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Rechtsextremisten
Der Osten ist Thor PDF Drucken E-Mail
redok   
30.12.2009
thorsteinar_tn.jpg Berlin. Während eines jährlichen Kongresses des Chaos Computer Club (CCC) haben Hacker mehrere rechtsextreme Websites geknackt sowie Kunden- und Abonnentendaten veröffentlicht. Mit der Kundendatei der bei Rechtsextremisten beliebten Bekleidungsmarke "Thor Steinar" wurde bereits eine grafische Darstellung nach Postleitzahlen produziert. Im Westen der Bundesrepublik finden die Rechts-Klamotten ihre Abnehmer vor allem in Rheinland-Pfalz, doch die Domäne des Steinar-Absatzes ist der Osten Deutschlands.

Anscheinend wurde die Kundendatenbank der Thor-Steinar-Hersteller bereits im März dieses Jahres von Hackern erbeutet, doch wurde sie erst am heutigen Mittwoch im Umfeld des jährlichen CCC-Kongresses in Berlin veröffentlicht. Allein die als "Adressbuch" verbreitete Zusammenstellung von Kundendaten mit vollen Adressen enthält fast 55.000 Personen, eine Liste mit Kunden-Mailadressen fast 49.000 Datensätze. Die Listen wurden mittlerweile auf eine Reihe von Dateiservern im Internet hochgeladen.

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Thor-Steinar-Kunden: Domäne im Osten (Bild klicken für Originalgröße im neuen Fenster)

Innerhalb kurzer Zeit produzierte ein anonymer Hacker aus den Kundendateien eine grafische Darstellung mit der geographischen Verteilung der Besteller nach Postleitzahlen relativ zur Bevölkerung des jeweiligen Gebiets. Die Grafik zeigt einen eindeutigen Schwerpunkt: Thor-Steinar-Träger leben demnach vor allem im Osten der Republik.

Außer den Kundendaten fischten die Hacker auch Geschäftszahlen ab. Demnach nahm die Firma durch Online-Verkäufe im Jahr 2007 genau 1.807.215,93 Euro ein, im folgenden Jahr 2008 waren es bis einschließlich September 1.265.397,58 Euro.

Neben dem Textilgewerbe hatten sich die Hacker auch eine externer Linkneonazistische Kontaktbörse namens "MA Flirt" vorgenommen. Eine komplette Kopie der Webserver-Datenbank sowie über 11.000 Bilder von knapp eintausend paarungswilligen Nazis - dem Augenschein nach mit deutlichem Schwerpunkt aus der Skinhead-Szene - wurden ebenfalls im Internet öffentlich gemacht.

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Flirtkunde "DZvandaleDZ" aus dem sächsischen Delitzsch: Eigenwerbung zwecks erotischem Vollkontakt als "Spezialist für Körperverletzung"

Die kostenlose Kontaktbörse hatte damit geworben, dass ihr Service "völlig anonym" sei, weil Inserenten "selber entscheiden welche Informationen Sie über sich selbst bekannt geben möchten" (so im Original auf der Webseite). "Sie werden automatisch diskret per Email benachrichtigt, wenn ein Single zu Ihnen paßt", wurde dort in alter Rechtschreibung versprochen. Jetzt heißt es bei der Webseite nur noch: "Diese Domain wurde vorübergehend deaktiviert".

Im Neonazi-Internetforum Thiazi zeigte man sich alarmiert: Die von den Benutzern selbst hochgeladenen Fotos - darunter auch "Waffenfotos" - seien "für den VS (Verfassungsschutz, Anm. der Red.), Antifa und das ganze Gesindel eine wahre weihnachtliche Bescherung". Der Rat an die Flirt-Foto-Hochlader hieß, "seine Bude schnellstens zu säubern".

Daneben verblasst fast die Veröffentlichung einer Abonnentendatei der NPD Niederbayern. Die Newsletter-Kartei enthält eine Liste von etwa 250 Emailadressen.