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AhmadineDschihad
Strafanzeige wegen "kollektiver Zwangsneurose" PDF Drucken E-Mail
redok   
24.01.2010
Bielefeld. Wegen Volksverhetzung ermittelt der Staatsanwalt gegen einen Professor an der Fachhochschule Bielefeld. Seine Tat: Er hatte den Islam als "kollektive Zwangsneurose" bezeichnet. Strafanzeige gegen den kritischen Professor hat der Vorsitzende der Berliner "Islamischen Religionsgemeinde" gestellt.

Der Soziologieprofessor Heinz Gess (65) ist schon öfter mit Stellungnahmen und Aussagen angeeckt, die auch manchem an seiner Fachhochschule nicht passten. So wies er in einer Veröffentlichung darauf hin, dass an der FH Bielefeld mit externer LinkWerner Haverbeck mehrere Jahre lang ein Dozent als Professor für Sozialwissenschaft wirken konnte, der noch vor dem "Dritten Reich" führend in Nazi-Organisationen gewesen war. Haverbeck hatte in den 1960er Jahren den Verein "Collegium Humanum" gegründet, der nach seinem Tod 1999 von seiner Witwe Ursula Haverbeck-Wetzel weitergeführt und schließlich im Mai 2008 vom Bundesinnenminister verboten wurde.

Im Zusammenhang mit diesem Hinweis auf Haverbeck hatte die externer LinkFH Bielefeld ein Disziplinarverfahren gegen ihren Professor Gess eingeleitet. Gess habe seine Dienstpflichten verletzt, weil er Maßnahmen der Verwaltung öffentlich kritisiert habe, so die FH-Rektorin.

Jetzt bekommt Gess wieder Ärger, denn der Vorsitzende einer "Islamischen Religionsgemeinschaft" aus Berlin-Charlottenburg hat Strafanzeigen wegen Volksverhetzung gegen Gess gestellt. Der Professor hatte es gewagt, in Anlehnung an den Urvater der Psychoanalyse Sigmund Freud den Islam als "kollektive Zwangsneurose" zu bezeichnen. Der Soziologe habe den Islam beleidigt und Volksverhetzung betrieben, erzürnte sich der Berliner Islam-Funktionär Abdurrahim Vural. Strafanzeigen gegen Gess erstattete er gleich an mehreren Orten wie Mannheim, Cottbus oder Hannover.

In der niedersächsischen Landeshauptstadt wurden nun die Verfahren zusammengefasst. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Gess, der von Islam-Funktionären wie etwa dem Sprecher der Islamischen Religionsgemeinschaft Mehmet Ayhan wüst beschimpft wird: "Dieser Mann ist eine Ameise. Er hat an einer Hochschule nichts zu suchen". Er müsse "hart bestraft" werden, denn: "Wir fühlen uns sehr beleidigt", so Ayhan. Folgerichtig hat die Islamische Religionsgemeinschaft den Professor auch bei seinem Arbeitgeber, der FH Bielefeld, angeschwärzt. Die Hochschule sei dabei, "den Sachverhalt aufzuklären", so FH-Sprecher Frank-Rüdiger Bürgel zur Regionalzeitung Neue Westfälische.

Auf der Internetseite der Islamischen Religionsgemeinschaft ist die Rede von einer Strafanzeige "gegen den durchgeknallten Islamfeind Professor Heinz Gess". Der "irre gewordene Professor" arbeite zudem mit einer "neonazistischen Gruppierung" zusammen, unterstellt die "Islamische Religionsgemeinde" - tatsächlich hatte ein dem Bielefelder Professor unbekanntes Internetportal den Gess-Satz von der "kollektiven Zwangsneurose" zitiert. "Ich fordere im Namen der Muslime aus aller Welt eine Aufklärung sowie die Bestrafung von Prof. Gess“, hatte Vural in einer Presseerklärung getönt.

Zunächst wehrte sich Gess mit einer externer Linkumfangreichen öffentlichen Darstellung gegen die islamistischen Attacken. Darüber hinaus hat er jetzt einen Strafantrag gegen Vural wegen Bedrohung gestellt, der bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld bearbeitet wird.

Die Islamische Religionsgemeinschaft war Anfang 1990 in der damals noch bestehenden DDR gegründet worden. Für Schlagzeilen hatte die Religionsgemeinschaft nach Informationen der Neuen Westfälischen gesorgt, als ihr 75 Millionen Ostmark aus dem SED-Vermögen gespendet wurden. Später wurde das Geld beschlagnahmt.