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Nach Dresden-Marsch: Nazi-Gegner ins Krankenhaus geprügelt PDF Drucken E-Mail
redok   
15.02.2009
Dresden. Die sächsische Landeshauptstadt musste am Wochenende einen der größten Neonazi-Aufmärsche in der Geschichte der Bundesrepublik erleben. Nach den weitgehend ruhig verlaufenen Demonstrationen prügelten abreisende Neonazis bei einer Autobahn-Raststätte auf Gewerkschafter ein, die gegen den Nazi-Auflauf protestiert hatten. Ein hessischer Gewerkschafter liegt mit einem Schädelbruch im Krankenhaus.

Das jährliche Spektakel in Dresden entwickelt sich offenbar zum größten und wichtigsten Ereignis im Neonazi-Kalender. Nachdem die Demonstrationen zu Ehren des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß in Wunsiedel bereits seit mehreren Jahren durch Verbote ausfielen, wird das vorgebliche Gedenken an die Opfer der Bombenangriffe in Dresden nun zum zentralen Ereignis für Rechtsextremisten.

Nach Polizeiangaben marschierten bereits am Freitag abend 1.100 Neonazis vor allem aus partei-unabhängigen Gruppen durch Dresden. Am Samstag zogen bei der von der "Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland" (JLO) organisierten und faktisch in weiten Teilen von der NPD dominierten Demonstration etwa 6.000 Rechtsextremisten durch die Stadt. Radikale Neonazi-Gruppen wollten gar 8.500 Teilnehmer gesehen haben und sprachen von dem "größten nationalen Marsch seit Bestehen der BRD". Teilnehmer des rechten Auflaufs kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Spanien.

Bei mehreren Gegenveranstaltungen aus dem bürgerlichen und dem linken Spektrum nahmen nach verschiedenen Angaben etwa 12.500 Menschen teil. In Dresden selbst blieb es weitgehend ruhig. Bereits bei der Anreise wurden dagegen sieben Anti-Nazi-Protestierer aus Weimar auf einem Autobahn-Rastplatz in der Nähe von Chemnitz von 15 Nazis angegriffen. Laut der Polizei wurden wurden die Nazigegner mit Flaschen attackiert, zu Boden geschlagen und getreten, zudem wurde das Auto demoliert. Vier der Überfallenen erlitten Prellungen, Platz-, Schnitt- und Schürfwunden. Die Neonazis wurden bis zum Ende der Demonstration in Gewahrsam genommen.

Ähnliche Szenen spielten sich nach den Demonstrationen auf der thüringischen Raststätte Teufelstal bei Jena ab. Offenbar fuhr gegen 19.25 Uhr ein mit Neonazis besetzter Bus auf den Rastplatz, wo bereits die Passagiere mehrerer Busse eine Pause machten, die zuvor gegen die Nazi-Veranstaltung protestiert hatten. Die Neonazis beschimpften zunächst die Mitfahrer der vom DGB organisierten Busse und griffen sie dann an. Dabei hätten sie Flaschen und mehrere Kilogramm schwere Eisbrocken benutzt, berichtete ein Gewerkschafter aus Nordhessen. Ein Kollege habe sich bei dem Angriff der 15 bis 20 Rechtsextremen nicht mehr in den Bus retten können. Dieser sei dann so lange gegen Kopf und Oberkörper getreten worden, bis er sich nicht mehr rührte.

Zwei schwer Verletzte mussten im Krankenhaus behandelt werden. Einer von ihnen erlitt laut der Agentur AP einen Schädelbruch und wird am Montag operiert, einem weiteren Opfer wurde eine Kniescheibe zertrümmert. Die Schläger konnten zunächst die Raststätte mit ihrem Bus verlassen, die alarmierte Polizei stoppte sie jedoch wenig später und stellte die Personalien von 41 Neonazis fest. Gegen sie wird nun wegen Landfriedensbruch ermittelt; unter ihnen befanden sich einschlägig vorbestrafte Männer. Laut dem MDR sollen die mutmaßlichen Angreifer aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Schweden kommen; der Bus ist in Homburg (Saarland) zugelassen.

Am Sonntag abend reagierte die hessische NPD auf die Medienberichte über den Überfall. Der NPD-Landesvorsitzende Jörg Krebs sprach von einem "angeblichen Vorfall" und versuchte, den Opfern die Schuld zuzuschieben. Es wäre "nicht das erste Mal, wenn sich linke Gutmenschen nach ein paar Flaschen Bier zuviel, untereinander in die Wolle bekommen hätten".

Die rechtsextremen Demonstrationen in Dresden sollen vorgeblich an die Opfer der alliierten Bombenangriffe vom 13. und 14. Februar 1945 erinnern. Tatsächlich wird jedoch mit Begriffen wie "Bombenholocaust" ein externer Linkrechtsextremer Geschichtsmythos produziert, der den tatsächlichen Holocaust an den europäischen Juden minimieren und leugnen soll, während zugleich die Verluste der deutschen Zivilbevölkerung grotesk überhöht werden. Erst im Oktober 2008 hatte eine von der Stadt Dresden eingesetzte Historikerkommission nach Jahre langer Arbeit einen Zwischenbericht veröffentlicht, laut dem die Bombenangriffe zwischen 18.000 und 25.000 Opfer gefordert hatten. Ungeachtet dessen propagieren die Rechtsextremen weiterhin die überhöhten Zahlen von über 200.000 Toten, die zum einen noch aus der nationalsozialistischen Propaganda stammen und zum anderen in der Zeit des Kalten Krieges von der Sowjetuinion unter Stalin als Propaganda-Instrument gegen die westlichen Alliiierten verwendet wurden.