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Rechtsextremisten / NPD
Abgesagt: Kein Ort für "Zeitgespräche" PDF Drucken E-Mail
Frank Carstens   
29.08.2008
Dresden. Zweimal wurde für ein am Wochenende in Dresden geplantes Treffen von Revisionisten und Neonazis der Veranstaltungsort gekündigt. Seit Wochen warb die geschichtsrevisionistische Zeitschrift "Deutsche Geschichte" aus dem rechten Druffel-Verlag für ihre "Zeitgespräche". Die Tagung sollte an diesem Wochenende in Dresden mit ca. 150 Teilnehmern stattfinden. Mittlerweile musste die Veranstaltung aufgrund der Kündigungen offenbar ganz abgesagt werden.

Ursprünglich war das Treffen in einem Mehr-Sterne-Hotel in Radebeul geplant, doch dieses stornierte die Buchung, "nachdem die Geschäftsleitung über den tatsächlichen Hintergrund der geplanten Veranstaltung informiert wurde", so das ART (Antifaschistisches Rechercheteam) Dresden. Daraufhin griffen die Veranstalter zu einer Finte und kündigten das Treffen "im Raum Weimar-Erfurt-Eisenach" an.

Stattdessen buchte sich ein "D+V-Verlag" im Dresdner art'otel ein. D+V steht für den Druffel- und Kurt Vowinckel Verlag, die beide zur Verlagsgesellschaft Berg gehören. Geschäftsführer der Verlage ist niemand anders als Gert Sudholt, der als langjährige Integrationsfigur im rechtsnationalen Lager gilt. Nachdem die Betreiber des art'otel ebenfalls über ihre Gäste aufgeklärt wurden, wurde auch hier den Revisionisten gekündigt. Noch am Donnerstag suchten die Veranstalter händeringend einen Ersatzort, schließlich sollten gegen Freitag Mittag die ersten Teilnehmer ankommen.

Doch die verbleibende Zeit wurde den Veranstaltern offenbar zu knapp, laut vorliegenden Informationen hat Verleger Sudholt die Tagung inzwischen komplett abgesagt.

Für die "Zeitgespräche" waren Vorträge einer ganzen Reihe von Exponenten der Revisionisten- und Neonazi-Szene angekündigt, darunter auch der NPD-Landtagsmitarbeiter Olaf Rose. Zu ihm schreibt das ART Dresden: "Olaf Rose ist als geschichtsverdrehender 'Historiker' bekannt. In seinem Film 'Geheimakte Hess' behauptet er unter anderem Winston Churchill trage die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg und eben nicht Nazideutschland. Rose bekennt sich offen zu seinen nationalsozialistischen Ansichten, er ist mittlerweile im Bundesvorstand der NPD und trat jüngst als Landratskandidat im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge an."

Daneben sollte Abdallah Melaouhi auftreten. Der ehemalige Krankenpfleger des inhaftierten Hitlerstellvertreters Rudolf Hess genießt in der Neonazi-Szene Kultstatus. Er gilt als wichtigster "Augen- und Zeitzeuge" der vermeintlichen Mordkomplotts gegen Hess. Weiterhin standen auf der Rednerliste: Prof. W. Daschitschew (Moskau, Kurator der rechten "Kontinent Europa Stiftung"), Dr. Mario Kandil (Redakteur "Deutsche Geschichte"), Prof. Dr. Günter Pöschel, Prof. W. Brauneder (Wien), Dr. Hans Dieter Handrack, Generalmajor a.D. Christian Millotat, Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof, Richard Melisch und  Dr. Gert Sudholt selbst.