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NPD
Vier-Sterne-Voigt PDF Drucken E-Mail
redok   
12.08.2009
Berlin. In einem brandenburgischen Vier-Sterne-Hotel hatte NPD-Chef Udo Voigt im April 2008 gemeinsam mit der Innenministerkonferenz  am Scharmützelsee residiert, während sich draußen 40 Neonazis bei einer Demonstration verloren. Der Chef-Aufenthalt im Luxushotel soll jedoch selbst eine politische Demonstration gewesen sein, lautet nun die bemühte Ausrede.

In der andauernden Schlammschlacht zwischen DVU und NPD hatte der schwedische Millionär Patrik Brinkmann am gestrigen Dienstag mit allerlei Behauptungen gegen NPD-Chef Voigt geschossen. Unter anderem hatte er fallen lassen: "Ob Voigt seinen Freien Nationalisten auch gesagt hat, dass er im gleichen Hotel kurte und vor allem zur gleichen Zeit wie die Innenministerkonferenz?"

Gemeint war die Innenministerkonferenz im April 2008 im brandenburgischen Bad Saarow, wo es unter anderem um die Frage eines neuen NPD-Verbotsverfahrens gehen sollte. Schon Wochen vorher hatte der brandenburgische NPD-Landesverband zu einer Demonstration mobilisiert, bei der dann als Redner neben Voigt auch der NPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pastörs, der damalige NPD-Generalsekretär Peter Marx, der brandenburgische Landesvorsitzende Klaus Beier, der thüringische Landesgeschäftsführer Patrick Wieschke sowie der norddeutsche Neonazi Thomas Wulff auftraten. Insgesamt waren jedoch nur etwa 40 Neonazis dem Aufruf zur Demo gefolgt.

Einer von ihnen hatte sich für den Zeitraum der Veranstaltung ein besonders luxuriöses Quartier besorgt. Aus dem nahen Berlin angereist, war Parteichef Udo Voigt im knapp 60 Kilometer von der Parteizentrale entfernten Bad Saarow just im Tagungshotel der Innenministerkonferenz abgestiegen, dem "externer LinkHotel Esplanade Resort & Spa" (derzeitiger Tarif für eine Übernachtung im Doppelzimmer: 152 Euro). Laut dem Schweden-Millionär Brinkmann hatte Voigt sich in dem Vier-Sterne-Hotel (mit Gütesiegel "Exzellent" für seinen Wellnessbereich) zur Kur aufgehalten - demnach wäre sein Auftritt bei der Partei-Demo gewissermaßen ein kurzzeitiger Abstecher vom Wellness-Resort am Scharmützelsee zum Fußvolk auf der Straße gewesen.

Doch nun liefern Anhänger des Chefs eine andere Erklärung für den Voigt-Spagat zwischen Luxushotel und Parteidemo. Demnach soll der Aufenthalt im Wellness-Resort keineswegs der gesundheitlichen Rekonvaleszenz gedient haben, sondern selbst eine politische Demonstration gewesen sein. Dabei sei es nämlich darum gegangen, "die Dummheit des Hotelverbandes vorzuführen". Tatsächlich hatte der brandenburgische Landesverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DeHoGa) im Anschluss an die Verweigerung eines Dresdner Hotelbetreibers angekündigt, dass auch in den Hotels seiner Mitglieder NPD-Funktionären künftig die Aufnahme verweigert werden solle. Allerdings stammte diese Ankündigung bereits vom November 2007 - der Voigt-Aufenthalt im Luxushotel wäre im April 2008 eine recht späte Protestaktion gewesen.

Voigt habe später "auf diversen Veranstaltungen" davon erzählt, "wie doof die Politidioten geschaut haben, als er innen entgegenkam, während vor der Tür die NPD demonstrierte", wusste heute ein NPD-Chef-Verteidiger zu berichten.

Angesichts der chronischen Finanzmisere der NPD und der Vier-Sterne-Verwendung von Parteigeldern dürften nun einige der damaligen NPD-Demo-Teilnehmer ähnlich "doof schauen".