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| Über 400 Neonazis bei "Trauermarsch" |
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| 03.08.2008 | |||
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Bad Nenndorf. Über 400 Neonazis haben am gestrigen Sonnabend im niedersächsischen Bad Nenndorf an einem "Trauermarsch" teilgenommen. Nur wenig Widerstand regte sich seitens der Bevölkerung des kleinen Kurortes, der zum Wallfahrtsort für Rechtsextreme geworden ist. Lediglich knapp 300 Menschen, größtenteils Antifaschisten aus der Region, protestierten gegen die Rechten.
Im vergangenen Jahr blieb die Zahl der angereisten Neonazis noch unter 200, gestern übertrumpfte die neofaschistische Demonstration die der Nazi-Gegner. Die Gegendemonstranten hatten nach redok-Informationen mit starken Repressionen zu kämpfen. Ein dichtes Polizei-Spalier habe die Demonstration begleitet, heißt es. Ganz anders bei dem "Trauermarsch" der Neonazis, der nur von verhältnismäßig wenigen Beamten begleitet wurde. Ein dichtes Spalier gab es nicht. Erstmals wurden in Bad Nenndorf Wasserwerfer aufgefahren - jedoch nur für die linke Gegenveranstaltung. Den linken Protestlern gelang es nur einmal, in Sichtweite der Rechtsextremen zu gelangen. "Steiner" über "Deutsche Opfer"Vor der als "Trauermarsch" angemeldeten Demonstration vom Bahnhof zum "Wincklerbad" und wieder zurück wurden sämtliche Teilnehmer in einem Zelt durchsucht. Zahlreiche Gegenstände wurden beschlagnahmt. Thomas "Steiner" Wulff sprach bei der Auftaktkundgebung vor dem Bahnhof und erläuterte den Anwesenden, warum sie denn in den Schaumburger Ort gekommen waren. Sie kamen nämlich um zu trauern. Um Deutsche, wie Wulff immer wieder betonte. Rund 400 Menschen wurden von 1945 bis 1947 im Bad Nenndorfer Militärgefängnis "Wincklerbad" durch Briten misshandelt, berichtete "The Guardian" aus London 2005. Seitdem marschieren jedes Jahr Neonazis in dem Kurort auf. Unter den Gefolterten waren Mitglieder der Waffen-SS. Doch Wulff erklärte in seiner Ansprache, dass auch Kommunisten und Homosexuelle gequält worden sind. Für diese Opfer gingen die Rechtsradikalen wohl nicht auf die Straße. Mindestens drei Teilnehmer führten Reichskriegsflaggen mit - teilweise aus der Zeit des NS-Regimes aus den Jahren 1933 bis 1935. Versammlungsleiter Christian M. setzte durch, dass diese zusammengerollt werden. Der Trauermarsch wurde einmal unterbrochen, da einige der Marschierenden Handschuhe trugen, die als passive Bewaffnung galten. Während der schweigende Mob zum "Wincklerbad" lief, schallte aus dem Verdener Lautsprecherwagen "Trauermusik". Zahlreiche "Autonome Nationalisten"In der Polizeimeldung heißt es, dass es "im Vorfeld Erkenntnisse über etwa 70 gewaltbereite Autonome Nationalisten des rechten Spektrums aus Nordrhein-Westfalen" gegeben hätte, "die bereits an anderen Veranstaltungsorten für massive Probleme gesorgt haben". Weitaus mehr als 70 Neonazis waren im Outfit der "Autonomen Nationalisten" gekommen. Teilweise vermummt stiegen sie aus der Bahn. Etwa 350 der 407 Rechtsextremen reisten gemeinsam vom nahegelegenen Haste in einer S-Bahn an. Behelmte Bundesbereitschaftspolizisten, mit Protektoren ausgestattet, empfingen sie in Bad Nenndorf. Insgesamt waren rund 1.000 Polizisten im Einsatz. Unter den Neofaschisten war auch Marco Siedbürger aus Minden, der als Ordner fungierte. Siedbürger, der bereits wegen zahlreicher Straftaten verurteilt wurde, gilt als gewalttätiger Neonazis aus der Schaumburger und westfälischen rechtsextremen Szene. Vor wenigen Wochen wurde er in einem Prozess vor dem Landgericht Verden freigesprochen. Doch es wartet schon das nächste Verfahren auf den jungen Mann. Angereist waren auch Neonazis aus Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg. "AG Bad Nenndorf" für Organisation zuständigAngemeldet hatte den Aufzug der Schaumburger Neonazi-Kader Marcus Winter, der jedoch am 14. Juli eine mehrmonatige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Bückeburg antrat. Winter gilt als führender Kopf der Szene in Schaumburg und Ostwestfalen-Lippe rund um die offiziell aufgelöste Kameradschaft "Nationale Offensive Schaumburg" (NOS). Zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung wegen Volksverhetzung war Winter bereits 2007 verurteilt worden. Rechtskräftig wurde das Urteil jedoch erst am 10. Juni dieses Jahres. Die zweite Führungsperson der NOS, Arwid Strelow aus Lindhorst (Kreis Schaumburg), verbüßt zurzeit ebenfalls eine Haftstrafe. Die "AG Bad Nenndorf", bestehend aus den "Autonomen Nationalisten Ahlen" und den "Nationalen Sozialisten Schaumburg/Ostwestfalen-Lippe", übernahm die Organisation des "Trauermarsches". Christian M. aus Schaumburg und der niederländische Nationalist Constant Kusters sprachen bei einer Zwischenkundgebung vor dem "Wincklerbad". Kusters hetzte in seinem Redebeitrag gegen die USA und Israel und befürwortete eine Gedenkstätte für Waffen-SS-Soldaten. Er brachte den braunen Nazi-Mob zum Jubeln, als er über einen Angriff des Irans auf Israel sprach. Gefordert wurde eine Gedenktafel für die deutschen "Opfer", die durch die Alliierten verletzt und getötet wurden. Als weitere Redner traten Andreas Biere aus Magdeburg und Sven Skoda (Düsseldorf) auf.
Die als Redner angekündigten NPD-Funktionäre Andreas Molau und Udo Pastörs erschienen nicht zu der Veranstaltung und überließen als einzigem NPD-Aktivisten Thomas Wulff das Feld. Wulff war erst vor einer Woche aufgefallen, als er bei dem Begräbnis des Altnazis Friedhelm Busse in Passau eine Hakenkreuzfahne auf den Sarg legte. Ihm war daraufhin vom NPD-Parteipräsidium "politische Selbstinszenierung" vorgehalten worden. |
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