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Rechtsextremisten / Antisemitismus / Holocaustleugner
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inforiot   
07.03.2009
Prignitz. Beim "Fürstentum Germania" sind weitere Belege für den Antisemitismus der Betreiber aufgetaucht. Mittlerweile häufen sich die kritischen Stimmen.

Für welche Ideologien die tragenden Personen im so genannten "Fürstentum Germania" einstehen, tritt immer deutlicher zu Tage. Wie bereits berichtet, wurde in der Prignitzer Ortschaft Krampfer am 15. Februar ein "Kirchenstaat" gegründet, der den Namen "Fürstentum Germania" trägt. Real handelt es sich um ein verfallenes Schloss, dass zum Jahresanfang eigens für die "Staatsgründung" erworben wurde, und von einer Hand voll Personen bewohnt wird. Getragen wird der braune Spuk im Schloss allerdings von einem bundesweit aktiven Unterstützungskreis.

Rund 100 Personen beim "Planungstreffen" des "Fürstentum"

Zu einem "Planungstreffen" im "Fürstentum" am vergangenen Wochenende reisten insgesamt rund 100 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet an. Dort wurde nicht nur an der "Verfassung" des "Staates" gefeilt. externer LinkLaut einem MAZ-Bericht referierte unter anderem ein Vertreter der externer Link"Germanischen Neuen Medizin"; es wurde gegen Impfungen gewettert und AnhängerInnen von externer Link"Kommissarischen Reichsregierungen" stellten ihre Ambitionen vor. Auf die Nachfrage, ob denn der Holocaust stattfand, fiel einem der Fürstentümler nur ein: "Das ist ein Tabuthema in Deutschland. Wenn man hier sagt was man denkt, riskiert man, ins Gefängnis zu kommen." Mit solchen Wendungen leugnet man den Holocaust, ohne strafrechtlich in die Bredouille zu kommen.

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Vom Fürstentümler Christoph Kastius angebotenes Hetzblatt: Der Strichcode ergibt "Heil Hitler"

Fazit der MAZ-Reporterin: Schien das "Fürstentum" zunächst nur als ein etwas versponnenes Esoterik-Projekt, sei nun deutlich geworden, dass es externer Link"doch nicht harmlos" sei. Das RBB-Fernsehen ordnete das "Fürstentum" gar als externer Link"Sekte" ein, die ein eigenes "Reich" errichten wolle.

"Reichsbürger" und Holocaust-Leugnung

Inzwischen gibt es einige Ergänzungen zu den – unter anderem vom externer LinkPortal Esowatch sowie von Inforiot – bereits publizierten Verbindungen des "Fürstentum" in die rechtsextreme Szene.

Der Berliner "Fürstentum"-Aktivist und "Reichsbürger" externer LinkChristoph Kastius bewirbt beispielsweise auf seiner privaten Homepage eine Flugschrift namens "Schmaz" und stellt diese auch zum Download zur Verfügung. Das zweiseitige Blatt strotzt vor antisemitischer Hetze. Pikantes Detail am Rande: Der Strichcode neben dem "Schmaz"-Logo ist aus dem  PDF-Download in andere Textprogramme auslesbar. Als regulärer Text angezeigt, offenbart sich so, dass dieser Strichcode für "Heil Hitler" steht. Die Flugschrift selbst ist ein Produkt des Zossener Holocaust-Leugners Rainer Link.

Christoph Kastius selbst steht offenbar schon länger mit dem  Rechtsaußen-Esoteriker externer LinkJo Conrad in Verbindung (einer der beiden Hauptfiguren im "Fürstentum"). Ein nun publik gewordenes Foto zeigt Kastius und Conrad auf einer "Reichsbürger"-Kundgebung im  Juni 2007 in Berlin. In einem Aufruf zu dieser Kundgebung hatte es in klassischer antisemitischer Diktion geheißen: "Die 'Niedermachung' und Ausplünderung Deutschlands hat System. Sie verläuft unverkennbar nach einem Menschen verachtenden Plan, der unter der Überschrift 'Protokolle der Weisen von Zion' bekannt ist."

Wie Inforiot bereits dargelegt hat, ist Jessie Marsson (neben Jo Conrad der zweite Hauptakteur im "Fürstentum") ebenfalls in die Holocaustleugner-Szenerie verstrickt.

Kritische Infoveranstaltung am kommenden Dienstag

Am kommenden Dienstag soll in Krampfer ein externer LinkInfoabend über das "Fürstentum Germania" stattfinden. Kritische AnwohnerInnen haben die Veranstaltung organisiert und dazu unter anderem das "Mobile Beratungsteam" (MBT) und die Polizei eingeladen. Die "Fürstentum"-AnhängerInnen wollen, wie aus  einem ihrer Internetforen zu erfahren ist, dort auftauchen, um die Veranstaltung möglichst zu einem Werbeevent für sich selbst umzufunktionieren.

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Kastius (1.v.l.) und Conrad (mit Mikro) bei einer Kundgebung der "Reichsbürger" 2007 in Berlin

Gabriele Schlamann vom Neuruppiner Büro des "Mobilen Beratungsteam" betonte gegenüber Inforiot, dass man "das Fürstentum nicht auf einen Aspekt beschränken kann." Gleichwohl handele sich um eine "Gemengelage von Alternativen, braunen Esoterikern und Holocaustleugnern bis hin zu Leuten, die Verbindungen zu ‚kommissarischen Reichsregierungen‘ haben." Unter anderem bei der Veranstaltung am kommenden Dienstag in Krampfer wolle sich das MBT "darauf konzentrieren, den Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen, sich ein angemessenes Bild der Lage zu machen und die Wirkung des ‚Fürstentum‘ auf das Gemeinwesen zu diskutieren".

Kirchlicher Sektenbeauftragter inzwischen "Fürstentum"-Kritiker

Thomas Gandow, der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche in der Region, hat seine ursprüngliche  Einschätzung des "Fürstentums"  inzwischen revidiert. In einer ersten Stellungnahme hatte er davon gesprochen, dass er eher links angehauchte Anarchisten am Werke sehe. Auf Nachfrage von Inforiot äußerte sich Gandow nun folgendermaßen: "Es war ein Fehler von mir, dem ‚Fürstentum‘ einen Persilschein auszustellen. Ich bedaure das. Beim ‚Fürstentum‘ handelt sich um einen gefährlichen Verein, der genau wegen seiner ‚alternativen‘ und karnevalsartigen Tarnung zu leicht genommen wird. Genau dies ist mir auch erst passiert. In der Prignitz besteht die Gefahr, dass dort für Rechtsextreme und braune Esoterik eine ‚befreite Zone‘ entstehen könnte." Die Rede von einem "Kirchenstaat" sei, so Gandow weiter, nicht angemessen – das "Fürstentum" verfolge keine religiösen Ziele.

Berechtigtes Unwohlsein in der Region

Eine Mischung aus Antisemitismus, Verschwörungstheorien und anderen rechtsextremen Positionen dominiert im "Fürstentum". Das Unwohlsein vieler Menschen in der Region gegenüber ihren neuen NachbarInnen ist also mehr als berechtigt. Die in einem esoterischen Jargon verkündete "Offenheit" mancher Fürstentum-AnhängerInnen scheint vor diesem Hintergrund nicht viel mehr als Beiwerk zu diesen Inhalten zu sein.

Dieser Artikel erschien zunächst bei externer Linkinforiot. Die Veröffentlichung bei redok erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.