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Gewalttaten am Nationalfeiertag PDF Drucken E-Mail
redok   
06.11.2008
Anti-westliche und fremdenfeindliche Parolen, Sieg-Heil-Rufe, Rauchbomben, Verletzte und Tote: Erneut waren russische Rechtsextremisten auf den Straßen, um "ihren" Tag der nationalen Einheit am 4. November zu begehen.

Allein in Moskau waren während des offiziellen Nationalfeiertages etwa 500 Rechtsextreme bei nicht genehmigten Kundgebungen vorübergehend festgenommen worden. Zu den nationalistischen Märschen aufgerufen hatten die rassistische "Bewegung gegen illegale Migration" (DPNI) und der "Slawische Bund" (SS). Die größten Demonstrationen fanden in Moskau und Sankt Petersburg statt, darüber hinaus gab es auch in Blagoweschtschensk, Krasnojarsk, Nischni Nowgorod, Nowosibirsk, Samara, Tschita, Wjatka (zu Sowjetzeiten: Kirow), Wladiwostok und Wolgograd Kundgebungen und Aufmärsche russischer Neonazis. Selbst in Sewastopol auf der ukrainischen Halbinsel Krim hat der "Russische Marsch" ungeachtet eines Verbots stattgefunden. Dort war bereits im Vorfeld mit rassistischen und antisemitischen Plakaten zur Teilnahme mobilisiert worden.

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"Содержи страну в чистоте" - "Haltet das Land sauber"
Foto von den "Vorbereitungen" in Sewastopol (Krim, Ukraine): im Hintergrund eine Grafik mit der schwarz-gelb-weißen Trikolore. Diese Fahne stand Mitte des 19. Jahrhunderts für das Russische Reich und wird derzeit von der DPNI verwendet.

Die rechtsextreme Gewalt, deren Opfer vor allem Gastarbeiter aus Zentralasien und dem Kaukasus, zunehmend aber auch Homosexuelle, alternativ aussehende russische Jugendliche sowie Antifaschisten sind, eskaliert in Russland in unvorstellbarem Ausmaß. In einer externer LinkPressemeldung teilte das Menschenrechtszentrum СОВА (SOVA) am 31. Oktober 2008 mit, dass seit Beginn dieses Jahres nicht weniger als 80 Menschen ermordet und 312 verletzt wurden. Im selben Zeitraum 2007 seien es "nur" 71 Tote gewesen. Andere Menschenrechtsgruppen sprechen bereits von 100 Ermordeten allein in diesem Jahr.

Diese Zahlen dürften jedoch binnen weniger Tage als "überholt" gelten: Wie die Moscow Times heute meldet, wurden im Zusammenhang mit dem Nationalfeiertag zwei Menschen bei rassistisch motivierten Überfällen getötet und weitere verletzt. Außerdem hätten Dutzende Jugendliche die Botschaft der zentralasiatischen Republik Turkmenistan in Moskau überfallen, wobei ein Diplomat verletzt wurde.

Auffallend ist die Qualität der Übergriffe: Aus Parolen und Prügeleien werden brutale, skrupellose Morde. So wurde in Moskau Ende Oktober ein in einem Kiosk schlafender Immigrant aus Aserbaidschan von "Nationalisten" erst geschlagen und dann bei lebendigem Leibe verbrannt. Ebenfalls Ende Oktober wurde ein antirassistischer Skinhead in Moskau vor seiner Wohnungstür erstochen - die Tat scheint sorgfältig vorbereitet worden zu sein. Wenige Tage zuvor war ein 16jähriges Mädchen an einer Bushaltestelle von russischen Naziskins zu Tode getreten worden. Solcherart Untaten werden in russischen Nazi-Foren als Heldentaten gefeiert.

Der Führer der DPNI, Alexander Below (eigentlich Alexander Potkin), strickt indessen weiter am internationalen Netzwerk der Rassisten. Im September war der NPD-Spitzenfunktionär Jens Pühse in Moskau zu Gast bei der "Konferenz des Organisationskomitees zur Vorbereitung des Internationalen Forums nationalistischer Organisationen". In Pühses Redebeitrag, der auf den Webseiten der DPNI veröffentlicht ist, beschwört der NPD-Mann das gemeinsame russisch-deutsche Ziel, von Europa als "Vasallen amerikanischer Interessen" das "amerikanische Joch abzuschütteln" und schwadroniert von einem "multikulturellen und dadurch in einen multikriminellen Kessel umgewandelten Europa". Geostrategische Interessen und vor allem der "Widerstand gegen das Streben der USA nach der weltweiten Herrschaft" ließen Gemeinsamkeiten Russlands und Deutschlands erkennen, und wohl auch in Anspielung auf Willy Brandts Versöhnungsgeste am Ehrenmal des jüdischen Ghettos in Warschau meint Pühse: "Den Kniefall Europas, sehr geehrte Damen und Herrn, wird es in Europa zukünftig nicht geben!"