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Rabiater NPD-Kader wegen Körperverletzung verurteilt PDF Drucken E-Mail
redok   
11.08.2008
Mainz. Zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten hat das Amtsgericht Mainz den Neonazi Mario Matthes verurteilt, der in Hessen als stellvertretender NPD-Landesvorsitzender amtiert. Matthes hatte auf dem Gelände der Uni Mainz einen Mitstudenten zusammengeschlagen und wurde wegen Beleidigung und schwerer Körperverletzung verurteilt. Die Uni erteilte dem Schläger eine Rüge, lässt ihn aber weiter studieren.

Zusätzlich zu seiner Bewährungsstrafe muss Matthes 100 Sozialstunden ableisten. Er war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend, daher erging das Urteil in Form eines Strafbefehls. Sein Anwalt kündigte noch im Gerichtssaal Einspruch an, der erneut vor dem Amtsgericht verhandelt würde. Das Gericht sah als erwiesen an, dass der Neonazi im Januar auf dem Gelände der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität einen Mitstudenten beleidigt und zusammengeschlagen hat, der dabei schwer verletzt wurde. In einem Interview des "Nationalen Bildungskreises" der NPD-Jugend hatte Matthes die Schlägerei als verabredeten Zweikampf dargestellt.

In Mainz studiert der 23-jährige Matthes seit 2005 Geschichte und Philosophie. Die Universität hat sich bereits mit dem Vorfall befasst und einen Exmatrikulationsausschuss tagen lassen. Der schlagende NPD-Mann wurde jedoch nicht von der Uni ausgeschlossen, wie unter anderem von der Studentenvertretung AStA gefordert, sondern kam mit einer Rüge davon. Der Ausschuss unter Vorsitz von Bettina Freimund-Holler, der Präsidentin des Verwaltungsgerichts Mainz, sah durch die Neonazi-Schlägerei keine Störung des Uni-Betriebs "im allgemeinen" und beließ es - noch vor Abschluss des Gerichtsprozesses - bei einer Rüge. Nach der heutigen Verurteilung will jedoch ein "Bündnis Mainzer Studierender gegen rechte Gewalt" noch einmal nachhaken und fordert die Zwangsexmatrikulation des Neonazi-Kaders.

Matthes war zunächst in der NPD-Abspaltung "Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft" (BDVG) und bei den "Nationalen Kräfte Rhein-Neckar" tätig. Später kehrte er zur NPD zurück, ist aber auch aktuell noch als führender Kopf der "Nationalen Sozialisten Mainz-Bingen" aktiv. Im rheinland-pfälzischen Mainz wurde er NPD-Kreisvorsitzender, nachdem er laut Angaben des bisherigen örtlichen Parteichefs im März 2006 bei einer Mitgliederversammlung den Mann als "Charakterschwein" tituliert hatte und ihn handgreiflich hinauswerfen ließ.

Im November 2006 fiel Matthes mit rabiaten Methoden erstmals an der Uni auf, als er mit Gesinnungsgenossen eine Vortragsveranstaltung störte. Mit dabei war auch der damalige hessische NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll, der sich mittlerweile wohl auch wegen seiner Verurteilungen als NPD-Chef zurückgezogen hat. Matthes war im April 2008 - nun als Mitglied im Partei-Kreisverband Wiesbaden firmierend - als stellvertretender Landesvorsitzender in Hessen gewählt worden und führt dort die radikale Linie des Ex-Chef Wöll fort. Im August 2007 war Matthes gemeinsam mit seiner Freundin bei Schweizer Gesinnungsgenossen aufgefallen, wo im gleichen Zeitraum weitere deutsche Neonazis an einem Schießtraining mit Armeewaffen teilgenommen hatten.