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Hamburg/Bielefeld. Eine Premiere erlebt die Hansestadt am kommenden Sonntag: Erstmals wird dort mit Teilnahme linker Gruppen gegen linken Antisemitismus demonstriert. Nach den Vorfällen in Hamburg und Bielefeld tun sich einige Linke schwer, klar Stellung zu beziehen.
Die Protestdemonstration gegen die Blockade einer Vorführung des Films "Warum Israel" von Claude Lanzmann soll am nächsten Sonntag vor dem Kino B-Movie enden. Dort soll anschließend der Film gezeigt werden. Unterstützt wird die Demo von einer Reihe von Personen, Musikgruppen sowie linker und Antifa-Gruppen, die teilweise dem "antideutschen" Spektrum zuzurechen sind, aber auch einzelner Verbände der VVN oder der Naturfreundejugend. Gegen die Demonstration agitiert eine linksextreme Webseite Die Rote Fahne, die von einem "faschistischen/zionistischen Aufmarsch" und von "zionistischem Treiben" redet sowie "die demokratische Öffentlichkeit" aufruft,"sich dem Aufmarsch der Zionisten entgegen zu stellen".
Währenddessen tut sich die Hamburger Partei "Die Linke" immer noch schwer mit ihrer Haltung zu der Film-Blockade. Wochenlang hatten nacheinander zwei verschiedene Texte auf den Linke-Webseiten gestanden, in denen die Blockadeaktion gerechtfertigt worden war. Zuletzt war sogar das gewalttätige Auftreten der linken Antisemiten gelobt worden: mit "Rempeleien, Schubsereien und vier Backpfeifen" seinen "besonnene und verhältnismäßig milde Reaktionen" an den Tag gelegt worden.
Auch dieser Text ist mittlerweile von den Linke-Webseiten wieder verschwunden. Er soll am 26. November auf Anweisung des Landesvorstandes gelöscht worden sein, zwei Tage nachdem redok über die Blockade- und Backpfeifen-Rechtfertigung berichtet hatte. Die für die Veröffentlichung des Textes verantwortliche parteiinterne AG Medien sieht nun einen "Eingriff in die redaktionelle Hoheit "; ein Internetportal scharf-links wittert gar "Zensur". Die Auseinandersetzungen im Hamburger "Die Linke"-Landesverband per Internet-Veröffentlichungen gehen jedoch weiter, denn eben dieser scharf-links-Artikel wird nun wiederum auf der Linke-Webseite veröffentlicht.
Nur eine "Frage" ...
Während die Linke-Führung in Hamburg in der üblichen Manier einer hierarchisch organisierten Partei keinerlei Stellungnahmen zu den innerparteilichen Querelen abgab, wurden im ostwestfälischen Bielefeld gleich zwei Erklärungen zu der Aussperrung des Journalisten Karl Pfeifer aus dem autonomen Kulturzentrum AJZ bekannt, der dort einen Vortrag über Rechtsextremismus, Antisemitismus und Antiziganismus in Ungarn hatte halten sollen. Zunächst hatten die Organisatoren der Vortragsveranstaltung von der Uni-Antifa-AG eine "Offizielle Stellungnahme" veröffentlicht. Darin hatte die Gruppe durchaus auch selbstkritisch die Ereignisse rekapituliert. Als Resümee wurde gezogen, dass das AJZ solange kein Kooperationspartner mehr für die Antifa-AG sein könne, wie die AJZ-Strukturen "solch ungeheuerliche Vorfälle möglich machen". Nach der "Hausversammlung" des Zentrums am 1. Dezember hieß es dann jedoch, diese Stellungnahme müsse noch einmal diskutiert werden.
Die AJZ-Versammlung hatte mit etwa 100 Teilnehmern offenbar lange getagt, doch was als "Stellungnahme der Hausversammlung" veröffentlicht wurde, enthielt vor allem Rechtfertigungen des eigenen Verhaltens und Beschuldigungen an Andere. Zwar war von einer Entschuldigung an "Dritte" die Rede - und nicht etwa an den Referenten Karl Pfeifer -, doch wofür man sich entschuldigen wollte, waren "missverständliche Bemerkungen" und "Fehlkommunikation".
Auch die Pfeifer-Aussperrung soll "weder antisemitisch noch antizionistisch motiviert" gewesen sein, sondern "fehlerhafter Kommunikation" zu verdanken gewesen sein. Es sei auch gar nichts über Pfeifer behauptet worden, sondern es sei "lediglich die Frage aufgeworfen" worden, "ob Herr Pfeifer in einer Einheit war, die etwas mit einem Massaker zu tun hatte". Außerdem habe das Bielefelder AJZ "zu wenige Informationen über den Hintergrund des Referenten" gehabt.
Aus Sichtweise der AJZ-Hausversammlung hatten also nicht Gerüchte zur Pfeifer-Aussperrung geführt, sondern "Fragen". Somit reicht es offenbar, eine völlig substanzlose "Frage" in den Raum zu stellen, um effektiv eine Veranstaltung mit einem als "Zionisten" titulierten Referenten zu verhindern. Mit den "Fragen" selbst oder mit Versuchen, sie zu klären, hat sich die "Hausversammlung" am vergangenen Dienstag offenbar nicht befasst - jedenfalls ist in der "Stellungnahme" davon nichts zu finden. Fall abgeschlossen?
Als nächste Veranstaltung bietet das AJZ am Montag einen Vortrag "Die Sache mit der Religion" des Bremer Professors Freerk Huisken an, der sich jahreszeitlich passend mit "Jesus und anderen Weihnachtsmännern" befasst. "Fragen" zum "Hintergrund des Referenten" sind nicht zu erwarten.
Siehe auch:
Linker Antisemitismus
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