| NPD / Neonazis / Europa | |||
| NPD-Funktionäre bei illegaler Kundgebung in Tschechien |
|
|
|
| Frank Carstens | |||||
| 18.08.2008 | |||||
|
Hradec Kralove. Bei einer illegalen Veranstaltung der tschechischen Neonazi-Partei Delnicka Strana (DS, Arbeiterpartei) nahmen mehrere Vertreter der NPD am vergangenen Samstag in Hradec Kralove als Redner teil. Die Neonazis konnten ihre illegale Kundgebung ungestört im Stadtzentrum direkt vor der Polizeibehörde abhalten.
Der Mitarbeiter der sächsischen NPD-Fraktion, Per Lennart Aae, überbrachte Grüße der NPD-Fraktion und hetzte gegen den "EU-Monsterstaat" und "die drohende Weltherrschaft der Hochfinanz". Dafür erhielt er tosenden Applaus der Zuhörenden. Auch Katrin Köhler, die Vorsitzende des NPD-Kreisverbands Chemnitz, die für die NPD-Frauen-Organisation "Ring Nationaler Frauen" auftrat, forderte in antisemitischer Manier: "Alle national denkenden und handelnden Menschen in Europa müssen zusammenhalten, um einen starken Gegenpol zum internationalen Hochfinanzkapital zu bilden". Carola Holz überbrachte für den NPD-Landesverband Sachsen-Anhalt "die besten Kampfesgrüße" und forderte, ein "Europa der Vaterländer" müsse der Globalisierung und "Pan-Amerikanisierung Europas die Stirn bieten". Ein Vertreter Freier Nationalisten aus Dortmund hetzte gegen die "Fremdherrschaft der USA, die wiederum nur dem Lebensinteresse Israels dienen durch ihre unglaubliche Macht, die sie u.a. durch ihr Weltfinanzsystem aufgebaut haben". Danach rief er die Anwesenden zu einer Schweigeminute für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß auf und zitierte dabei aus dessen Schlusswort im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess: "Ich bereue nichts". Ferner sprachen mehrere Vertreter tschechischer und slowakischer Neonazi-Gruppierungen. Ursprünglich sollten bei der Veranstaltung, die unter dem Motto "den svobody" (Tag der Freiheit) stand, mehrere Neonazi-Bands und Redner auftreten. Die Veranstaltung wurde jedoch durch die lokalen Behörden untersagt.
Dennoch mobilisierten die tschechischen Neonazis weiter und schlussendlich trafen sich am Bahnhof von Hradec Kralove, etwa 100 Kilometer östlich von Prag, an die 250 Neonazis, vorrangig Anhänger der "Autonomen Nationalisten", aus Tschechien und der Slowakei. Dabei waren auch etwa zehn Deutsche. Mit einer illegalen Demonstration zogen die Neonazis in die Innenstadt, wo sie schließlich direkt vor der Kreisverwaltung der Polizei eine nicht genehmigte Kundgebung abhalten konnten. Der stellvertretende Bürgermeister Martin Soukup erklärte das Stillhalten von Magistrat und Polizei: "Es kam nicht zur Störung der öffentlichen Ordnung, es wurde kein Eigentum beschädigt. Alles verlief ruhig, auch das Ende der Versammlung." Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte, die illegale Versammlung hätte von der Stadt aufgelöst werden können, doch habe sie die Ansicht der tschechischen Polizei respektiert, die der Stadt empfohlen hatte, die Situation "nicht zu eskalieren". Der Anmelder, Tomas Vandas von der DS, erhielt daraufhin eine Anzeige durch die Stadtverwaltung von Hradec Kralove. Ihn erwartet eine Geldstrafe von bis zu 5.000 Kronen (200 Euro). |
|||||