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eBay: "Im heilgen Land, im Kuru-Land, zusammentreffend kampfbereit ..." | Braune Waren / NS-Symbole | |||
| eBay: "Im heilgen Land, im Kuru-Land, zusammentreffend kampfbereit ..." |
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| dgu | |||||||
| 15.08.2006 | |||||||
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"Dieses Angebot wurde entfernt oder ist nicht mehr verfügbar" - so
eigentlich sollte ein Such-Ergebnis bei eBay aussehen, nachdem man den
Kundenservice auf nationalsozialistische oder andere extremistische
Artikel hingewiesen hat. Laut den eBay-Richtlinien dürfen solche
Artikel längst nicht mehr angeboten werden. Die Praxis sieht leider
anders aus, wie der redok-Test bei dem Internet-Auktionshaus zeigt.
Immer noch gibt es altbekannte und neue Anbieter, werden entfernt geglaubte Artikel erneut eingestellt, tauchen die Anbieter unter neuem Namen wieder auf. Und gewerbliche Anbieter solcher Artikel verkaufen nicht selten sogar ohne gültiges Shop-Impressum oder mit offensichtlich fiktiven Angaben. Der Konsument einschlägiger Braunware findet bei eBay ein breites Spektrum: Rechtsextreme Buchversände wie der Deutsche Buchdienst des DVU-Herren Frey, antisemitische und verschwörungstheoretische Schriften wie die eines Erich Glagau, NS-Titel wie "Kampf gegen die Hochfinanz" in der Ausgabe von 1935 aus dem "Faksimile-Verlag" von Roland Bohlinger, Henry Fords "Der internationale Jude", erschienen im nationalsozialistischen Hammer-Verlag Leipzig 1937, oder die Schriften des verurteilten Holocaust-Leugners Germar Rudolf.
Besonders eifrig ist "schlomoeisenstein", der unter seinem wohl als judenfeindlichen Witz gedachten Anbieternamen vor allem Druckwerke aus dem rechtsextremen Arndt-Verlag aus Kiel vertreibt. Bei eBay ist er zwar als gewerblicher Anbieter angemeldet, führt aber kein gültiges Impressum. Als Artikelstandort gibt er "bei mir, Deutschland" an. Ebenso problemlos erhältlich sind die Titel des unter dem Pseudonym des Vampirjägers "Jan van Helsing" schreibenden Jan Udo Holey, dessen Verschwörungsschinken "Geheimgesellschaften des 20. Jahrhunderts" in Deutschland indiziert ist und im Bundes-Verfassungsschutzbericht 2004 Eingang gefunden hat. Ein Machwerk Holeys findet man derzeit sogar im Ressort "Zeitgeschichte" als allererstes "Top-Angebot". Die eBay-Kategorie "Kleidung & Accessoires" und darunter wiederum "Kurzärmelig mit Motiv" ist recht gut geeignet, um sich auch außerhalb der üblichen Szene-Läden und Online-Shops über die Neigungen der rechtsorientierten Klientel zu informieren. Wenn man nicht gerade nach einem "Nazi-T-Shirt" sucht, sondern beispielsweise in allen erdenklichen (richtigen und falschen) Schreibweisen die Namen beliebiger "nordischer" Gottheiten ins Suchfeld tippt, sind die Suchergebnisse nicht nur in ihrer Anzahl beeindruckend. Mit einem "Odin Statt Jesus"-T-Hemd der Berliner Germanenhof GmbH wird der neuheidnische Fan bedient. Eine "Freya" will einen Aufnäher mit einer "Schwarzen Sonne" - einem neonazistischen Symbol in Gestalt eines 12-armigen Hakenkreuzes - an die Germanen- oder Wikinger-Kutte bringen - "Artikelstandort" ist hier "Utgard, Deutschland".
Der neueste Schrei aus dem "indo-arischen" Sektor ist der Aufdruck "Utara Kuru". Der Ausdruck stammt aus dem Sanskrit, der Sprache der ältesten indischen Literatur (der Veden), und bedeutet nichts anderes als "Nord-Kuru". Kuru war eines der frühesten indo-arischen Königreiche auf dem Gebiet des heutigen indischen Bundesstaates Haryana und erscheint als "heiliges Land" in der Bhagavad-Gita ("Gesang Gottes"), einem spirituellen Gedicht und zentraler Schrift des Hinduismus. Der modische Bezug auf fernöstliche Symbolik stellt damit eine Marketing-Variante von "Ultima Thule" dar, jenem "ersten und letzten" Ort für Arier oder Ursprungsort der "arischen Rasse" schlechthin. Die zu dem bei eBay angebotenen "Utara Kuru"-Artikel gehörige Artikelbeschreibung "THORSTEINAR" oder "NPD" scheint mit indischer Mythologie oder vedischem Schrifttum kaum zusammenzupassen. Sie kann wohl weniger mit Bezugnahme auf die "Tradition" einer Thule-Gesellschaft, jener rassistischen Geheimgesellschaft nach dem 1. Weltkrieg und einer der Keimzellen der NSDAP, als vielmehr mit ganz praktischen Verkaufsinteressen erklärt werden. Und war noch vor kurzem Kümmersbruck in der bayerischen Oberpfalz der "Artikelstandort" dieses gewerblichen Anbieters "Sol Invictus Versand", heißt es nun passender "Neuschwabenland, Deutschland" - aber ein gültiges Impressum hatte es ohnehin nie gegeben.
Soweit, so obskur. Wenn aber beispielsweise ein eBay-Mitglied, das bei besagtem "Sol Invictus Versand" zunächst ein Cap mit einer Hagal-Rune (nur 'umständehalber' und anstelle eines Hakenkreuzes) und dem Aufdruck "Ultima Thule" und wenige Tage später eine israelische Flagge ersteigert, so lässt das auf Interessen schließen, die eher nicht auf Hochkulturen des mittleren und östlichen Asiens der Jahre 1500-1000 v. Chr. ausgerichtet sind. Auch dass sich das Angebot eines angeblich englischsprachigen Anbieters aus dem niedersächsischen Delmenhorst vorrangig an die Liebhaber zeitloser Mode richtet, wenn er eine Uniform der 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend" versteigert, darf bezweifelt werden. Bezeichnenderweise enthielt einer der von diesem Anbieter verwendeten Mitgliedsnamen den Namen eines Gottes der nordischen Mythologie und die Zahlenkombination "1488". Über den gesetzlichen Rahmen hinausgehend will eBay so genannte "unzulässige Angebote" mit Hilfe von Mitarbeitern und Filtersoftware suchen und Artikel aufspüren, "die einen nationalsozialistischen Bezug haben". In einer Stellungnahme zur Sendung "Report Mainz" vom 06.02.06 teilte eBay mit: "Da die rechtsradikale Szene Begriffe verwendet und Gegenstände zu vertreiben versucht, die nicht allgemein bekannt sind, arbeiten wir eng mit externen Experten, beispielsweise vom Verfassungsschutz, zusammen, um bestmöglich derartige Angebote bekämpfen zu können". Das ARD-Magazin hatte über die Versteigerungen von Neonazi-Artikeln berichtet. Den "externen Experten" aber scheinen die genannten "Begriffe und Gegenstände" nicht bekannt zu sein.
"Ziel von eBay Deutschland ist es, zu verhindern, dass den
Nationalsozialismus verherrlichende oder verharmlosende Artikel durch
kommerzielle Verwertung Eingang in die Alltagskultur finden" - um
diesen |
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