| Neonazis | |||
| Geschrumpfter Stand-Auflauf |
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| redok | |
| 06.09.2009 | |
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Dortmund. Weit unter den Erwartungen der Veranstalter blieb am gestrigen Samstag der "Nationale Antikriegstag" in Dortmund. An der Stand-Kundgebung nahmen 700 Neonazis teil; gegenüber dem Vorjahr hat sich die Anzahl damit fast halbiert.
Seit Monaten hatten die Dortmunder "Autonomen Nationalisten" eine massive Propagandakampagne für ihren "Nationalen Antikriegstag" betrieben, den sie offenbar als Höhepunkt des rechtsextremen Jahreskalenders in Westdeutschland etablieren wollen. Angekündigt hatten sie Teilnehmer und Redner aus einer Reihe europäischer Länder: am Samstag sprachen Gesinnungsgenossen aus Tschechien, Belgien, den Niederlanden, Bulgarien und Russland. Doch die weit angereisten "Kameraden" konnten die Lücken nicht wettmachen, die von den heimischen Neonazis gelassen wurden. Weit über 1.000 Teilnehmer waren erwartet worden, doch am Ende blieb es laut Polizeiangaben bei mageren 700. Ein Journalist wollte an den Eingangskontrollen exakt 542 Neonazis gezählt haben. Im Vorjahr waren noch an die 1.300 Rechtsextreme durch Dortmund marschiert. Von Marschieren konnte jedoch in diesem Jahr keine Rede sein. Nachdem das Bundesverfassungsgericht erst am Freitag grünes Licht für die Versammlung gegeben hatte, war den Veranstaltern für die Versammlung von der Polizei nur ein Park-and-Ride-Parkplatz bei einer U-Bahn-Station am Rande des Hafens als Schauplatz für eine stationäre Kundgebung zugewiesen worden. Die Neonazis reisten durchweg mit der Bahn an, stiegen im Hauptbahnhof in die U-Bahn, stiegen am Hafen aus und hielten die von der Polizei hermetisch abgeriegelte Kundgebung ab. Ebenso wurde die Abreise durchweg komplett auf Schienen vollzogen, sodass es weder zu Konfrontationen noch zu einer Außenwirkung der Veranstaltung kam. Dem geschrumpften Teilnehmerkreis entsprach auch ein geschrumpftes Programm. Statt wie geplant bis 21 Uhr auf dem Parkplatz auszuharren, beendeten die Veranstalter die Kundgebung bereits um 16 Uhr. Damit war der braune Spuk schon nach etwa drei Stunden vorbei.
Bei der Kundgebung blieben die "Autonomen Nationalisten" weitgehend unter sich; andere rechtsextreme Teilnehmer ließen sich kaum blicken. Die Dortmunder Ortsgruppen von NPD und DVU, die gerade eine Woche vorher mit je einem Sitz in den Stadtrat eingezogen waren, ignorierten den Neonazi-Auflauf komplett. Einzig der umtriebige Chef der NPD Unna Hans-Jochen Voß wurde im Plausch mit dem Kopf der Dortmunder "Autonomen Nationalen" Dennis Giemsch gesehen. Der Versicherungsmakler Voß war erst kürzlich auch eine finanzielle Beziehung mit den AN-Neonazis eingegangen: Im Wahlkampf zu den Kommunalwahlen hatte er Der NPD-Mann hatte im Verlauf des Nachmittags noch einmal Pech. In Unna wollte er - offenbar als Ausklang des "Nationalen Antikriegstags" eine Versammlung mit etwa 60 Teilnehmern in einer Gaststätte abhalten. Der Wirt des "Kolpinghauses" bekam allerdings Wind davon, wer denn tatsächlich hinter dem Treffen steckte - und sagte die Veranstaltung ab. Dem NPD-Mann Voß blieb nichts anderes übrig, als seine angereisten Kameraden wieder heimzuschicken. Die Dortmunder Neonazis blieben angesichts der mageren Teilnehmerzahl, die sie kaum noch in einen Erfolg umdeuten konnten, im Nachlauf der Kundgebung schmallippig. "Lage ruhig, Polizei nervt in Dorstfeld", tickerten sie etwa über ihre Internetseiten. Da musste schon eine angebliche Spontandemonstration in Bielefeld mit 80 Teilnehmern herhalten, um dem Tag noch etwas Glanz zu verleihen. Keine Erwähnung fand allerdings auf den Neonazi-Internetseiten ein Angriff einer 15- bis 20-köpfigen Gruppe, die auf dem Heimweg von der Dortmunder Standkundgebung kurz vor Mitternacht in Siegen das alternative Kulturzentrum VEB angegriffen hatten. Die mit schwarzen Kapuzen-Pullis, Halstüchern und Sonnenbrillen maskierten Neonazis hatten versucht, die Scheiben des Zentrums mit Bierflaschen einzuwerfen, berichtet die Westfälische Rundschau. In rechtsextremen Internet-Foren herrschte Katzenjammer nach dem stationären Kurzaufenthalt in Dortmund. Zahlreiche Teilnehmer konnten nach langer Anfahrt etwa aus Süddeutschland ihrer außen-wirkungslosen Anwesenheit in keiner Weise einen Sinn abgewinnen. "Wir waren hoffnungslos zahlenmäßig unterlegen", klagte da ein Neonazi aus Südbaden. Noch drastischer wurde gleich der Stab über die Veranstalter gebrochen: "Die Kundgebung war ja wohl der Sargnagel der autonomen Nationalisten." Noch im Vorjahr habe es geheißen, dass man jetzt "die 2000er Marke knacken werde". Die Züge nach Dortmund seien so dünn mit "Kameraden" belegt gewesen, dass eine offenbar als ungewöhnlich erscheinende Kontrolle stattfinden konnte: "Seid wann kontrolliert die Bahn in NRW ob WIR Tickets haben? Frechheit!" An zwei Gegendemonstrationen hatten in Dortmund über 5.000 Menschen teilgenommen, am Abend stieg auf dem Dortmunder Friedensplatz noch eine Konzertveranstaltung als "Friedensfest" mit weiteren 5.000 Zuhörern. Siehe auch: Hintergrund: Neonazis für den Frieden? |