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NPD / Rechtsextremisten
Liebesgrüße von der NPD PDF Drucken E-Mail
redok   
12.01.2009
Dresden/Hamburg. Nach der Wahl des neuen Parteivorsitzenden der rechtsextremen DVU häufen sich die Freundschaftsbekundungen von der NPD. Sogar ein Zusammenschluss der beiden Parteien wird schon ins Spiel gebracht.

Eine illustre Runde des deutschen Rechtextremismus traf sich am Samstag in Dresden. Geladen hatte die sächsische NPD-Landtagsfraktion zum Neujahrsempfang, 200 Gäste waren nach Parteiangaben gekommen.

Dabei waren im Sächsischen Landtag nicht nur NPD-Parteifunktionäre wie Peter Marx, Udo Pastörs und Andreas Molau, der kurz vor Jahresende von Marx, Pastörs und dem sächsischen Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel als nächster Parteivorsitzender auserkoren worden war. Der noch amtierende Parteichef Udo Voigt sollte oder wollte bei dieser Runde in Dresden offenbar nicht stören.

Gern gesehene Gäste waren der frühere SDS-Führer Bernd Rabehl, der Nation & Europa-Herausgeber Harald Neubauer sowie der ehemalige stellvertretende Parteivorsitzende der "Republikaner" Björn Clemens, der vor zwei Jahren damit gescheitert war, die REP mit der NPD zusammenzubringen. Aus Österreich waren der Chefredakteur der extrem rechten Zeitschrift Aula, Martin Pfeiffer, und die Chefredakteurin der Zeitschrift Umwelt Hemma Tiffner an die Elbe gereist, aus dem Norden Deutschlands der rechtsextreme Verleger Dietmar Munier.

Besondere Aufmerksamkeit der Gastgeber dürfte jedoch den Funktionären der DVU zuteil geworden sein: Liane Hesselbarth (Fraktionsvorsitzende im brandenburgischen Landtag), der Rechtsanwalt Ingmar Knop und Bundesorganisationsleiter Matthias Faust gaben sich einen Tag vor ihrem eigenen Bundesparteitag in Calbe (Sachsen-Anhalt) die Ehre. Abends lauschten die Rechtsaußen-Promis in der Staatsoperette Dresden einem Werk von Johann Strauss ("Mit Hilfe einiger Intrigen und einer brillanten Rede gelingt es dem spanischen Dichter Cervantes, nicht nur die Ehe des portugiesischen Königs zu retten, sondern diesen auch aus den Händen falscher Berater zu befreien").

Als ob sie vom bevorstehenden Wechsel des DVU-Vorsitzes geahnt hätte, verbreitete die Sachsen-NPD erst am heutigen Montag eine Mitteilung über ihren Empfang vom Samstag, um nun gleich den externer Linkneuen DVU-Bundesvorsitzenden Faust zu beglückwünschen und ihre Hoffnung auf eine intensivierte Zusammenarbeit auszudrücken. Die Dresdner Runde war so auch ein vorweg genommenes Verbrüderungstreffen. Im Laufe des heutigen Tages überboten sich die Herzlichkeiten von Seiten der NPD, wobei die Berliner NPD-Zentrale auffallend still blieb. Doch der wahrscheinliche künftige NPD-Vorsitzende Molau nannte die Faust-Kür "eine sehr gute Wahl", wie das NPD-Blog berichtet, und ging davon aus, dass die Zusammenarbeit der beiden Parteien "mit Faust intensiviert werden kann".

Da wollte der Hamburger NPD-Chef Jürgen Rieger nicht nachstehen, dessen Wahl als stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender von Parteifreund Molau als "eine politische Katastrophe" bezeichnet worden war.  Rieger setzte beim Liebeswerben um die DVU und ihren neuen Vorsitzenden sogar noch einen drauf. Anders als seine Vorredner beließ er es verbal nicht bei Kooperation und Annäherung, sondern drängte gleich zur Hochzeit. Durch Gespräche mit Gerhard Frey und Udo Voigt habe Rieger "den Deutschlandpakt vorbereitet und schon damals einen Zusammenschluß beider Parteien gefordert", tönte es von der Alster. Frey habe damals gemeint, "dazu sei es noch zu früh, da erst einmal eine Annäherung zwischen beiden Parteien erfolgen müsse". "Diese Annäherung hat es mehrere Jahre durch den erfolgreichen Deutschlandpakt gegeben", setzte Rieger nach; es sei zu hoffen, dass "jetzt die so ähnlichen Parteien DVU und NPD zusammenfinden". Offenbar will Rieger beim Techtelmechtel mit der DVU in erster Reihe stehen.

Bei so viel Liebesofferten darf wohl nicht irritieren, dass das Verhältnis hier und da gestört ist. In Thüringen fühlen sich die bisherigen DVU-Funktionäre übergangen, die nun zugunsten der NPD auf eine eigenständige Landtags-Kandidatur verzichten müssen. In Dortmund hat gerade die NPD für die kommenden Kommunalwahlen eine Konkurrenz-Kandidatur zur DVU (bisher drei Stadtratssitze) angekündigt, in Abkehr von der bisher anvisierten Unterstützung einer DVU-Liste.

Doch solche örtlichen Verwerfungen dürften den neuen DVU-Chef Faust nicht stören. Als frischgebackener Vorsitzender einer Partei, die deutlich auf dem absteigenden Ast ist und fast ausschließlich vom Rechtsaußen-Krösus Gerhard Frey (angebliches Vermögen: 250 Millionen Euro) finanziert wurde, darf er sich in der nächsten Zeit einiger Aufmerksamkeiten seitens der NPD sicher sein.

Weiter ins Abseits geraten zwangsläufig die "Republikaner", denen sogar schon nachgesagt wurde, dass sie der DVU für die Europawahl ihre Adressenkartei zum Kauf angeboten hätten. Die REP-Pressestelle dementierte zwar umgehend den angeblichen Ausverkauf, doch beim Näherrücken von NPD und DVU wird für die ehemals stärkste Rechtsaußen-Partei kaum noch Raum bleiben.

Sogar die derzeit noch wachsende Rechts-Gruppierung "pro Köln/Pro NRW" will Andreas Molau mit ins "Deutschlandpakt"-Boot holen, wie er der neurechten Jungen Freiheit erzählte. Die dürften sich zwar mit Händen und Füßen dagegen sträuben, doch immerhin hatten die "Pro"-Funktionäre um Markus Beisicht und Markus Wiener schon im Herbst 2007 am "Rechtsaußen-Gipfel" in Straßburg teilgenommen.