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Rechtsextremismus
Türkischer Karneval war Comedy-Satire PDF Drucken E-Mail
redok   
09.01.2009
Köln. Der "erste türkische Karnevalsverein" hat sich als Live-Satire für eine Comedy-Fernsehsendung entpuppt, doch die Reaktion von Rechtsaußen war echt. Nun prangern die Retter der abendländischen Karnevalskultur von "pro Köln" die "Scheinwelt der Massenmedien" an.

Erst vor wenigen Tagen war der externer Link"Erste Türkische Karnevalsverein Deutschlands“ (TKVD) an die Öffentlichkeit getreten und hatte zur Pressekonfrenz geladen. "Pro Köln" und das mit der rechtsextremen Gruppe verbandelte Blog "Politically Incorrect" hatten unverzüglich den Untergang des karnevalistischen Abendlandes gewittert und Unterwerfung des rheinischen Spektakels unter die Scharia befürchtet, das schließlich wegen "Alkoholgenuß und relativer sexueller Freizügigkeit" mit den islamischen Geboten unvereinbar sei.

Bei der Pressekonferenz des Vereins fragten sich Journalisten allerdings schon nach einigen Minuten, ob sie vielleicht auf einer Veranstaltung der Satirezeitschrift Titanic seien, die immerhin schon seit langem für Spaßguerilla-Aktionen unter falscher Flagge bekannt ist. Zu bizarr waren die vorgestellten Ideen der vorgeblich türkischen Karnevalsfreunde, die sich dazu auch noch davor drückten, türkischen Medien in türkischer Sprache zu antworten.

Tatsächlich entpuppten sich die Macher des angeblichen Vereins bald als deutsche Comedy-Macher, die das Ganze für eine kommende Sendung des Kölner Senders RTL inszeniert hatten. Aufzeichnungen von der Pressekonferenz sollen in der Sendung gezeigt werden. Der Schwindel wurde aufgedeckt, aus der RTL-"Satire" ist damit schon vor der Sendung die Luft raus.

Die Rechtsaußen von "pro Köln" mühten sich heute zu einer gequälten Stellungnahme. Darin schoben sie den Medien die Schuld zu, die über den angeblichen Verein berichtet und umgehend den Schwindel aufgedeckt hatten. Ein türkischer Karnevalsverein hätte "einfach zu gut in die schöne bunte Multi-Kulti-Welt gepaßt, die uns manche Journalisten vorgaukeln wollen". Kein Wort mehr verloren sie über ihre eigenen hysterischen Reaktionen der letzten Tage - da hatte tatsächlich der "türkische Karnevalsverein" zu gut ins rassistische Konzept gepasst.