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Neonazis / Rechte Gewalt
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redok   
18.12.2008
Passau. Die beiden inhaftierten Neonazis, die der Beihilfe zum versuchten Mord am Passauer Polizeichef Mannichl verdächtigt werden, haben sich in Verhören in Widersprüche verwickelt. Ihr Alibi ist offenbar ins Wanken geraten.

Sowohl Manuel H. (33) wie auch seine Ehefrau Sabrina H. (22) bestreiten die Vorwürfe, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch am heutigen Donnerstag. Die Eheleute hätten sich aber inzwischen gegenseitig in ihren jeweiligen Aussagen widersprochen. Ihre Angaben seien zum Teil widerlegt worden, hieß es.

Gestern hatte Phlipp Hasselbach (21), ein Anführer der Münchner Neonazigruppe "Freie Nationalisten", seinen beiden Gesinnungsgenossen mittels einer veröffentlichten Erklärung ein Alibi verschafft. Demnach sei er kurz nach der Tatzeit mit den beiden gemeinsam von München nach Erding gefahren, wo sie an einer Veranstaltung einer örtlichen Neonazigruppe teilgenommen hätten. Ein Zeuge will die beiden jedoch am Samstag Nachmittag im Raum Passau gesehen haben; Sabrina H. soll gemeinsam mit einem Mann in Fürstenzell bemerkt worden sein, auf den die Beschreibung des Messerstechers passt.

Der Anwalt der beiden Tatverdächtigen André Picker (Dortmund) erklärte heute auf Anfrage von Spiegel online, ob sich Manuel H. am vergangenen Samstag in Passau aufgehalten habe: "Ich glaube nicht, dass er das bestreiten würde." Damit wäre das von Hasselbach gegebene Alibi entwertet.

In verschiedenen Artikeln, die Manuel H. auf der Internetseite der "Freien Nationalisten" unter dem Pseudonym "H. Amas" verfasst hatte, kam häufig sein tief sitzender Hass auch auf Polizisten zum Ausdruck. So schrieb er in einem Teilnehmerbericht über eine Demonstration in Stolberg über die "Systemsöldner der Polizei", die "staatlichen Terror" gegen die Neonazis praktiziert hätten und über "Polizeikontrollen, welche willkürlicher und hassgeladener nicht sein konnten". Vom "nationalen Antikriegstag" im September in Dortmund unter dem Motto "Für eine Welt ohne Zionismus" berichtete Manuel H. über "Angriffe der bundesdeutschen Systemschergen" und ließ sich über die "grünuniformierten Vasallen des Kapitalismus" aus, die den "Terror des Systems" ausübten.

Anfang November schrieb er höhnisch über einen Ehrenbesuch der Münchner Neonazigruppe am Grab des  früheren SA-Führers Ernst Röhm "unter den strengen Augen der zivilen und grün uniformierten Truppen des BRD-Regimes". Am Grab legten die Neonazis ein Blumengesteck ab, um "einem Mann die verdiente Ehre erweisen, welcher sich bis zu seinem Tode für einen nationalen Sozialismus in Deutschland eingesetzt hatte." Mit dabei war Manuel H. auch in Landsberg, wo bayerische Neonazis unter der Leitung des bayerischen NPD-Vorstandsmitglied Roland Wuttke Ende November die Errichtung eines Gedenksteins für den Freikorps-Kämpfer Albert Leo Schlageter und die Wiederherstellung eines aufgelassenen Friedhofs forderten, auf dem NS-Kriegsverbrecher begraben waren.

Alois Mannichl soll bereits am morgigen Freitag aus dem Krankenhaus entlassen werden. In seiner Heimatgemeinde Fürstenzell wollen seine Nachbarn am kommenden Montag eine Solidaritätsdemonstration in Form einer stillen  Lichterdemo veranstalten.

Die Passauer NPD will am 9. Januar "im bekannten Lokal" - dem Café Traudl in Fürstenzell -  erneut einen "Politischen Stammtisch" veranstalten; zu der "geschlossenen Gesellschaft" soll der Zutritt "nur für Mitglieder und Gäste mit persönlicher Einladung" gestattet werden. Die Teilnehmer sollen einem Vortrag mit dem Thema "Jugend braucht Visionen" lauschen.