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Neonazis
"Hessmob" will Hitlers Stellvertreter flashen lassen PDF Drucken E-Mail
redok   
10.08.2009
Berlin. Statt der verbotenen Nazi-Demo in Wunsiedel zu Ehren von Rudolf Heß haben sich Fans des Hitler-Stellvertreters modernere Aktionsformen ausgedacht. Mit "Flashmobs" wollen sie in bislang einem Dutzend Orten auflaufen und "ein spannendes Stillebeben für die Presse" schaffen.

Ersatzversammlungen für die schon im fünften Jahr verbotene Wunsiedel-Demo wurden von Neonazis in den letzten Jahren durch dezentrale örtliche Versammlungen ersetzt oder fielen ebenfalls wegen Verboten aus. Nun rufen Neonazis zu zwar angekündigten, aber offenbar nicht angemeldeten Aktionen auf, die im modernen Erscheinungsbild als "Flashmob" daherkommen wollen. Damit ist ein zwar vorbereiteter, aber scheinbar spontaner Menschenauflauf an einem verabredeten Ort gemeint.

Die Aktivisten mit der Kennzeichnung "Hessmob09" verbreiten per Webseite und Twitter-Mitteilungen bisher zwölf Orte, an denen sie sich am Montag, 17. August, um 19.30 Uhr versammeln wollen. Dazu zählen Großstädte wie Dortmund, Dresden, Hamburg, Köln und Stuttgart, darüber hinaus Städte wie Borna, Chemnitz, Geithain, Lüneburg, Mannheim, Senftenberg und Wernigerode. Angegeben sind Treffpunkte in den Stadtzentren, um offenbar größtmögliche Öffentlichkeitswirkung zu erzielen. Damit sind offenbar auch Gegenproteste und polizeiliche Aktivitäten einkalkuliert, um die Provokationswirkung zu maximieren. In den vergangen Jahren wurden Ersatz-Aktionen in der Regel nicht angekündigt oder fanden an abgelegeneren Orten statt.

Laut Aktionsplan kommen die Teilnehmer pünktlich zur angegebenen Zeit, die per Atomuhr synchronisiert werden soll, "schnell zusammen und bleiben versteinert stehen". Damit soll "ein spannendes Stillebeben für die Presse" produziert werden. Anschließend wollen die Neonazis ein "langsames und deutliches Vorlesen der Schlussworte von Rudolf Heß" im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess inszenieren. Zwei Minuten später soll sich der "Hessmob" wieder verlaufen.

Anhänger von eher konservativer Heß-Verehrungsformen müssen in diesem Jahr schon ins Ausland fahren. Einigen Zulauf auch aus Deutschland kann am 15. August der "Rudolf Hess Gedenkmarsch" in Budapest (Ungarn) erwarten, der von der "NS-Front Hungaria" veranstaltet wird und mit einem abendlichen Konzert abgeschlossen werden soll. Der bekannte Neonazi Norman Bordin, der schon vor zwei Jahren mit Hitlergrüßen in Budapest auffiel, warb für den Marsch mit den Worten, er könne "Ungarn jedenfalls nur jedem ans Herz legen, die Kameradschaft und die Disziplin dort sucht ihres gleichen".

Allerdings ist dieser Marsch in Budapest noch keineswegs sicher. Der ungarische Regierungschef Gordon Bajnai forderte die Behörden auf, den Aufmarsch mit allen rechtlichen Mitteln zu verhindern. Laut der Tageszeitung Nepszsabadsag ist es der "NS-Front" bisher nicht gelungen, die notwendigen Genehmigungen für den Aufmarsch einzuholen. In der Propaganda für die Veranstaltung heißt es, die Orte des Marsches und des Konzerts würden erst zwei Tage im Voraus bekannt gegeben.