| NPD / Neonazis | |||
| Vorstrafen "für einen Nazi selbstverständlich" |
|
|
|
| redok | |
| 06.01.2009 | |
|
Mainz/Frankfurt. Knapp zwei Wochen vor der vorgezogenen hessischen Landtagswahl wirbt ein führender NPD-Funktionär für den "Opfergeist der SA". Vorstrafen wegen Körperverletzung seien "für einen Nazi selbstverständlich", heißt es auf einer vom stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Mario Matthes verantworteten Webseite.
Zur Landtagswahl am 18. Januar hat die NPD zwar eine Landesliste mit 16 Personen sowie in 34 von insgesamt 55 Wahlkreisen je einen Kandidaten sowie einen Ersatzkandidaten aufgestellt, doch der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Mario Matthes ist nicht darunter. Eine offizielle Erklärung der NPD, warum Matthes nicht aufgestellt wurde, gibt es nicht; möglicherweise hat er seinen Wohnsitz immer noch im benachbarten Rheinland-Pfalz, wo er 2006 für die NPD zur Landtagswahl antrat und an der Uni Mainz studiert. Seine kürzlich bestätigte Verurteilung wegen Körperverletzung dürfte der hessischen NPD im Wahlkampf jedenfalls auch nicht besonders förderlich erschienen sein. Nun hat Matthes seine Partei erneut vor die Aufgabe gestellt, eine in der Öffentlichkeit wenig werbewirksame Aussage zu erklären. Im Internetportal der "Nationalen Sozialisten Mainz-Bingen", das von Matthes verantwortet wird, erschien heute ein Artikel "Vom Opfergeist der SA". Offenbar soll die NS-Straßenkampftruppe den heutigen Neonazis auch im Wahlkampf als Vorbild vorgestellt werden, denn einleitend heißt es dort zum begonnenen neuen Jahr: "Es wird spannend werden, vor allem politisch, denn zahlreiche Wahlen, einige davon für das nationale Lager richtungsweisend, finden 2009 statt." Politischen Erfolg verspricht sich der Text auf der Matthes-Webseite aber nicht in erster Linie von Wahlen, sondern er sei "das Ergebnis von Zähigkeit und Ausdauer und vor allem eins - Aktivismus!" Niemand habe das besser gewusst "als die NSDAP in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts", und weiter heißt es dort: "Dass sie es auch beherzigte wurde schließlich am 30. Januar 1933 zum Schlüssel ihres Erfolges." Auch das politische Ziel wird deutlich benannt: " ... ohne den bedingungslosen Glauben und hieraus gespeisten Opfergeist hunderttausender einfacher Aktivisten hätte es eine Machtübernahme nie gegeben - und kann es auch zukünftig nicht geben". Schließlich wird - wohl angesichts der kürzlichen Verurteilung von Matthes - ein SA-Mann aus einem Brief an die "Parteileitung" von 1930 zitiert: "Ich habe in meiner Arbeit für die NSDAP mehr als dreißigmal vor Gericht gestanden und bin achtmal wegen Körperverletzung, Widerstandsleistung und ähnlicher für einen Nazi selbstverständlicher Delikte vorbestraft." Als Fazit der "für einen Nazi selbstverständlichen Delikte" resümiert der Artikel: "Einer von den vielen, die uns heute fehlen..." Die hessische NPD hat offenbar kein Glück mit ihren Wahlkämpfen, denn bereits bei der letzten Kandtagswahl 2008 fiel sie vor allem mit dem skurrillen "Gartenzwerge"-TV-Spot auf, in dem der damalige Landesvorsitzende Marcel Wöll hoch zu Ross als Rächer der Enterbten auftrat. Ende November 2008 war ein Video bekannt geworden, in dem der hessische NPD-Funktionär Sascha Söder forderte, "alle Juden human erschießen" zu lassen. |