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NPD / Antisemitismus
Bedrohliche Hetze gegen Juden in Schöneiche PDF Drucken E-Mail
redok   
30.10.2008
Schöneiche. Seit einem Jahr kommt es im brandenburgischen Schöneiche bei Berlin zu judenfeindlichen NPD-Auftritten und antisemitisch ausgerichteten Straftaten. Montag Nacht wurde der Bürgermeister der 12.000-Einwohner-Stadt mit antisemitischen Parolen beschimpft, gestern wurde wieder ein jüdischer Gedenkstein beschädigt. Die Polizei tappt bei der Suche nach den Tätern im Dunkeln.

Bereits im Oktober letzen Jahres hatte die NPD das jüdische Laubhüttenfest in Schöneiche "besucht", um "eine Diskussion mit den Teilnehmern über deutsche Kultur zu fördern", wie es im "Nationalen Netztagebuch" - dem Blog der NPD Barnim - hieß. Auf den rechtsextremen Webseiten wurde auch die Anwesenheit des Schöneicher Bürgermeisters Heinrich Jüttner auf dem Fest in menschenverachtender Weise beschrieben: "Sein Gesichtsausdruck spiegelt den Liebreiz der (selbstverständlich) jüdischen Musik wieder", ist dort zu lesen.

In der Nacht zum Holocaust-Gedenktag diesen Jahres (27. Januar - Befreiung des KZ Auschwitz) war ein Denkmal für die von den Nationalsozialisten entrechteten, vertriebenen und ermordeten jüdischen Schöneicher mit Hakenkreuzen und anderen Schmierereien geschändet worden. 

Im März 2008 stellte die NPD ebenfalls im "Nationalen Netztagebuch" voll Häme fest, dass in Schöneiche das jüdische Purim-Fest - der jüdische Karneval - ausfiele. Der externer LinkSchöneicher Integrationsverein "Schtetl" e.V.  hatte das Purimfest nicht im Faschings-Stil gefeiert, da dieses auf den Karfreitag gefallen war. Von der NPD aber wird die Frage gestellt, ob die NPD-Besuche ausgereicht hätten, dass sich (Zitat) "unsere über alles und innig geliebten, jüdischen Mitbürger mit dem Lied 'Muß i denn' [...] 'feierlich' verabschiedet" hätten. Besonders perfide an dieser NPD-Bemerkung: Das  bekannte Volkslied "Muss i denn zum Städtele hinaus" benutzten die Nationalsozialisten nicht selten als zynischen Kommentar zur Deportation der Juden, so etwa 1938 kurz vor der Pogromnacht in einer externer Link"Karikatur" der Essener Nationalzeitung oder 1942 externer Linkim Fotoalbum der Würzburger Gestapo anlässlich des Abtransportes der Würzburger Juden in das Todeslager Sobibór.

Am 19. Oktober 2008 stören acht NPDler erneut das "Jüdische Laubhüttenfest", um "ein Zeichen gegen Überfremdung und für ein deutsches Schöneiche zu setzen". Zwei der acht Männer hätten erst nach mehrfacher Aufforderung durch das Sicherheitspersonal und die Polizei die Veranstaltung verlassen, nicht aber ohne "eine gegen die Veranstaltung gerichtete, beleidigende Bemerkung" gemacht zu haben, deren strafrechtliche Relevanz gegenwärtig noch geprüft werde, so die Polizei Brandenburg. In einem Hetz-Artikel auf den Webseiten des NPD-Kreisverbandes Oderland heißt es zudem, ein Teil der nach Schöneiche gezogenen Russlanddeutschen hätte sich "als Juden aus Rußland entpuppt. [...] Soll Schöneiche stückweise in einen jüdischen Kibbuz verwandelt werden?"

Wenige Tage später ist nach Polizeiangaben der Schöneicher Bürgermeister Heinrich Jüttner nachts bedroht und mit antisemitischen Parolen beschimpft worden. Auch hätten die ungebetenen Besucher vor Jüttners Wohnhaus "Da ist ja der Volksfeind" und "Dir werden wir es zeigen" gerufen. Man schließe einen Zusammenhang mit dem Auftritt Jüttners beim Laubhüttenfest nicht aus. Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung - von den Tätern fehlt nach Worten eines Polizeisprechers bisher jede Spur.

Nun haben Unbekannte erneut das bereits im Vorjahr beschmierte Denkmal in Schöneiche erneut geschändet. Die Täter brachen den Davidstern ab und rissen mehrere Metallbuchstaben heraus. Agenturmeldungen zufolge sei für die Polizei noch unklar, ob es sich um einen Metalldiebstahl oder um eine antisemitische Straftat handele - bislang werde in beide Richtungen ermittelt.

Für den heutigen Donnerstag rief das Schöneicher Bündnis für Demokratie und Toleranz zu einer Mahnwache am jüdischen Denkmal im Schlosspark auf.