfen wurde. Kenner der Szene wiesen darauf hin, dass einer der drei Potzlow-Täter, der heute 22-jährige Sebastian Fink, seit einiger Zeit erneut in der Region mit rechtsextrem motivierten Straftaten aufgefallen ist. Fink war im Dezember 2004 vom Landgericht Neuruppin zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt worden, unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Erst in der vergangenen Woche begann ein neuer Prozess gegen Fink am Amtsgericht Prenzlau, wobei ihm unter anderem zwei Körperverletzungsdelikte vorgeworfen werden.

In einer Gruppe von mehr als 20 Neonazis soll der unter Bewährung stehende Fink im November 2007 ein Friedenskonzert in der Templiner Magdalenen-Kirche lautstark mit "Sieg Heil"-Rufen gestört haben. Bei der Festnahme fanden die Polizisten einen Schlagring bei Fink. Wenige Wochen zuvor soll er bei einem Rockkonzert einen "Hitlergruß" gezeigt und anschließend einen offensichtlich zur linken Szene gehörenden jungen Mann zu Boden geworfen und getreten haben. Im Januar 2008 soll Fink an einer Tankstelle in Templin einen Mann durch das geöffnete Autofenster geschlagen haben. Derzeit sitzt er wieder in der JVA Neuruppin ein.