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"Stiftung" in NPD-Fahrwasser hat Vorsitzenden verloren PDF Drucken E-Mail
ak   
12.08.2008
Schwerin. Mit einigen Hindernissen hat die rechtsextreme "Kontinent Europa Stiftung" eine Versammlung in Schwerin durchgeführt, mit der die dubiose Gruppierung näher an die NPD herangerückt ist. Der "Stiftung" des schwedischen Millionärs Patrik Brinkmann ist jedoch mittlerweile der Vorsitzende abhanden gekommen, und der Ex-Chef hat wenig Freundliches über die Organisation zu sagen.

Schon vor einem Jahr war aufgefallen, dass die Führung der schwedischen "Stiftung" von einer Reihe deutscher Rechtsextremisten dominiert wurde. Später wurde bekannt, dass der Stiftungsgründer Patrik Brinkmann für 3,3 Millionen Euro eine Villa in Berlin-Zehlendorf gekauft und auch seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt hatte. Damit stand die Vermutung im Raum, dass die "Stiftung" ihre Tätigkeit von Berlin aus organisieren werde. Dort ist auch die Parteizentrale der NPD angesiedelt, wo der vermeintliche reiche Unterstützer der extremen Rechten Brinkmann als "unser Freund" firmiert.

Die Nähe zur NPD wurde Ende letzter Woche erneut deutlich, als die "Stiftung" eine zweitägige Versammlung in Schwerin abhielt; der dortige NPD-Fraktionssprecher Andreas Molau ist auch Vorstandsmitglied der "Stiftung". Die Tagung werde "unter der Schirmherrschaft des NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs" stattfinden, verkündete die NPD im nördlichen Bundesland, die sich für ihre Fraktionsarbeit von dem Treffen "europapolitische Impulse" versprach. 

Doch erst einmal  mussten die Rechtsextremen profane Probleme lösen. Einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt der "Stiftungs"-Rechten im Schweriner Landtag verhinderte die Landtagsverwaltung, die dieser NPD-"Besuchergruppe" den Zutritt verweigerte. Auch vor dem Verwaltungsgericht konnte sich Udo Pastörs nicht mit dem Ansinnen einer Versammlung im Landtagsgebäude durchsetzen. Die Landtagskantine wollte ebenfalls nicht mitspielen und sagte ein zuvor bestelltes Essen mit der Begründung ab: "Freunde der NPD bewirten wir nicht".

Das Treffen ging schließlich mit etwa 50 Teilnehmern im Schweriner Hotel "Pampower Hof" unter dem Motto "Deutschland und Rußland - Fundamente für ein Europa der Zukunft" über die Bühne, während im fernen Kaukasus Kriegshandlungen zwischen Georgien und eben jenem von der "Stiftung" angehimmelten Russland ausbrachen.  Mit dabei waren neben Brinkmann von Seiten der "Stiftung" der Russe Wjatscheslaw Daschitschew und der Spanier Enrique Ravello, die NPD hatte Udo Pastörs, Stefan Köster und Andreas Molau geschickt. Von Brinkmann bekamen sie Artigkeiten zu hören: die NPD sei die einzige Partei in Deutschland, die eine national orientierte Europa-Politik vertreten würde.

Doch eben jene NPD-Nähe könnte erheblich dazu beigetragen haben, dass der "Stiftung" bereits Ende Juni der Vorsitzende abhanden gekommen ist. Der Rechts-Verleger Gert Sudholt legt mittlerweile großen Wert darauf, nicht mehr mit der "Stiftung" in Verbindung gebracht zu werden und findet deutliche Worte für die Brinkmann'schen Bestrebungen.

