| Neonazis / Immobilien | |||
| Rieger will "ganz normales Hotel" führen |
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| uw | |
| 03.08.2006 | |
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Delmenhorst. Jürgen Rieger hat bestätigt, das "Hotel am Stadtpark" in der Delmenhorster Innenstadt kaufen zu wollen. Dort sollen rechtsextreme Versammlungen stattfinden, grundsätzlich will Rieger jedoch einen normalen Hotelbetrieb laufen lassen.
Die Hotel-Pläne des Hamburger Neonazis wurden durch den Noch-Eigentümer bekannt, der das Hotel vor einem Jahr geschlossen hatte und nach eigenen Angaben aus Geldmangel bereit ist, "an jeden" zu verkaufen. Jetzt wurde der beabsichtigte Kauf auch von Jürgen Rieger bestätigt, der mit dem Drei-Sterne-Hotel direkt gegenüber dem Delmenhorster Rathaus große Pläne hat.
NPD-Parteitage, Veranstaltungen der DVU und Treffen neonazistischer Kameradschaften könnten in dem Hotelbau stattfinden, kündigte Rieger medienwirksam an. Gleichzeitig betonte er jedoch, das Gebäude solle keineswegs ein reines Nazizentrum werden: "Ich lasse das als ganz Mit dieser Ankündigung willl Rieger offenbar möglichen Problemen vorbeugen, die ihm mit bau- und nutzungsrechtlichen Mitteln in den Weg gelegt werden könnten. Das Gebäude ist bauordnungsrechtlich als Hotelbetrieb ausgewiesen und muss als solches betrieben werden, heißt es aus der Stadtverwaltung. Aus bisherigen Versuchen, größere Immobilien zu rechten Zwecken anzukaufen, scheint Rieger gelernt zu haben: mehrfach hatten Kommunen bei Bekanntwerden solcher Verkäufe erfolgreich ein Vorkaufsrecht geltend gemacht, in Verden hatte die Kommune weitgehend erfolgreich die Nutzung des Heisenhof verhindern können. Eben diese Schwierigkeiten nennt Rieger als Hintergrund für den beabsichtigten Kauf des Hotels in Delmenhorst. Hier könne die Stadt kein Vorkaufsrecht geltend machen, und eine Zweckumwidmung liege auch nicht vor, so der Hamburger Neonazi: "Die Stadt kann da gar nichts verhindern". Für einen Betrieb als "Hotel und Tagungszentrum" fehlen ihm allerdings noch die Räume. Das Hotel selbst hat keine Veranstaltungsräume, dafür aber die Delmeburg und die Delmehalle gleich nebenan. Doch die sind im Besitz der Stadt, und die denkt nicht daran, ihre Räume braunen Veranstaltungen zu öffnen. Auch dadurch sieht Rieger kein größeres Problem für seine Pläne; zur Not könne man auch innerhalb des Hotels "Tagungsmöglichkeiten schaffen". Auch andere ins Spiel gebrachte Probleme wischt Rieger zu Seite. Sicherheitsprobleme durch Aktionen von Nazigegnern? "Wir haben unseren eigenen Ordnungsdienst. Der wird damit schon fertig werden", so der Hamburger Anwalt. Bei allem zur Schau gestellten Selbstbewusstsein des erprobten rechten Immobilienkäufers bleiben dennoch offene Fragen. Warum sollte Rieger ohne Zögern eine Summe von 3,4 Millionen für ein stillgelegtes Hotel zahlen, das - nach Einschätzung der Stadtverwaltung - allenfalls noch einen Zeitwert von 1,5 Millionen hat? Welche Kundschaft außer den eigenen Truppen sollte in einem "ganz normalen Hotel" übernachten wollen, das von Neonazi-Schlägern und Rassisten mit Arierzüchtungs-Fantasien bevölkert wird? Wie soll unter diesen Bedingungen ein Hotel wirtschaftlich geführt werden können, wenn schon ohne Rechtsextreme der Hotelbetrieb ökonomisch nicht mehr tragfähig war, und das bei Preisen bis zu 100 Euro pro Übernachtung im Doppelzimmer? Nicht auszuschließen, dass Rieger hier bei einem abgekarteten Spiel als Buhmann auftritt, damit überhaupt ein Käufer für einen Ladenhüter gefunden wird. Darauf ankommen lassen wird es die Stadt wohl kaum, die zum unfreiwilligen Partner in einem Pokerspiel von Jürgen Rieger geworden ist. Den Kaufvertrag will der Neonazi in zwei Wochen unterschreiben. Größere Investitionen hat er im übrigen nicht vor: "Unsere Klientel kann mit der Einrichtung der 80er Jahre gut leben." Auch seine weiteren niedersächsischen Immobilien will Rieger in absehbarer Zeit stärker nutzen. In Hameln an der Weser, wo er einen Innenstadt-Komplex mit Kino besitzt, sollen demnächst Skinhead-Konzerte stattfinden, und im Heisenhof soll endlich die "Fruchtbarkeitsforschung" vorangebracht werden: dort soll eine "Samenbank" zwecks arisch-germanischer Rassezucht installiert werden. |