start arrow notizblog arrow Passauer Nazi-Demo bleibt überschaubar
Neonazis / NPD
Passauer Nazi-Demo bleibt überschaubar PDF Drucken E-Mail
redok   
04.01.2009
Passau. Der Neonazi-Aufmarsch am gestrigen Samstag blieb offenbar hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Interne Streitigkeiten und persönlicher Zwist hatten dazu geführt, dass einige Nazi-Gruppen die Teilnahme verweigerten.

Der Aufmarsch in Passau war zwar bundesweit von NPD und Neonazi-Gruppen beworben worden, doch die Randlage der Stadt wie auch die jahreszeitlich bedingten Verkehrsverhältnisse dürften für den relativ schwachen Zulauf zumindest mitverantwortlich sein. 300 Teilnehmer - einige davon aus Österreich - zählte die Polizei beim Neonazi-Aufmarsch, der einige Stunden durch eiskalte Passauer Innenstadtstraßen zog. Mehr als 1.000 Passauer hatten da schon gegen den rechtsextremen Auflauf demonstriert.

Zwar war auch die NPD beteiligt, organisiert und dominiert wurde die Demonstration jedoch von partei-unabhängigen Neonazis. Doch gerade die als Veranstalter auftretenden Christian Worch (Hamburg) und Phlipp Hasselbach (München) waren Anlass für einige Neonazis, dem Aufmarsch fernzubleiben.

So erklärten "Freie Kräften aus Franken und Oberbayern", dass sie wegen dieser Wortführer der Aktion fernbleiben würden. Hinter dieser Absage werden die vor kurzem aus der NPD ausgetretenen Neonazis aus Ober- und Mittelfranken um Matthias Fischer gesehen, die sich derzeit als "Freie Nationalisten" neu formieren wollen. Als Begründung wurden teilweise Jahre zurückliegende Querelen angeführt. Den Hamburger Worch als "Antifa- und VS-Informant" werde man nicht unterstützen; man werde "nicht das Laufvieh für charakterlich minderwertige Personen sein und ihre Demonstrationen füllen". Auch der als Redner vorgesehene Axel Reitz (Köln) war den Franken nicht genehm. Als Begründung führten die Demo-Verweigerer an: "Insbesondere ist hier auch die Verbundenheit zum schwulen und an Aids gestorbenen Ex-Führer der ANS/NA, Michael Kühnen, allen gemein und wohl das einigende Band."

Kritik erntete die Demo auch von "Autonomen Nationalisten" aus dem Ruhrgebiet, die sich an der "Medienpolitik" der Veranstalter stießen. Diese hatten vor den Demo-Beginn einen Pressetermin angesetzt, bei dem "am Presse-Infopunkt" Fragen an die Veranstalter gestellt werden konnten. Angesichts einer Presse, die "klar antifaschistisch ausgerichtet und infiltriert" sei und "Hauptverantwortlicher ist bei der Hetzjagd auf Nationalisten", werde man diese "Medienfreundlichkeit" nicht akzeptieren.

Die Nazi-Demo konnte erst mit zwei Stunden Verspätung beginnen, da die Veranstalter große Mühe hatten, eine ausreichende Zahl von Ordnern zu finden, die nicht durch frühere Konflikte mit der Justiz aufgefallen waren. Nach der Demo trafen sich einige Neonazis in "Traudls Café" in Fürstenzell, das der örtlichen NPD seit einiger Zeitals Stammlokal dient. Fürstenzell ist der Wohnort des Passauer Polizeichefs Alois Mannichl, der vor drei Wochen vermutlich von einem Neonazi durch einen Messerstich verwundet worden war.