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NPD
Rechte Kaderprobleme PDF Drucken E-Mail
redok   
12.12.2008
Plauen. Probleme mit ihren Kadern hat die NPD im sächsischen Vogtland. Dort verließen die drei Kreistagsabgeordneten mit Getöse die Partei. Der neue vorläufige Statthalter ist nicht nur ein altbekannter militanter Neonazi, sondern kokettiert auch mit merkwürdigen Gestalten vom äußersten linken Rand.

Die örtlichen NPD-Funktionäre mochten schon seit einiger Zeit nicht viel Sympathie für die in ihren Augen weichgespülte Linie der sächsischen Parteiführung aufbringen. Nicht nur als Handlanger wollten sie offenbar die örtlichen Neonazi-Kameradschaften einsetzen, sondern übernahmen auch streckenweise deren Phrasen-Fundus.

Zum Knall kam es nach einer Demonstration in Reichenbach Anfang November, die regionale Anti-Rechts-Projekte aufs Korn nehmen sollte. Reden durfte unter anderem Peter Naumann, Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion und als Bombenleger verurteilter früherer Rechtsterrorist. Wortlos blieb dagegen der Gesandte der NPD-Landesführung Jürgen Gansel, der Auftreten und Parolen einiger Neonazis ("Autonome Nationalisten", Skinheads) kritisierte. Die Kritisierten beklagten später, er habe ihnen die Parole "Nationaler Sozialismus jetzt" verbieten wollen.

Wenige Tage später kam es im Sächsischen Landtag zu einer Konfrontation zwischen dem Landtagsabgeordneten Gansel und Naumann, die der Fraktionsmitarbeiter mit einigen Faustschlägen ins Gansel-Gesicht nach Punkten für sich entschied. Seinen Job bei der Fraktion war er damit los, doch immerhin wurde Naumann gerade zwei Wochen später im Landkreis Mittelsachsen zum NPD-Direktkandidaten für die Bundestagswahl im kommenden Jahr gewählt. Auch im thüringischen Jena ist der schlagfertige Naumann gern gesehen, wo die örtliche NPD das Rechtsaußen-"Bombenhirn" gerne zu einem "explosiven Vortrag im 'Braunen Haus'" begrüßte.

Die sächsische NPD-Parteiführung hatte ihre örtlichen Funktionäre auch im Vogtland nicht im Griff, denn angeblich ein gutes Dutzend kehrte der Partei Mitte November wegen der Gansel-Vorschriften den Rücken. Nicht nur die NPD-Kreisvorsitzende und Kreistags-Abgeordnete Nicole Fortak verließ die NPD, sondern auch ihre Mit-Kreisräte Olaf Martin und Frank Schmidt. Sie habe sich "egozentrisch in Szene" gesetzt, warf die Partei der Ex-Vorsitzenden nach und attestierte ihr "persönliche Unreife und Gehässigkeit". Unter ihrer Führung habe der Kreisverband "mehr Freizeitaktivitäten entwickelt als politische Arbeit geleistet", so Landesvorstandsmitglied Andreas Storr.

Querfrontiger Lückenbüßer

In die Bresche springen musste nun ein altgedienter Neonazi, der in den 1990er Jahren bereits einmal als Kreisvorsitzender in Plauen gedient hatte. Der Fahrlehrer Bernd Grett firmiert derzeit wieder als Ansprechpartner im Vogtland, doch auch mit ihm könnte die NPD wenig Glück haben.

Der frühere Kader der "NS-Kampfgruppe Großdeutschland" und Unterführer der "Wehrsportgruppe Hoffmann" im bayerischen Ingolstadt hatte einen Hang zur sogenannten "Querfront" entwickelt, also dem Versuch, aus nationalrevolutionärer Position eine Brücke zu linksextremen Gruppierungen zu schlagen. Mit Michael Nier, ehemals ordentlicher Professor für Marxismus-Leninismus und Direktor des Instituts für Gesellschaftswissenschaften an der Ingenieur-Hochschule Mittweida, bildete Grett einen "Arbeitskreis der Sozialisten in der NPD". Im Jahr 2000 trat er wegen mangelnder Resonanz für solche Absichten aus der Partei aus und füllt seither unter einer Reihe von Tarnnamen ("Michael Kohlhaas", "Kolja Kretschow", "Artjom Kranow", "Freddy Toll") diverse Internet-Foren mit seinen Ergüssen.

Doch in zweiter Reihe hat Grett schon seit etwa drei Jahren wieder bei der NPD geparkt. Gefördert wird der alt-neue NPD-Querfrontler nicht nur von den regionalen Neonazi-Kameradschaften ("Freies Netz") und dem verblichenen KDS, sondern er wird auch vom Zwickauer NPD-Landtagsabgeordneten Peter Klose empfohlen, dem seit kurzem eine Anklage ins Haus steht. Als "Freddy Toll" soll Grett demnächst in einem "Nationalen Gesprächskreis" gemeinsam mit dem ehemaligen KDS-Vorsitzenden und früheren KPD-Funktionär Michael Koth auftreten und sich über "sozialistische Notwendigkeit in einem Nationalstaat mit voller Souveränität" auslassen.

Derweil hat Grett ein neues linksextremes Objekt seiner Zuneigung entdeckt. Diesmal ist es die stalinistisch-maoistische KPD/ML ("Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten") der 1970er Jahre, deren damaliger Chef Ernst Aust eine programmatische Erklärung "Deutschland dem deutschen Volk" verfasst hatte. "Eine Menge Schnittstellen" biete ihm diese Plattform, die seinem "'Idealbild' des Kommunismus/Sozialismus sehr nahe" käme, schwärmte "Freddy Toll".

Doch die einstige Linksaußen-Politsekte hat sich in den seither verstrichenen Jahrzehnten in ungefähr neun Nachfolgesekten gespalten, nicht eingerechnet die bereits eingegangenen Spaltprodukte. Der Fahrlehrer aus Plauen hat also genügend Auswahl bei der Suche nach Vorbildern. Ob die sächsische NPD mit solchem Personal besser fährt als mit bisherigen Funktionären, wird sie selbst herausfinden müssen.