start arrow report arrow Skandal-Bischof: Partygast bei David Irving
Holocaustleugner / Antisemitismus
Skandal-Bischof: Partygast bei David Irving PDF Drucken E-Mail
ak   
03.02.2009
Ein Bischof der sogenannten "Traditionalisten" hat mit seiner Leugnung des Holocaust einen der größten Skandale ausgelöst, den die katholische Kirche seit langem erlebt hat. Richard Williamson ist einer von vier Bischöfen, die aus der katholischen Kirche exkommuniziert worden waren und nun von Papst Benedikt XVI. wieder in die Kirche aufgenommen wurden. Wenige Tage davor waren die antisemitischen Sprüche des Klerikers einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Der Bischof ist mit der internationalen Szene der Holocaustleugner gut vertraut: kurze Zeit vor dem Skandal-Interview hatte er in England den Autor David Irving besucht, der in Deutschland Einreiseverbot hat.

Richard Williamson hatte bis zum Jahr 2003 dem St. Thomas von Aquin-Seminar der "Priesterbruderschaft St. Pius X." als Rektor vorgestanden. Das Seminar ist in Winona im US-Bundesstaat Minnesota angesiedelt.

Von dort hatte sich Williamson offenbar im Oktober 2008 nach Europa aufgemacht, um in England den Holocaust-Leugner David Irving zu besuchen. Am 19. Oktober gab Irving in seinem Haus in Windsor eine Gartenparty, und dort erschien "ein Bischof aus Minnesota", wie Irving zunächst geheimniskrämerisch ohne Namensnennung in seinem Online-Tagebuch preisgab.

Nachdem im Januar 2008 der Skandal um Williamson losgebrochen war, wollte sich Irving offenbar mit dem nun prominenten Gartenparty-Gast schmücken und verkündete, der Gast sei der Piusbruder Williamson gewesen.

irving-williamson_homepage.png
"Bischof" als Gast: Irving-Webseite mit prominentem Skandal-Kleriker

Dokumentiert wurde der Bischofs-Besuch von Irving mit einem Foto Williamsons während der Party.

williamson_partygast_irving-508.jpg
Holocaustleugner Williamson (links) auf Irving-Party

Allerdings verschwanden die Hinweise auf den Williamson-Besuch bereits nach kurzer Zeit wieder spurlos von Irvings Webseiten: ein Versuch, die enge Verbindung des Klerikers zu der Szene der Holocaust-Leugner zu verschleiern?

Im November 2008, also nur wenige Wochen nach seinem Besuch bei Irving, gab Williamson im niederbayerischen Zaitzkofen einem schwedischen Fernsehteam das Interview, das wesentlich zu dem internationalen Skandal beigetragen hatte. In diesem Interview vertrat er Ansichten, die teilweise direkt von Irving übernommen sein könnten.

Der Bischofs-Gastgeber Irving ist in einer Reihe von Ländern mit einem Einreiseverbot belegt worden, unter anderem darf er nicht in Österreich und Deutschland einreisen. Er hatte 1996 die amerikanische Religionswissenschaftlerin Deborah Lipstadt und deren Verlag Penguin Books wegen eines Buches von Lipstadt verklagt, in dem er als "einer der gefährlichsten Holocaustleugner" bezeichnet wurde. Den spektakulären Prozess in London hatte er im Jahr 2000 verloren; der Richter nannte ihn im Urteil einen Lügner, Rassisten und Antisemiten.

Nachdem er trotz Einreiseverbots illegal nach Österreich gekommen war, wurde Irving aufgrund eines bestehenden Haftbefehls festgenommen und schließlich zu drei Jahren Haft verurteilt. Im Dezember 2006 wurde er nach gut einem Jahr Haft bereits wieder freigelassen.

Gegen Williamson ermittelt nun seit mehreren Tagen die Staatsanwaltschaft Regensburg wegen Volksverhetzung. Damit würde ihm bei einer Einreise nach Deutschland möglicherweise die Verhaftung drohen.