start arrow report arrow Nordhessische NPD schenkt aus
NPD / Braune Waren
Nordhessische NPD schenkt aus PDF Drucken E-Mail
redok   
10.03.2009
Bad Wildungen. Angesichts der akuten Finanzkrise der NPD geht ein Kreisverband der Partei neue Wege zur Finanzierung seiner Aktivitäten. In Nordhessen wollen die rechtsextremen Parteigänger neben allerlei Werbeartikeln auch eine "Weltneuheit" an den rechten Mann bringen: ein "Parteibier" soll die leeren Kassen füllen.

Gerade hatte NPD-Chef Udo Voigt eingestehen müssen, dass die Partei "finanzmäßig pleite" ist. Damit droht auch der Materialfluss für rechtes Propagandamaterial ins Stocken zu kommen. Doch offenbar hat Voigts Parteivolk in Nordhessen schon Wege aus der Krise gefunden. Mit Hilfe eines "Werbemittelladens" wollen sie die Anhängerschaft beispielsweise mit Feuerzeugen, Kugelschreibern, Tassen oder Zollstöcken versorgen.

giesler_david-140.jpg
Bierverkäufer Giesler

Derlei auf neudeutsch als "Merchandising-Material" bekannte Kleinartikel, die üblicherweise mit entsprechenden Werbeaufdrucken versehen sind, genügen dem jungen Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Waldeck/Schwalm-Eder, David Giesler (Jahrgang 1984), offenbar jedoch noch nicht, um die NPD in aller Munde zu bringen. Als "Weltneuheit" preist er "das erste deutsche Parteibier" an, das in den nächsten Wochen zum Verkauf angeboten werden soll.

Nach eigenen Angaben war Giesler von 2001 bis 2003 Mitglied der "Partei Rechtsstaatliche Offensive" (Schill-Partei) und gehört seit 2004 der NPD an, deren Kreisvorsitz er 2007 übernahm. Seit April 2008 gehört er auch dem NPD-Landesvorstand an und trat für die Partei bei der letzten Landtagswahl auf Platz acht der Landesliste an. In rechtsextremen Internetforen war er als "Nordhesse 88" unterwegs, wobei die "88" in einschlägigen Kreisen für HH = "Heil Hitler" steht.

Als Gieslers Stärke beschreibt der Kreisverband "das Organisieren von Veranstaltungen". Zu solchen Veranstaltungen zählte etwa ein als "Geburtstagsparty" deklariertes Rechtsrockkonzert in Heßlar, wo kontrollierende Polizisten im November 2005 mit Bierflaschen und abgebrochenen Stuhlbeinen attackiert wurden. Die Beamten wurden der Lage erst nach Einsatz von Pfefferspray Herr.

Im März 2005 hatte Giesler eine rechtsextreme Demonstration der "Freien Kräfte Schwalm-Eder" in Fritzlar angemeldet, die sich "gegen Gewalt gegenüber politisch Andersdenkenden" richten sollte. Aus dem Kreis dieser "Freien Kräfte" stammten die fünf Neonazis, die im Juli 2008 ein linkes Jugendcamp überfallen und ein 13-jähriges Mädchen mit einem Klappspaten schwer verletzt hatten. Der Haupttäter Kevin S. war zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden.

Sein Verteidiger Dirk Waldschmidt, ehemals stellvertretender NPD-Landesvorsitzender, hatte Revision gegen das Urteil beim Bundesgerichtshof (BGH) eingelegt, damit ist das Urteil nicht rechtskräftig. Bislang saß Kevin S. daher nicht in Strafhaft, sondern in Untersuchungshaft. Weil ein Termin für eine neue Verhandlung voraussichtlich erst im kommenden Jahr 2010 stattfinden kann, sah es das Landgericht Kassel als "unverhältnismäßig" an, wenn Kevin S. weiterhin in U-Haft säße. Der Neonazi wurde vor wenigen Tagen aus der Haft entlassen.

Im Prozess hatte Kevin S. ausgesagt, die Tat sei im Alkoholrausch geschehen und nicht geplant gewesen. In wenigen Wochen kann er dann bei Giesler seinen Treibstoff für Gewalttaten sogar mit Partei-Emblem nachtanken.

Berichtigung vom 12.03.2009 

Durch die Zuschrift eines Lesers sind wir auf einen Fehler in der ursprünglichen Fassung dieses Artikels aufmerksam gemacht worden, den wir nun berichtigt haben. Leider hatten wir zwei falsche Datumsangaben verwendet (Rechtsrock-Konzerts in Heßlar - falsch: November 2008, richtig: November 2005, Demonstration in Fritzlar - falsch: Juli 2008, richtig: März 2005).