| Rechtsextremisten | |||
| Kongress mit Millionär und Medaille |
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| redok | |
| 26.03.2009 | |
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Einen Monat vor der Europawahl will die rechtsextreme "Gesellschaft für freie Publizistik" (GfP) an noch unbekanntem Ort ihren jährlichen Kongress unter dem Motto "EU – Europas Unglück" abhalten. Der GfP-Vorsitzende Andreas Molau lässt dabei seinen Freund, den schwedischen Millionär Patrik Brinkmann, als Redner auftreten.
Die jährlichen Kongresse der GfP bieten sowohl Vertretern der rechtsextremen Parteien NPD und DVU wie auch vorrangig als Autoren oder Verlegern tätigen Rechtsextremisten ein Forum. Die Veranstaltungsorte gibt die GfP nicht bekannt. Im letzten Jahr konnte die Organisation den Tagungsort im thüringischen Suhl bis zuletzt geheim halten, selbst die Hotelbetreiber merkten erst wenige Tage vor der Veranstaltung, wer sich da eingemietet hatte. Dem Verfassungsschutz gilt die GfP als "größte rechtsextremistische Kulturvereinigung", der wie kaum einer anderen einschlägigen Organisation Mitglieder und Anhänger verschiedener Parteien angehören. In den letzten Jahren war die GfP zunehmend in die Nähe der NPD gerückt, nicht zuletzt durch die Wahl von Andreas Molau zum Vorsitzenden im Jahr 2005. Doch Molaus jüngste Bewegungen hin zur "Deutschen Volksunion" (DVU) lassen offenbar auch die GfP nicht unberührt. Beim diesjährigen Kongress vom 8. bis 10 Mai hält der Rechtsanwalt Ingmar Knop (Dessau) den "Festvortrag", der in der DVU als stellvertretender Bundesvorsitzender amtiert. Als weitere Redner sind angekündigt: der Geschichtsrevisionist Walter Post (München), Mario Kandil (Linnich, Mitarbeiter der revisionistischen Zeitschrift "Deutsche Geschichte"), Dimitrij Grieb (Mitarbeiter des FPÖ-EU-Abgeordneten Andreas Mölzer), Karl Richter (NPD, Münchner Stadtrat für die "Bürgerinitiative Ausländerstopp") und Harald Neubauer (ehemaliger "Republikaner"-Europaparlamentarier, Mitherausgeber von "Nation & Europa"). Erstmals bei der GfP soll ein besonderer Freund Molaus auftreten: der schwedische Millionär Patrik Brinkmann wird einen Vortrag zum Thema "Die Chance der Finanzkrise für Europa" halten. Brinkmann hatte 2004 die "Kontinent Europa Stiftung" gegründet und war durch den Kauf einer Villa in Berlin-Zehlendorf für über 3 Millionen Euro in die Schlagzeilen geraten. Er gilt als Mäzen Molaus; laut Angaben von Molau-Gegnern in der NPD soll er der finanzschwachen Partei 20 Millionen Euro angeboten haben, wenn Molau zum Parteivorsitzenden gewählt würde.
Früher noch war der Millionär Brinkmann in der NPD konspirativ Rechte Medaille nur "literarische Auszeichnung"?Höhepunkt des GfP-Kongresses wird die alljährliche Verleihung der so genannten "Ulrich von Hutten-Medaille" an einen noch ungenannten Preisträger sein. Im letzten Jahr wurde mit dieser Medaille der Münchner Verleger Herbert Fleissner ausgezeichnet, der dadurch in die öffentliche Kritik geriet. Die Süddeutsche Zeitung schrieb über Fleissner, er habe sich "zum wiederholten Mal in die Szene der Rechtsextremisten und Neonazis begeben". Fleissner bewege sich "jedoch schon länger am rechten äußeren Rand des politischen Spektrums" und habe sich "bereits des öfteren von Rechtsextremisten einspannen lassen". Tatsächlich hatte Fleissner bis zur Annahme der GfP-Auszeichnung zu Gruppierungen der extremen Rechten wie der GfP bislang Distanz gehalten. Auch die Annahme der GfP-Medaille wollte er nicht als politisches Bekenntnis verstanden wissen. Die "Ulrich von Hutten-Medaille" sei "eine literarische Auszeichnung" und "parteipolitische Zusammenhänge sehe ich keine", sagte er der Süddeutschen. Die Beschreibung der GfP durch den Verfassungsschutz als rechtsextreme Organisation nannte er "eine Behauptung, die ich nicht kenne". Offenbar ist dem Münchner Verleger in den vergangenen 50 Jahren einiges entgangen. Denn schon 1960 war die GfP unter anderem vom ehemaligen stellvertretenden Reichspressechef der NSDAP, Helmut Sündermann, gegründet worden. Die erst durch die Preis-Annahme im Jahre 2008 bekannt gewordene Nähe Fleissners zur "größten rechtsextremistischen Kulturvereinigung" (so der Verfassungsschutz) muss jedoch schon weitaus länger bestanden haben, wenn man den Aussagen eines NPD-Funktionärs glauben will. Im Nachklang zur GfP-Tagung schrieb Holger Szymanski, stellvertretender Chefredakteur des NPD-Blattes Deutsche Stimme, in der Juni-Ausgabe 2008 über den Geehrten, "der einst zu den Mitbegründern der GfP gehörte". Ob diese langjährige Nähe Fleissners zur GfP nun erneut Fragen zur Parteimitgliedschaft des Verlegers aufwirft, bleibt abzuwarten. Noch im letzten Jahr war Fleissner laut der Süddeutschen Mitglied der Münchner CSU. |