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Berlin. Die Flügel in der NPD driften weiter auseinander: Während der Parteivorstand bei seiner 1.Mai-Veranstaltung in Berlin altbackene Geschichtsrevisionisten und Hitler-Verehrer auftreten lässt, begibt sich der in Ungnade gefallene Andreas Molau ins Fahrwasser der österreichischen FPÖ und schwärmt von "Einheit in Vielfalt".
Am Maifeiertag will die NPD eine Kundgebung bei ihrer Parteizentrale in Berlin-Köpenick veranstalten, die getreu dem Vorbild des NSDAP-Staates dem "Tag der nationalen Arbeit" gewidmet sein soll. Dem Parteivolk werden die NPD-Funktionäre Udo Voigt, Eckart Bräuniger und Udo Pastörs als Redner offeriert, daneben soll der DVU-Chef Matthias Faust den noch bestehenden Zusammenhalt des so genannten "Deutschlandpaktes" der beiden rechtsextremen Parteien repräsentieren.
Darüber hinaus hat der NPD-Parteivorstand freilich nur "Geschichten aus der Gruft" anzubieten, denn mit den weiteren Rednern Udo Walendy und Herbert Schweiger stehen alte Herren auf dem Programm, die vor allem durch SS-Mitgliedschaft und Geschichtsrevisionismus bekannt sind.
Volksverhetzer und Bombenbauer
Udo Walendy (Jahrgang 1927) ist Gründungsmitglied der NPD, war von 1965 bis 1972 Mitglied im NPD-Parteivorstand und zwischen 1971 und 1973 NPD-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen. Wegen Volksverhetzung ist Walendy mehrfach vorbestraft, dazu zählen zwei Verurteilungen zu Haftstrafen ohne Bewährung. Obwohl bei jüngeren Neonazis kaum noch ein Begriff, hält er immer noch Vorträge unter dem Motto "Wahrheit für Deutschland" bei NPD-Verbänden und weist dort "auf die Machenschaften 'bestimmter Kreise' hin, die Deutschland in eine bewußte Täterrolle drängten". Im Mai letzten Jahres war im Zusammenhang des Verbots des rechtsextremen "Collegium Humanum" auch sein "Volkstums- und Zeitgeschichtsforschungsverlag" in Vlotho (NRW) von der Polizei durchsucht worden. Walendy war der letzte Vorsitzende des gleichzeitig verbotenen "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten" (VRBHV) gewesen.
Der Mai-Redner Herbert Schweiger (Jahrgang 1924) aus Österreich wird von der NPD als "ehemaliger Angehöriger der LAH" (SS-Panzer-Division Leibstandarte-SS Adolf Hitler) angekündigt. Schweiger war führender Funktionär der österreichischen "Nationaldemokratischen Partei" (NDP), die aufgrund nationalsozialistischen Gedankenguts 1988 verboten wurde. Unter anderem wegen seiner Leugnung des Holocaust saß er in Österreich vier Mal in Haft. Schweiger gilt auch als Mentor des gebürtigen Österreichers Andreas Thierry, der beim jüngsten NPD-Parteitag neu in den Parteivorstand gewählt wurde.
Im März wurde Schweiger von der die englischen Daily Mail interviewt. Das Blatt zitiert den 85-Jährigen: "Unsere Zeit kommt wieder und bald werden wir einen anderen Führer wie Hitler haben". Zur aktuellen Wirtschaftkrise wusste Schweiger: "Der Jude von der Wall Street ist verantwortlich für die derzeitige Weltwirtschaftskrise. Es ist heute dasselbe wie 1929, als 90 Prozent des Geldes in der Hand des Juden war. Hitler hatte damals die richtigen Lösungen." Über seine Vorträge sagte der unbelehrbare Nationalsozialist: "Meine Aufgabe ist, die Grundlagen des Nazismus zu lehren. Ich reise regelmäßig durch Österreich und Deutschland, um zu jungen Mitgliedern unserer verschiedenen Gruppen zu sprechen." Über sich selber sagte er stolz: "Natürlich bin ich ein Rassist, aber ein wissenschaftlicher Rassist".
Doch nicht nur mit Vorträgen half Schweiger der jüngeren Generation. Anfang der 1960er Jahre unterstützte er aktiv den Bombenterror in Südtirol, mit dem Rechtsextremisten den Anschluss an Österreich erzwingen wollten. Freimütig erzählte er dem englischen Blatt: "In der SS war ich ein Sprengstoff-Fachmann, also brachte ich den Burschenschaften bei, wie man Bomben baut. Wir benutzten das Hotel, das meiner Frau und mir gehörte, als Übungslager."
Weichgespülter Rechtsextremismus
Von solchem Hardcore-Hitlerismus will Andreas Molau gerne abrücken. Der kurzzeitige Herausforderer des NPD-Chefs Udo Voigt konzentrierte sich jüngst zwar auf seine Rolle als Mitglied und Pressesprecher der DVU, doch seine NPD-Mitgliedschaft will er so schnell nicht aufgeben. Aktuell beklagt er, dass die NPD ein Partei-Schiedsgerichtsverfahren wegen seiner Doppelmitgliedschaft gegen ihn einleiten will. Der niedersächsische NPD-Landesverband habe von ihm gefordert, dass er den Vorsitz des Partei-Unterbezirks Braunschweig niederlegt, zu dem er gerade erst Anfang März "ohne Gegenstimme" gewählt wurde.
Zu einer aktuell diskutierten vereinigten Rechtspartei meint Molau, man brauche keine "Einheit um jeden Preis" oder eine "Einheit, die aufgrund von Tabus besteht". Der "alte Nationalismus" neige zum Gleichschalten, der "neue Nationalismus" wolle dagegen eine "Einheit in Vielfalt". Weder "Gleichsprech" noch "Bevormundung" brauche man, und dann schwärmte Molau von "einem neuen Typus von Partei". Mit der Phrase "Identität, Tradition, Souveränität" macht Molau klar, wohin er sich orientieren will: Unter dieser Bezeichnung war die Rechtsaußen-Fraktion im Europa-Parlament aufgetreten, die maßgeblich vom Österreicher Andreas Mölzer (FPÖ) eingefädelt worden war.
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| Rechtsextreme in Frack und Fliege: Andreas Mölzer (EP-Abgeordneter FPÖ), Andreas Molau (NPD), Matthias Faust (DVU-Vorsitzender), Patrik Brinkmann (Millionär), Ingmar Knop (DVU) beim Burschenschaftsball Ende Januar in Wien
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Wie Mölzer schwebt auch Molau ein weichgespülter Rechtsextremismus vor, der sich gediegen präsentiert und vom "rechten Narrensaum" der Rabauken und Randalierer distanziert. Welche Geisteshaltung hinter dem parlaments-kompatiblen Extremismus steht, machte Mölzer jedoch in einem neuen Buch deutlich, das ein Horrorgemälde von einem zerstörten Europa im Jahre 2084 entwirft. Doch schon jetzt ist es schrecklich und nicht zum Aushalten, und dem Europa-Parlamentarier graust es vor Globalisierung und Demokratie. Stattdessen geht der Blick zurück ins vergangene Jahrhundert, als vieles noch angenehmer war: "Als einigermaßen angepasster Mensch konnte man wahrscheinlich sogar in den Horror-Diktaturen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, also im Faschismus und im Stalinismus, von viel weniger Reglementierungen eingeschränkt (...) leben als heute."
Da kann sicher auch ein Andreas Molau zustimmen.
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