| Rechter Rand | |||
| Ein ungewöhnlicher Brückenschlag |
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| Stefan Kubon | |
| 21.03.2009 | |
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Üblicherweise orientiert sich die rechte Zeitung Junge Freiheit gerne an Deutsch-Soldatischem wie etwa der Wehrmacht. Doch auch Autoritäres aus ganz anderen Weltgegenden findet Beifall beim neurechten Blatt: Ein Autor erfreut sich am chinesischen Schulsystem.
In der Regel fällt die Junge Freiheit (JF) dadurch unangenehm auf, dass sie beharrlich weltanschauliche Brücken zum Rechtsextremismus baut. Bei diesem Treiben werden bevorzugt die in Deutschland lebenden Ausländer als angebliche Ursache für alle möglichen gesellschaftlichen Probleme an den Pranger gestellt. Außerdem sucht das Blatt gelegentlich bei seiner Beschäftigung mit der 12-jährigen Herrschaft des Nationalsozialismus die ideologische Nähe zum rechten Autoritarismus, indem etwa die Erziehung der deutschen Jugend durch die Wehrmacht gelobt wird. Heiner Hofsommer, Gelegenheitsautor bei der JF, hat nun jedoch überzeugend zum Ausdruck gebracht, dass sich das Blatt im Ausnahmefall durchaus auch für den linken Autoritarismus und seine Erziehungsmethoden begeistern kann. Tatsächlich bekundet Hofsommer in der JF vom 2. Januar dieses Jahres recht offen seine Sympathie für das chinesische Schulsystem der Gegenwart. Dabei ist der Autor bemüht, den Eindruck zu vermitteln, dass das besagte Schulsystem kaum noch vom Geist des Kommunismus erfüllt sei, sondern mittlerweile vor allem wieder aus dem Fundus der Ideen des chinesischen Philosophen Konfuzius schöpfe. Konfuzius hat indes schon lange keine Möglichkeit mehr, sich gegen solche Vereinnahmungsversuche zur Wehr zu setzen, da er bereits vor ungefähr 2500 Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Zu Beginn seines Artikels, der konsequenterweise mit der Zeile "Konfuzius ist in, Mao ist out" betitelt ist, spekuliert Hofsommer noch darüber, wie gut China wohl in der Pisa-Studie abschneiden würde, wenn das Land eines Tages tatsächlich von dieser berücksichtigt werden sollte. Bald darauf hebt der Autor zu seiner verblüffend unkritischen Lobeshymne an: "Wenn man sich mit dem chinesischen Schulsystem im Lande vertraut macht, dann fallen sofort zwei Dinge auf: Chinesische Schulen sind Stätten der funktionalen Disziplin - Ruhe ist die erste Schülerpflicht. Dieser Unterrichtsstil kommt Lehrern wie Schülern entgegen. Die Wißbegierigkeit der chinesischen Schüler beeindruckt. Zügellosigkeit, Schlampigkeit, Unordnung und Gleichgültigkeit werden aus Überzeugung abgelehnt." Auch im weiteren Verlauf seines Textes ist es Hofsommer offensichtlich ziemlich gleichgültig, dass die vermeintlichen Vorzüge des chinesischen Schulsystems nicht zuletzt Ausdruck eines diktatorischen Herrschaftssystems sind. Dafür fühlt sich Hofsommer dazu berufen, die Mängel an den Schulen der westlichen Welt ins Spiel zu bringen: "Die skandalösen Zustände an so manchen öffentlichen Schulen in der westlichen Hemisphäre sind den Chinesen ein abschreckendes Beispiel." Schließlich klärt der Autor den Leser noch darüber auf, warum in Chinas Schulsystem notwendigerweise Zucht und Ordnung herrschen müsse. Dabei versucht Hofsommer dem Leser auch den Gedanken nahezubringen, dass das chinesische Schulsystem keine Unterschiede zum Schulsystem anderer Staaten Asiens aufweise. Dass die angeblich so ähnlichen Bildungssysteme zumindest unterschiedliche demokratietheoretische Rahmenbedingungen aufweisen, erwähnt der Autor mit keinem Wort: "Harter schulischer Auslesewettbewerb ist in China - wie auch in Japan, Singapur oder Korea - die Regel. Das ist auch notwendig, um die moderne arbeitsteilige Gesellschaft mit den erforderlichen Fachleuten zu versorgen. Die chinesischen Lehr- und Lernmethoden sind hart, aber Schlendrian gibt es nicht." Nach der Lektüre von Hofsommers Artikel drängt sich freilich die Frage auf, warum die JF ihren doch zumeist antikommunistisch geprägten Lesern diese Huldigung des chinesischen Schulsystems zumutet. Droht in der rechten Lebenswelt womöglich ein Mangel an autoritären Vorbildern? Nun gut, die greifbare Erinnerung an die Wehrmacht verschwindet zwar zunehmend in den Tiefen der Geschichte, aber trotzdem dürfte sie in unseren Gefilden noch lebendiger als die an Konfuzius oder Mao sein. Letztlich kann man sich wohl nur voller erkenntnistheoretischer Bescheidenheit darüber wundern, welche Brückenschläge die Zeitung im Ausnahmefall zulässt, um ihre romantische Sehnsucht nach autoritären Wunderwelten zu befriedigen. Und die interessanteste Frage wird die JF bestimmt auch weiterhin selbst beantworten: Welche historischen Figuren werden demnächst für die eigenen autoritären Träumereien herhalten müssen? Man darf gespannt sein, wann das Blatt auf Ötzi zu sprechen kommt. |