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NPD / Neonazis / Antisemitismus
Antisemitische Trumpfkarte PDF Drucken E-Mail
redok   
29.12.2008
Berlin/Hamburg. In der NPD wächst die Unterstützung für Parteifunktionär Andreas Molau, der im März den amtierenden Parteivorsitzenden Udo Voigt ablösen soll. Radikale Neonazis formieren sich gegen den "Weichspüler" Molau und ziehen die antisemitische Trumpfkarte: Molau sei "Achteljude", heißt es aus dem Dunstkreis des Hamburger NPD-Chefs Jürgen Rieger.

Nachdem sich bereits die Vorsitzenden der NPD-Landtagsfraktionen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, Holger Apfel und Udo Pastörs, für Molau als zukünftigen Parteichef ausgesprochen hatten, kam nun auch noch Sascha Roßmüller hinzu. Roßmüller ist nicht nur stellvertretender Bundes-Parteivorsitzender, sondern auch stellvertretender Landesvorsitzender des wichtigen Landesverbandes Bayern, der allein etwa ein Siebtel der gesamten NPD-Mitgliederzahl für sich verbuchen kann.

Inzwischen hat Molau in einer Erklärung, die auf den Webseiten der NPD Mecklenburg-Vorpommern verbreitet wurde, seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt. Er stehe "für einen modernen europäischen Nationalismus im Sinne Henning Eichbergs und Alain des Benoists als einzige Alternative zu einer unsozialen Globalisierung", ließ der als NPD-Intellektuelle geltende Molau wissen.

Während unter NPD-Funktionären die Unterstützung für Molau an Boden gewinnt, schießen sich Neonazis außerhalb wie auch innerhalb der NPD um Jürgen Rieger zunehmend auf Molau ein. Dem früheren Waldorflehrer wird etwa "liberales Weichspülergelalle" vorgeworfen; sein Vorbild Benoist habe sich schon mal für einen "gemäßigten Multikulturalismus" ausgesprochen, wird geklagt.

Doch als neonazistische Trumpfkarte wird nun eilends die "Rassenfrage" aus dem Hut gezaubert: Molau sei "Achteljude", ließ ein Benutzer namens "J.R." in einem Neonazi-Forum wissen. Ein Molau-Onkel war während der NS-Herrschaft 1943 von einer höheren Schule verwiesen worden, weil er als "Mischling (25%)" behandelt wurde. Das Rassen-Kalkül von Benutzer "J.R.": "Demnach ist Molaus Großvater Halbjude, Andreas Molau also Achteljude."

Der Vorwurf gegen parteiinterne Konkurrenten, jüdischer Abstammung zu sein, wurde in den vergangenen Jahren bereits mehrfach vor allem aus dem Umfeld des Hamburger Rechtsanwalts und NPD-Landesvorsitzenden Jürgen Rieger lanciert. Ziele waren dabei etwa der NPD-Generalsekretär Peter Marx, der in manchen Neonazi-Foren konsequent als "Peter Jacob Marx" bezeichnet wird, sowie die ehemalige Hamburger NPD-Landesvorsitzende Anja Zysk, die vom Rieger-Freund Thorsten de Vries als "Mosaische Levantiner Hexe" beschimpft worden war. Nachdem Zysk in Hamburg endgültig gestürzt war, übernahm Rieger den Landesverband und konnte in der Folgezeit bis zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden aufsteigen. Die Rieger-Wahl zum Bundes-Vizechef hatte Molau noch am Ort des Parteitages in Bamberg als "politische Katastrophe" bezeichnet.

Der herzliche Ton innerhalb der NPD wurde in jüngerer Zeit von der Gegenseite Riegers zurückgegeben. Der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel bezeichnete den Hamburger Parteifreund etwa als "Schädelvermesser" und "Samenbanker". Offenbar steht der NPD bei der Wahl eines künftigen Parteivorsitzenden nicht nur eine Auseinandersetzung zwischen dem Noch-Amtsträger Voigt und Molau bevor, sondern auch ein Kräftemessen mit dem "Mischlings"-Arithmetiker Rieger.