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Rechtsextremisten / NPD
Zwischen Grandhotel und Puff PDF Drucken E-Mail
redok   
11.08.2009
Berlin. Das verflossene Verhältnis zwischen den rechtsextremen Parteien NPD und DVU wird im nachhinein durch heftige persönliche Anwürfe gesalzen. Der schwedische Millionär Patrik Brinkmann, der sich unlängst auf die Seite der DVU geschlagen hatte, schießt mit pikanten Enthüllungen gegen den NPD-Chef Udo Voigt.

Den NPD-Vorsitzenden Voigt nennt der im April zur DVU gewechselte Brinkmann in einer Internet-Kolumne einen "Sektenführer", der in der Parteizentrale in Berlin-Köpenick "verschanzt hinter Stacheldraht und schmuddligen Stahltüren" mit "seinen Getreuen wie in einem Männerbund" residiere. Frauen seien dabei "nicht erwünscht oder höchstens als Dekorationsmaterial".

Laut Brinkmann spielt sich weibliche Gegenwart vor allem abgeschirmt von der Parteiarbeit ab. So auch bei dem "Parteivorsitzenden, der mich, um Spenden bittend, vor noch nicht allzu langer Zeit mit seiner Freundin besuchte um sich im Doppelzimmer des Grandhotels zu vergnügen". Aber auch preisgünstigere Absteigen soll Voigt frequentiert haben: "Da wird auf der einen Seiten das Familienideal des Dritten Reiches beschworen und auf der anderen Seite stört sich die nationale Basis nicht daran, dass ihr Parteivorsitzender auch das Geld der Partei in billige Puffs schleppt. "

Für die "Kameraden" schwerwiegender als die "Frauengeschichten" des NPD-Chefs dürfte dagegen eine Behauptung sein, mit der durch die Hintertür Voigts Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden behauptet wird. "Ob Voigt seinen Freien Nationalisten auch gesagt hat, dass er im gleichen Hotel kurte und vor allem zur gleichen Zeit wie die Innenministerkonferenz?", ließ Brinkmann fallen.

Genaueres rückte Brinkmann zu diesem angeblichen gleichzeitigen Hotel-Aufenthalt jedoch nicht heraus. In Frage kämen die Sitzungen der Innenministerkonferenz in den Jahren 2007 (unter dem Vorsitz des Berliner Innensenators) und 2008 (unter dem Vorsitz des brandenburgischen Innenministers). Fast jedes Mal ging es auch um einschlägige Themen:

  • so etwa im Dezember 2007 in Berlin, wo über "Finanzquellen der rechtsextremistischen Kreise" diskutiert wurde,
  • im April 2008 in Bad Saarow, wo die SPD-Innenminister mit dem Vorhaben scheiterten, ein neues NPD-Verbotsverfahren einzuleiten,
  • oder im November 2008 in Potsdam, wo ein Vorstoß des niedersächsischen Innenministers keine Unterstützung fand, mit einer Grundgesetzänderung die staatlichen Zuschüsse an die NPD zu stoppen.

Ob ein solcher Hotel-Aufenthalt nun Zufall ist oder nicht - bei den vorhandenen Neigungen zu Verschwörungstheorien im einschlägigen Milieu wird etwas von diesen Anwürfen an Voigt hängen bleiben.