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Rechtsextremisten
Fleisch vom Fleische PDF Drucken E-Mail
Anton Maegerle   
04.01.2010
Fleisch vom Fleische der extrem rechten Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) ist die am 18. Dezember in einer Auflage von angeblich ca. 90.000 Exemplaren gestartete Monatszeitschrift ZUERST!  aus dem Hause des rechtsextremen Verlegers Dietmar Munier (Lesen & Schenken GmbH).

Chefredakteur von ZUERST! ist der in Bonn lebende langjährige JF-Autor Günther Deschner (Jg. 1941), vormals Leiter des Kulturressorts der WELT. Bislang stand Deschner für den Munier-Verlagskomplex mit Sitz im schleswig-holsteinischen Martensrade als Autor und Interviewpartner der rechtsextremen Deutschen Militärzeitschrift (DMZ) sowie als Referent beim Lesertreffen von Lesen & Schenken zur Verfügung. In geschichtsrevisionistischen Kreisen genießt Deschner als "der Entdecker" (NPD) des rechtsextremen Historikers Hellmut Diwald (JF: "Ein Historiker, der Deutschland liebte") einen hohen Ruf.

Starker Mann der ZUERST!-Mannschaft ist neben Deschner der ehemalige langjährige JF-Redakteur Manuel Ochsenreiter (Jg. 1976). Ochsenreiter, seit Ende 2004 Chefredakteur der DMZ, gilt als "JF-Urgestein", der das "Profil der Zeitung wesentlich mitgeprägt hat." (JF) Der Interviewpartner der NPD-Parteizeitung Deutsche Stimme war 2008 Gast der islamistischen Hisbollah im Libanon und ließ sich dort, posierend  auf einem zerstörten israelischen T-55-Panzer, fotografieren.

Aus JF-Zusammenhängen sind auch die ZUERST!-Autoren bzw. Interviewpartner Wilhelm Hankel, Jürgen Liminski, Günter Bertram, Heinz Nawratil, Pius Leitner und  Thomas Paulwitz bekannt. Deren Artikel bzw. Interviews in ZUERST! finden sich zwischen Anzeigen des Munier-Verlagskomplexes, in denen für Machwerke wie "Das Versailler Diktat" oder "Germanische Farbbildkalender" geworben wird. Mit Anzeigen vertreten sind in ZUERST! unter anderem  die Wochenzeitung Zur Zeit, die aus der Österreich-Ausgabe der JF hervorgegangen ist, das JF-nahe Institut für Staatspolitik  und der Lindenbaum Verlag von Siegfried Bublies. Bublies bescheinigte der JF vor Jahren, "daß ein rebellisch-konservativer, nonkonformistischer, zuweilen frech-antiautoritärer journalistischer Stil gerade wegen der provokanten Respektlosigkeit gegenüber den Gralshütern des etablierten Konservatismus eine publizistische Chance hat."

Laut Deschners Editorial bekennt sich ZUERST! "zu den eigenen deutschen Interessen", will nicht an der "Entartung unseres politischen Systems und der Entmündigung des Volkes als politischer Souverän" mitwirken und "sich dem Konformitätsdruck des Meinungskartells nicht unterordnen". Man versteht sich quasi als rechtes Pendant  zum Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Das viermal namentlich von Deschner erwähnte "Blatt" habe  "über weite Strecken auch zersetzend gewirkt"  und "an der herrschenden Meinungsdiktatur der politischen Korrektheit mitgewirkt".

Dem Traum vom Aufbau eines  Gegen-Spiegels hängt Deschner seit Jahrzehnten nach. So wurde er im Frühjahr 1987 in einem rechten Medien-Blättchen zu den Chancen einer "Konkurrenz zum Spiegel" befragt. Deschners Antwort: "Um mit einem zweiten oder dritten Nachrichtenmagazin das Spiegel-Monopol zu brechen, braucht man viel Geld und hervorragende Journalisten. Am Anfang aber steht der Wille. Und daran fehlt es."

Wenige Monate später waren Geld und Wille vorhanden. Der Erlanger Verleger Dietmar Straube warf zur Jahreswende 1987/88 bundesweit die Zeitschrift "puls", ein "unabhängiges deutsches Nachrichtenmagazin", auf den Markt. In der Erstausgabe beklagte Straube, dass wir "seit 40 Jahren mit dem Monopol eines einzigen Nachrichtenmagazins leben" und "puls auch deswegen auf den Markt" kommt, "damit dieses Land nicht jenen überlassen bleibt, die stets verneinen." Mitherausgeber und Chefredakteur von "puls" war Deschner. Nach einer Ausgabe kam bereits das Aus für das Anti-Spiegel-Projekt. Daran konnten auch Anzeigen von kapitalkräftigen Firmen wie Bayer, Boss, Ciba-Geigy, Grundig, Loewe und Pioneer nichts ändern.

Ein offizieller Redaktionssitz von ZUERST! wird im Impressum dieses "deutschen Nachrichtenmagazins" nicht ausgewiesen - lediglich eine Postfachadresse in Berlin. Telefon- und Faxnummer sind dagegen mit denen des Munier-Verlagsimperiums in Martensrade identisch.