| Neonazis / Immobilien | |||
| Nazitreffen im Drei-Sterne-Hotel? |
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| 30.07.2006 | |||
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Delmenhorst. Jürgen Rieger ist wieder auf Einkaufstour: Ein
ehemaliges Drei-Sterne-Hotel in der Delmenhorster Innenstadt steht auf
dem Einkaufszettel des Hamburger Neonazi. Das Gebäude soll 3,4
Millionen Euro kosten und als braunes "Schulungshotel" ausersehen sein.
Seit einem Jahr ist das "Hotel am Stadtpark" in der 80.000-Einwohner-Stadt vor den Toren von Bremen geschlossen. Zuletzt war das Haus nur noch schwach ausgelastet; der Eigentümer Günter Mergel hat bei einer Bremer Gläubigerbank hohe Schulden, berichtet der Weser-Kurier. Offenbar war seitdem kein potentieller Käufer aus der Hotelbranche zu finden, der den geforderten Kaufpreis von 3,4 Millionen Euro zahlen wollte. "Der erste ernsthafte Interessent" habe vor etwa einem Monat ein Kaufangebot vorgelegt, so der Besitzer. Das Angebot kam von der ominösen "Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisationsforschung", die bereits vor zwei Jahren mit Immobilienkäufen in Niedersachsen und Thüringen für Aufsehen gesorgt hatte - de facto ein Ein-Mann-Unternehmen von Jürgen Rieger. Damals hatte Rieger gut 600.000 Euro für den Heisenhof bei Verden und das Schützenhaus Pößneck gezahlt. Diese "Tietjen-Immobilien" waren geradezu Schnäppchen, denn daneben gehören dem Hamburger Rechtsanwalt auch noch deutlich teurere Immobilien: das landwirtschaftliche Anwesen "Sveneby Säteri" bei Mariestad in Südschweden (Kosten: etwa 1,6 Millionen Euro) und ein Gebäudekomplex in Hameln (Niedersachsen) mit Kino, Wohnungen und Ladengeschäften (etwa 2 Millionen Euro). Auch das Delmenhorster Hotel wäre im Vergleich zu den "Tietjen-Immobilien" ein dickerer Brocken, der nicht nur beim Erwerb mit einer hohen Kaufsumme zu Buche schlagen, sondern auch erhebliche laufende Betriebskosten mit sich bringen würde. Das Hotel in bester City-Lage bietet neben 100 Doppelbettzimmern auch Schwimmbad, Sauna, Kegelbahnen und Tagungsräume - für ein braunes "Schulungshotel", wie es Rieger nach Auskunft des Noch-Hotelbesitzers vorschweben soll, ein sehr gehobener Ausstattungsstandard. Doch selbst das soll dem Hamburger Neonazi-Anwalt noch nicht genug sein, denn er habe - so der Hotelier - auch noch ein Auge auf das benachbarte Tagungszentrum Delmeburg (für bis zu 1.200 Personen) und die Delmehalle (bis zu 1.500 Personen) geworfen, die der städtischen Saalbau GmbH gehören. Hotelbesitzer Mergel kennt diese beiden Immobilien nur zu gut, denn bis 1996 hatte er sie selbst gepachtet. Danach jedoch begann sein Leiden: "etwa 150 bis 200 türkische Hochzeiten" in den städtischen Räumen müssten er und seine Gäste jährlich ertragen, klagte er dem Fachblatt Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung. Lärm und Müll vor dem Hoteleingang hätten die Hotelgäste vertrieben. Eine gewonnene Lärmklage, die nach 22 Uhr mit 45 Dezibel nur noch Zimmerlautstärke zuließ, brachte dem heute 64-jährigen offenbar aber auch nicht die Gäste zurück. Ob Rieger tatsächlich über die fraglichen Geldmittel verfügt und Hunderte von Neonazis zu "Schulungen" in ein Drei-Sterne-Hotel oder gar in ein Tagungszentrum verfrachten wird, muss sich noch zeigen. Bei der Stadt herrscht jedenfalls höchste Alarmstufe: Oberbürgermeister Carsten Schwettmann (CDU) will "alles unternehmen, was uns rechtsstaatlich zu Gebote steht, um eine solche Entwicklung zu verhindern". Dem Hotelier Mergel, der sich als "armen Mann" bezeichnet, ist mittlerweile die Zukunft seiner Immobilie offenbar egal: "Ich verkaufe an jeden", vertraute er dem Weser-Kurier an - vielleicht auch an die Stadt, die fast gezwungen ist, ein braunes Zentrum um jeden Preis zu verhindern? |
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