| Neonazis / Immobilien | |||
| Schwerer Unfall beim "Heisenhof" - Waffen im Unfallwagen gefunden |
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| ak | |||||
| 19.09.2004 | |||||
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Verden. Bei einem schweren Verkehrsunfall wurde am späten
Donnerstagabend ein Rechtsextremist in der Nähe des "Heisenhof" bei
Verden lebensgefährlich verletzt. In dem Wagen des Mannes, der in dem
Anwesen im Besitz von Jürgen Rieger wohnt und dort offenbar als
Hausmeister und Chef einer Neonazi-Wachmannschaft fungiert, wurden nach
mehreren Berichten Waffen gefunden.
Der 65jährige Jan Huß, der sich selbst gerne als "Gesellschaftskritiker" bezeichnet, war allein in einem Kleinwagen unterwegs, kam auf schnurgerader Strecke nach rechts von der Fahrbahn ab und fuhr frontal gegen einen Straßenbaum. Die Umstände des Unfalls sind bisher nicht geklärt; einen technischen Defekt an dem älteren Fiat Panda schloss die Polizei jedoch aus. Nach einem Bericht der "Verdener Nachrichten" wurden im Fahrzeug Schlagwerkzeuge gefunden; zitiert wurden Augenzeugen, die von "Handfeuerwaffen, Macheten, Peitschen und Knüppeln" sprachen. Die "Verdener Aller-Zeitung" schrieb, in dem Wagen seien Schreckschusswaffen, Gaspistolen und ein umgebautes Gewehr gefunden worden.
Wie die "Verdener Aller-Zeitung" weiter berichtete, besaß Huß seit mehreren Jahren einen Waffen- und einen Waffenerwerbsschein, nachdem er erfolgreich die Jägerprüfung abgelegt hatte. Der sich als Anhänger von Horst Mahler bekennende Huß war in den letzten Jahren wiederholt durch Todesdrohungen gegen Politiker und politische Gegner aufgefallen; unter anderem hatte er die Mitarbeiter des IDGR per Email mit dem Tode bedroht. Warum der mit seinen Äußerungen beim Landkreis Verden aktenkundige Huß einen Waffenschein besitzen konnte, soll ab Montag in der zuständigen Behörde des Landkreises geklärt werden. Der Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger hatte den "Heisenhof" im Frühjahr 2004 im Namen einer "Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertisilationsforschung" erworben (der IDGR berichtete). Gegenüber der Presse gab er an, er wolle in dem weitläufigen Anwesen Fruchtbarkeitsforschung betreiben lassen und damit "kinderlosen Ehepaaren zu Kindern verhelfen". Mitte August hatte Rieger erklärt, er habe bereits einen Leiter für seine "Fruchtbarkeitsforschung" gefunden. Er sei "gegen eine Rassenmischung" und würde "auch darauf achten, dass eine blauäugige Frau nur den Samen eines ebenfalls blauäugigen Mannes bekäme und nicht den eines mit braunen Augen". Eine Art brauner Kontakthof würde aber mangels Interesse seiner Klientel im "Heisenhof" wohl nicht entstehen, wie Rieger sagte: "Ich hätte auch nichts dagegen, zueinander passende Menschen auf dem Heisenhof zusammenzuführen. Aber die meisten sind an einer anonymen Samenspende interessiert." Die Spender müsse man sich genau anschauen, denn Rieger wolle seine Kundschaft mit "hochwertigem Sperma" versorgen. Seine Kriterien: "Zuerst kommt es auf die Intelligenz an und dann auf die Gesundheit." Die tatsächlichen Aktivitäten auf dem Heisenhof deuteten dagegen in eine andere Richtung. Bereits seit Wochen halten sich dort nach verschiedenen Berichten mehrere Personen ständig auf; offensichtlich bewachen arbeitslose Neonazis in Tarnanzügen, mit Funkgeräten und Hunden das Anwesen.
Anziehungspunkt wurde der Heisenhof schnell für Anhänger der NPD und ihrer Jugendorganisation JN aus Verden, Rotenburg und Bremen. Neben Jan Huß wohnen mehrere andere Personen bereits ständig in dem Anwesen, die dem Millionär Rieger auch als günstige Arbeitskräfte bei der Instandsetzung und dem Ausbau der Gebäude dienen. Mindestens zwei Personen haben dort auch ihren Wohnsitz angemeldet, jedoch hat der Landkreis Verden eine Wohnnutzung untersagt. Behördliche Schritte zur Durchsetzung dieser Untersagung sind bisher nicht bekannt geworden. Erst vor wenigen Tagen hatte Rieger seine Sammlung von etwa einem Dutzend Militärfahrzeugen, die bisher in einer Scheune in Stemmen (bei Scheeßel, Kreis Rotenburg, Niedersachsen) untergestellt waren, per Tieflader zum Heisenhof bringen lassen. Bei den Fahrzeugen handelt es sich vor allem um Wehrmachtsfahrzeuge in Tarnanstrich. 1993 hatte Rieger mit einer Reihe von Neonazis eine Kolonnenfahrt seiner Militärfahrzeuge inklusive Abzeichen der 12. SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“ und SS-Runen unternommen; wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole wurde er zu einer Geldstrafe in Höhe von 14.400 Mark verurteilt. (Dieser Bericht erschien erstmalig beim "Informationsdienst gegen Rechtsextremismus", IDGR) |
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