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Neonazis / Rechte Gewalt
Haftbefehle gegen Münchner Neonazis PDF Drucken E-Mail
redok   
17.12.2008
Passau/München. Die beiden gestern festgenommenen Neonazis aus München stehen nun als Mittäter am Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl unter Verdacht. Der Mann ist seit Jahren in der Münchner Neonazi-Szene aktiv, beide gehören der Neonazi-Gruppe "Freie Nationalisten München" an. Am späten Abend ist gegen das Ehepaar Haftbefehl wegen Beihilfe zum versuchten Mord erlassen worden, weitere Neonazis der "Freien Nationalisten" waren vorübergehend festgenommen worden. Mit einer Personenbeschreibung wird mittlerweile bundesweit nach dem eigentlichen Täter und einem weiteren Neonazi als Komplizen gesucht.

Der 33-jährige Manuel H. und seine Ehefrau Sabrina H. (22) waren gestern Nachmittag in München vor ihrer Wohnung festgenommen worden. Erste Meldungen hatten von den beiden Festgenommenen als Tatverdächtigen gesprochen, später hieß es dann, sie würden nicht als Verdächtige, sondern als Zeugen vernommen. Nun werden sie der Beihilfe zum versuchten Mord verdächtigt. Am späten Mittwoch Abend beantragte die Staatsanwaltschaft Passau wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr Haftbefehl gegen die beiden, den das Amtsgericht Passau umgehend erließ.

Beide hatten an der Beerdigung des Altnazis Friedhelm Busse im Juli teilgenommen. Zumindest die Frau soll am Samstag in der Nähe des Tatorts in Fürstenzell zusammen mit einem Mann gesehen worden sein, auf den die Täterbeschreibung passt. Am Samstag Nachmittag, also unmittelbar vor dem Mordanschlag auf Mannichl, soll in "Traudl's Café", dem NPD-Stammlokal in Fürstenzell, eine Adventsfeier rechtsextremer Aktivisten stattgefunden haben.

Beide gehören der Neonazi-Gruppe "Freie Nationalisten München" an, Manuel H. ist bereits seit mehr als zehn Jahren in der Münchner Neonazi-Szene aktiv. In einem Artikel des Portals indymedia heißt es über Manuel H., er sei "schon in den 90iger Jahren in München als Skinheadschläger bekannt" gewesen und auch in jüngerer Zeit durch gewalttätige Aktionen aufgefallen. Im Anschluss an die Busse-Beerdigung in Passau sei Manuel H. in der ersten Reihe eines spontanen Aufzugs durch die Passauer Innenstadt marschiert. Eine Passauer Antifa-Gruppe hatte im Juli berichtet, Manuel H. habe dabei einem jungen Mann mit einer Fahnenstange ins Gesicht geschlagen. Ein Polizist habe das lediglich mit dem Satz kommentiert: "Klar ist das Körperverletzung, aber wenn wir den festnehmen, gibt’s ’ne Straßenschlacht“. Am 15.11. war Manuel H. bei einer Kundgebung "Ruhm und Ehre dem deutschen Soldaten" in München beteiligt und trug dort einen Button mit der Aufschrift "Support Hamas". Kennern der Münchner Szene ist seine "extrem antisemitische" Einstellung bekannt.

Kenner der Münchner Neonazi-Szene wissen über Manuel H., dass er bei den "Freien Nationalisten" (FN) um den Protagonisten Philipp Hasselbach eine wichtige Rolle einnimmt. Für die Internetseiten der Gruppe schrieb er regelmäßig Artikel unter dem Pseudonym "H. Amas" mit offensichtlichem Bezug auf die islamistisch-terroristische Hamas-Bewegung. Die Gruppe hatte sich gebildet, nachdem ihre Anführer zunächst in die Führung der bayerischen "Jungen Nationaldemokraten" (JN), der NPD-Jugendorganisation, gewählt worden waren, dann aber nach heftigem internen Streit aus dem Landesvorstand hinausgeworfen wurden.

In jüngerer Zeit hatten die FN wieder ein herzlicheres Verhältnis zur bayerischen NPD entwickelt und nahmen regelmäßig an deren Aktivitäten teil.

Im Zuge der Ermittlungen nach dem Messer-Attentäter wurde vorübergehend auch Hasselbach festgenommen. Er sollte als Zeuge vernommen werden, weigerte sich jedoch zunächst auszusagen, so die Polizei. In einer eigenen veröffentlichten Stellungnahme hatte Hasselbach den beiden Verhafteten ein Alibi verschafft: sie hätten am Samstag gemeinsam mit ihm eine Veranstaltung in Erding vorbereitet und besucht, somit hätten sie nicht im Raum Passau sein können. Außerdem besäßen sie überhaupt kein Auto, dessen Kennzeichen nach Angaben der Ermittler zu den nun Verhafteten geführt hätte. Zudem seien sie am Samstag von Beamten des Staatsschutzes überwacht worden, die damit ihren Aufenthaltsort bescheinigen könnten. Laut Hasselbach werden die beiden Verhafteten vom Dortmunder Rechtsanwalt André Picker vertreten, der bei der rechtsradikalen Partei "pro NRW" Landesvorstandsmitglied ist und als Ansprechpartner und Schatzmeister für den Bezirksverband Ruhrgebiet fungiert.

Eine weitere FN-Aktivistin - nach Hasselbachs Angaben seine Freundin - war ebenfalls vorübergehend festgesetzt worden. In ihrer Wohnung hatte sie laute Skinhead-Musik gehört. Als sich eine Nachbarin beschwerte, konterte die 20-Jährige, sie solle "das Maul halten", sonst gehe es ihr wie Mannichl.

Nach dem eigentlichen Täter oder den Tätern wird mittlerweile bundesweit gefahndet. Die Ermittler gaben Beschreibungen von zwei Männern heraus, die in Fürstenzell gesehen worden waren. Bei dem Täter soll es sich um einen 25 bis 35 Jahre alten, etwa 1,90 Meter großen Mann handeln, der bayerischen oder österreichischen Dialekt spricht. Der Täter soll eine in der Skinheadszene übliche Bomberjacke getragen haben. Der gesuchte Helfer soll etwas älter sein und am Kopf eine auffällige Tätowierung haben. Die Kriminalpolizei schließt aufgrund der Ähnlichkeit der Beschreibungen aber nicht aus, dass es sich letztlich nur um einen Mann handelt.

Offenbar planen die Ermittler auch weitere Fahndungsmaßnahmen. In Neonazi-Internetforen wurde berichtet, dass Aktivisten der Szene Vorladungen zu einem DNA-Abgleich bekommen hätten. Hasselbach kündigte an, "bis zum Wochenende aktionistische Möglichkeiten konkretisiert" zu haben.