Verlorener Vorsitzender

Schon im Herbst des vorigen Jahres krachte es bei der Gruppe, die doch auch die "Europäische Vernetzung der Rechten" (so ein weiteres Thema der Schweriner Tagung) voranbringen wollte. Verleger Sudholt hatte als offizielle Veröffentlichungen der "Stiftung" zwei Bücher herausgebracht. Eine der rechten Kampfschriften unter dem Titel "Feindliche Übernahme", verfasst von einem Pseudonym namens Gideon Harvey, stellte den Islam als elementare Bedrohung Europas dar. Dieser Gefahr müsse durch einen Rückgriff auf die christlichen Werte und Traditionen Europas begegnet werden.

Innerhalb der "Stiftung" meldeten sich umgehend erbitterte Kritiker, die dem Buch vorwarfen, "aus der Perspektive eines radikalen Judäo-Christentums" geschrieben zu sein und den "entscheidenden ethnischen Faktor in der europäischen Realität" zu verkennen. Das wohl schlimmste Urteil lautete jedoch auf "Philosemitismus". Die Kritiker Pierre Vial, Pierre Krebs und Enrique Ravello klagten auch über "machiavellistische Handlungen" in der "Stiftung": der Vorsitzende Sudholt soll sich "auf angebliche Satzungen" berufen haben, die von den Mitgliedern "nie durch ihre Stimme legitimiert" worden seien. Sie verlangten den "vollständigen Rückzug" von Sudholt aus der "Stiftung", die "Einstampfung des fraglichen Buches" samt einer Distanzierung der "Stiftung" davon sowie die Einberufung einer Kommission, die "echte Statuten verfassen und allen Mitgliedern zur Abstimmung vorlegen" solle.

Diese Forderungen wurden jedoch nicht erfüllt, Pierre Krebs vom "Thule-Seminar" schied im Dezember aus dem Direktorium der "Stiftung" aus. Am Vorwurf zu großer Judenfreundlichkeit war der Vorsitzende Sudholt damit nicht gescheitert, aber recht froh wurde er mit der "Stiftung" auch nicht mehr. Seit Dezember habe er seinen Stiftungsgründer Brinkmann nicht mehr gesehen, klagt er nun, bei der Organisierung von geplanten Versammlungen sei er nicht unterstützt worden. Insgesamt fehle es bei der "Stiftung" erheblich an der "wirtschaftlichen Transparenz".

Mittlerweile will Sudholt keinesfalls mehr mit der "Stiftung" in Verbindung gebracht werden. Am 25. Juni sei er "aus persönlichen und politischen Gründen" als Vorsitzender zurückgetreten und habe die "Stiftung" verlassen. Nötig gewesen sei eine "Äquidistanz" (gleicher Abstand) gegenüber rechten Parteien, man hätte "nicht Brüderschaft trinken" sollen mit einer bestimmten Partei: Doch die Geschichte sei allzu sehr ins NPD-Fahrwasser geraten. Und dann auch noch das "törichte Geschwätz" bei der "Stiftung" über eine "Europäische Großrasse" - das sei doch alles von "vorgestern", so der Rechts-Verleger in kultiviertem Tonfall. Sudholt will Ende August selbst ein "Erlebnis-Wochenende Geschichte" veranstalten, bei dem "in einem gepflegten Ambiente" Geschichtsrevisionisten wie Walter Post und Olaf Rose ihre Thesen zum Vortrag bringen. Dass die Veranstaltung unter dem Titel "Das Kriegsende 1918 und seine Folgen. Eine Bilanz nach 90 Jahren" gewissermaßen Themen von vor-vorgestern abhandelt, entbehrt daher nicht einer gewissen Ironie.

Jedenfalls muss die von der NPD heftig umflirtete "Stiftung" mit ihrem nach Millionen duftenden Gründer Brinkmann vorerst auf einen Vorsitzenden verzichten. Der Ex-Vorsitzende, der das Rennen um die Zuneigung des Millionärs offenbar gegen die NPD-Funktionäre verloren hat, will für die merkwürdige Organisation nur noch eine knappe Prognose wagen: "Das wird nix mehr!"